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Ein halbes Jahr lang haben Moosburger Fischer vergiftete Forellen gegessen, weil sie vom Landratsamt nicht rechtzeitig gewarnt wurden.

„Das finde ich unglaublich“

Fisch-Skandal in Freising: SPD-Verbraucherschützer greift Behörden an

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Der Fisch-Skandal in Freising weitet sich aus: Florian von Brunn, SPD-Verbraucherschützer, findet das Verhalten der Behörden „unglaublich“ - und übt massive Kritik. 

Update, 19. April, 15.17 Uhr: Landratsamt sieht keine Gefährdung der Bevölkerung

Was Stichproben bereits gezeigt haben, bestätigt nun auch die Langzeitprobe: In bestimmten Bereichen des Gewässersystems Moosach wurden Forellen, Wildfische und Sedimente nachgewiesen, die mit dem verbotenen Mittel Malachitgrün belastet waren. Nachgewiesen wurden in diesen Fällen mehr als zwei Mikrogramm pro Kilo, berichtet das Landratsamt. 

Die Behandlung von Speisefischen mit Malachitgrün ist streng verboten. Behördensprecher Robert Stangl betonte aber: „Auch bei lebenslangem Verzehr entsprechend belasteter Fische ist keine Gesundheitsgefahr gegeben.“

Update, 11. April 2019: SPD-Verbraucherschützer sieht massive Umweltbelastung

Bis Dienstag hat SPD-Verbraucherschützer Florian von Brunn dem Umweltministerium Zeit gegeben. Am Dienstagabend erhielt er die Antworten zu den mit Malachitgrün vergifteten Fischen in den Landkreisen Freising und Dachau. Das berichtete der Landtagsabgeordnete auf Nachfrage des FT. 

Die Übersicht über die Untersuchungsergebnisse, die auch der Heimatzeitung vorliegen, bestätigen von Brunns Verdacht: „Die wenigen Proben zeigen, dass es eine ernstzunehmende Umweltbelastung durch Malachit in Freisinger Gewässern gab beziehungsweise gibt. Ich kann mich nur wundern, warum die zuständigen Behörden nicht viel früher umfassende Beprobungen durchgeführt und die Öffentlichkeit offen informiert haben.“ 

Seit Oktober 2018 wurden im Rahmen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der technischen Gewässeraufsicht Fisch-, Sediment- und Wasserproben sowie Fischnährtierchen im Gewässersystem Moosach/Isar entnommen und untersucht. Demnach lag die Malachitbelastung für Fische bei zwei Proben über der gesetzlichen Bestimmungsgrenze von 0,2 Mikrogramm pro Kilo: in der Moosach bei Pulling (3) und im Mieskanal (4,8). Bei 13 Sedimentproben wurde der Bestimmungswert für sieben Mal deutlich überschritten: in Moosach (32,9, 11,2, 23,6), Mauka (4,8), Fischkanal (54,3) und Galgenbach (163,1 und 62,6). Die Belastung für das Wasser liegt innerhalb der Bestimmungsgrenze. 

Wie das Umweltministerium weiter schreibt, liegen die Ergebnisse noch nicht für alle Beprobungen vor. Für einen Teil habe die Staatsanwaltschaft bislang noch keinen Untersuchungsauftrag erteilt, für einen weiteren liegen die Ergebnisse noch nicht vor. 

Das bezieht sich auch auf das rund sechswöchige Langzeitmonitoring. Mittels dreier im Verlauf der belasteten Gewässer eingebrachten Schwebstoffsammelkästen soll beurteilt werden, inwieweit die Sedimentbelastung verfrachtet wurde. Hintergrund: Alles weist darauf hin, dass die verbotene Substanz allein von der Fischzucht Kiffner ins Wasser eingebracht wurde, die ihren Sitz im Landkreis Dachau hat. 

Fischereibetriebe Nadler und Baumgartner leiden darunter

Darunter zu leiden haben die beiden Freisinger Fischereibetriebe Nadler und Baumgartner. Letzteren hat von Brunn in der vergangenen Woche besucht. Der Eindruck des Abgeordneten: „Herr Baumgartner wurde nach meiner Meinung durch einen anderen Betrieb, der sich offenbar nicht an geltendes Recht gehalten hat, massiv geschädigt.“ Sein Unternehmen stehe am Rande des Ruins. „Die Behörden haben, so sehe ich das, bisher nichts getan, um Herrn Baumgartner zu helfen. Ich habe eher den Eindruck, man wirft ihm auch noch Knüppel zwischen die Beine. Das finde ich unglaublich.“ Von Brunn ist sich sicher: „Wenn man gleich zu Anfang über alles offen geredet hätte, so wie es die Rechtslage sogar ausdrücklich vorsieht, dann hätten die Schäden für Herrn Baumgartner und andere Fischzuchtbetriebe vermieden oder zumindest verringert werden können.“ 

Kritische Fragen hat auch die SPD Freising gestellt. Adressat ist das Landratsamt. Wie dessen Sprecher Robert Stangl mitteilte, liegt die schriftliche Antwort vor. „Sie wird in den nächsten Tagen versandt.“

Erstmeldung 4. April 2019

Der Fisch-Skandal in Freising zieht immer weitere Kreise. Die Sozialdemokraten des Landkreises nehmen jetzt das Landratsamt in Beschuss.

  • Am Aschermittwoch kam heraus, dass Fische im Landkreis Freising mit dem verbotenen Arzneimittel Malachitgrün behandelt wurden.
  • Das Landratsamt hat die Bevölkerung überhaupt nicht informiert, die Fischer viel zu spät.
  • Die Fischer haben ein halbes Jahr lang die vergifteten Fische gegessen.
  • Inzwischen hat sich herausgestellt, dass ein Fischereibetrieb im Landkreis Dachau seine Fische mit dem möglicherweise krebserregenden Mittel behandelt hat - und zwei Betriebe in Freising mit in den Strudel gezogen hat.
  • Die beiden unschuldigen Betriebe im Landkreis Freising sind seit sechs Monaten gesperrt.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Freising – „Der SPD-Kreisverband hält die Informationspolitik der Behörden für unzureichend“, betont Kreisvorsitzender Andreas Mehltretter. „Das Ausmaß der Belastung mit dem unerlaubten Parasitenbekämpfungsmittel ist noch immer nicht bekannt. Vor allem ist unklar, wie lange vor der Entdeckung das Mittel bereits verwendet wurde.“ Weder den Verbrauchern noch den unschuldig betroffenen Betrieben werde damit ein Gefallen getan. 

Mehltretter und SPD-Vorstandsmitglied Uwe Dörnhöfer hat der Freisinger Fisch-Skandal dazu veranlasst, am Donnerstag eine Anfrage beim Landratsamt einzureichen. Sie berufen sich auf das Verbraucherinformationsgesetz, das die Behörden zur Herausgabe von Informationen verpflichtet.

„Kein Gefallen für unschuldige Betriebe“

„Leider hat das Landratsamt es immer noch nicht geschafft, die Öffentlichkeit transparent zu informieren. Auch den unschuldig betroffenen Betrieben wird damit sicher kein Gefallen getan“, erklärte Mehltretter. Dörnhöfer erklärte, was die SPD vor allem interessiert: „Wir möchten herausfinden, ob die Kontrollen ausreichen, inwieweit eine Gesundheitsgefahr für die Verbraucher noch besteht oder bestand, und ob gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht.“

SPD hakt bei Landratsamt kritisch nach

Insgesamt haben die beiden Sozialdemokraten sieben kritische Fragen gestellt. Unter anderem wollen sie wissen, wo genau das Malachitgrün ins Wasser eingebracht wurde, ob es bereits vor den Kontrollen einen Verdacht gab, und ob sämtliche Endkunden der betroffenen Fischzuchten informiert wurden.

Starke Worte von Sozialdemotraten

Klare Kante zeigen die Freisinger Sozialdemokraten auch in punkto Verkehrskonzept. Sie fordern eineS-Bahn, die bis nach Moosburg führt. Klartext über politische Brennpunkte sprach in Freising auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi. Er warnte vor dem „Kaputtsparen“.

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