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1935 erschienen – noch heute interessant: das Sportbuch des Freisinger Gewichthebers und Olympia-Siegers Rudolf Ismayr.

Das Archivstück des Monats Februar  

Das Vermächtnis einer Freisinger Sportlegende

Ab dem 9. Februar 2018 treffen sich im südkoreanischen Pyeongchang Sportler aus fast 100 Nationen, um sich dort in den Wettkämpfen der 23. Olympischen Winterspiele zu messen. Freising kann zumindest in der Geschichte der Sommerspiele auf mehrere Goldmedaillen-Gewinner zurückblicken. Einer davon schrieb sogar ein Buch – dessen Titelblatt ist das Archivstück des Monats Februar. Der stellvertretende Leiter des Stadtarchivs Freising, Matthias Lebegern, berichtet.

Freising Freising auf Goldkurs: Mit Josef Manger und Rudolf Ismayr gewannen in den 1930er Jahren zwei Freisinger Sportler bei den Olympischen Spielen in Los Angeles und Berlin die Wettkämpfe im Gewichtheben. Im Freisinger Stadtarchiv ist von Rudolf Ismayr ein Splitternachlass erhalten, der die erfolgreiche Karriere dieses Sportlers nachzeichnet und sie mit einer Sammlung von Zeitungsausschnitten, Auflistungen von Wettkampfergebnissen sowie Korrespondenzen dokumentiert. Außerdem zeigt der Nachlass, dass Ismayr daran interessiert war, seine Fähigkeiten und Trainingsmethoden in der Disziplin des Gewichthebens weiterzugeben. Im Jahr 1935 erschien im Trigon-Verlag das Sportbuch „Gewichtheben von Olympia-Sieger Rudi Ismayr“.

In dieser Veröffentlichung stellt Rudolf Ismayr zum einen autobiographisch seinen Werdegang und seine Wettkampferfahrungen – insbesondere die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles – dar. Zum anderen wollte er aber seine Trainingsmethoden präsentieren und den Leser dazu ermuntern, diese Sportart zu betreiben. Das Werk beinhaltet in einem ersten Abschnitt neben einer kurzen Historie des Sports eine einführende Beschreibung in die verschiedenen Teildisziplinen des Gewichthebens. Daran schließt sich ein zweiter Bereich an, in welchem sich Ismayr intensiv mit verschiedenen Übungen sowie Trainingsmethoden für das „Drücken“, das „Reißen“ oder das „Stoßen“ der Hanteln auseinandersetzt. Ausgehend von den vorgestellten Übungen, erstellt er einen aus seiner Sicht idealen Wochenplan für ein intensives Krafttraining mit verschiedenen Geräten und für verschiedene Muskelgruppen. In einem letzten Kapitel gibt Ismayr, vermutlich als Orientierungshilfe, eine Übersicht zu den bestehenden deutschen Rekorden und über die Weltrekorde in den unterschiedlichen Gewichtsklassen.

Dass seine Trainingsmethoden durchaus erfolgversprechend gewesen sind, beweist nicht nur sein eigener Olympia-Sieg im Jahr 1932, sondern auch der Erfolg seines Zöglings Josef Manger. Dieser gewann nämlich vier Jahre später in Berlin die Goldmedaille im Schwergewicht.

Rudolf Ismayr wurde am 14. Oktober 1908 in Landshut geboren. Seine Jugend verbrachte er in Landshut und Deggendorf, wo er 1924 im Alter von 16 Jahren mit Boxen und Gewichtheben begann. Bereits 1925 wurde er Niederbayerischer Gaumeister im Leichtgewicht, bei den Wettkämpfen kam es auch zu einem ersten Treffen mit dem späteren Reichstrainer Josef Zimmermann. 1928 zog Ismayr nach München und begann dort ein Studium der Rechtswissenschaften. Sein sportliches Training setzte er jedoch bei mehreren Sportvereinen fort. Josef Zimmermann holte ihn schließlich 1930 zum SC Roland München, wo er das Training intensivierte. Binnen eines halben Jahres erreichte Ismayr dadurch Siege und hohe Platzierungen bei verschiedenen deutschen Titelkämpfen und nahm noch im selben Jahr erstmals an den Europameisterschaften im Gewichtheben teil. 1931 wurde er in Magdeburg Deutscher Meister und bei den Meisterschaften in Luxemburg Europameister. Dies ermöglichte ihm im darauffolgenden Jahr die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Los Angeles, wo er für das Deutsche Reich die erste Goldmedaille im Gewichtheben errang.

Nach den Spielen begann Rudolf Ismayr mit dem Aufbau der Gewichtheber-Abteilung bei der Sportvereinigung Freising und holte dabei junge Talente wie den Bamberger Josef Manger nach Freising. Bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 1936 in Berlin sprach Rudolf Ismayr den Olympischen Eid. Zudem konnte er die Silbermedaille in seiner Gewichtsklasse erringen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er 1940 als Soldat zum Kriegsdienst eingezogen. 1945 geriet er in britische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 wieder entlassen wurde.

Im Nachkriegsdeutschland war Ismayr als Volljurist im Staatsdienst tätig und wandte sich der Friedensbewegung zu. Politisch setzte er sich für die Abschaffung von Atomwaffen ein und kandidierte 1957, 1961 und 1965 erfolglos für den „Bund der Deutschen“ sowie für die „Deutsche Friedens-Union“ bei den Bundestagswahlen.

Am Ende seiner Sportlerkarriere konnte Ismayr auf sieben Deutsche Meistertitel, drei Siege bei Europameisterschaften, mehrere Weltrekorde und den Olympia-Sieg von 1932 zurückblicken. Am 9. Mai 1998 verstarb Rudolf Ismayr in Marquartstein. Seine Veröffentlichung über das Gewichtheben bietet noch in der Gegenwart die Möglichkeit, einen Vergleich mit den heutigen Trainingsmethoden vorzunehmen. Interessant ist es dabei zu untersuchen, inwieweit sich die Vorstellungen von Training und Ernährung in den vergangenen 80 Jahren verändert haben. 

Matthias Lebegern

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