Wo bleibt der Wildschutzzaun? Das fragen sich (v. l.) Jagdpächter Josef Petz, Jäger Helmut Eberlein, Jagdvorstand Ludwig Holzner und Jägerverband-Chef Walter Bott.
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Wo bleibt der Wildschutzzaun? Das fragen sich (v. l.) Jagdpächter Josef Petz, Jäger Helmut Eberlein, Jagdvorstand Ludwig Holzner und Jägerverband-Chef Walter Bott.

Die Rehe bleiben auf der Strecke

Vermehrt Wildunfälle auf neuer Nordostumfahrung – Jäger ärgern sich über fehlenden Wildschutzzaun

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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  • Manuel Eser
    Manuel Eser
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Seit die B 301-Nordostumfahrung für den Verkehr freigegeben wurde, ist wegen vermehrter Wildunfälle der Ärger bei den Jägern groß. Die Polizei zeichnet aber ein anderes Bild.

Freising – Seit einigen Wochen können sich viele Autofahrer freuen – genauso wie die Anwohner von Tüntenhausen und der Mainburger Straße: Die B 301-Nordostumfahrung ist für den Verkehr freigegeben. Weniger Freude herrscht bei den Jägern und noch weniger beim Wild: Denn seit Eröffnung der neuen Straße sind dort zahlreiche Wildunfälle zu verzeichnen.

Großer Ärger beim Jagdvorstand

Ludwig Holzner, der Jagdvorstand Freising Nord, hat, so schreibt er, von Jägern der betreffenden Gebiete erfahren, „dass es seit der Eröffnung der B 301-Nord-Ost-Umfahrung bereits zu sechs Wildunfällen gekommen ist, bei denen sechs Rehe verendet sind, und natürlich auch die Autofahrer einen gehörigen Schrecken davontragen mussten“. Wie Holzner weiter berichtet, sei vonseiten der Regierung „aus Kostengründen“ der Bau eines Wildschutzzauns abgelehnt worden. Und auch Reflektoren oder andere Möglichkeiten, um das Wild zu schützen, seien nicht genutzt worden.

Holzner ärgert es sehr, dass von staatlicher Seite keinerlei Schutzmaßnahmen getroffen wurden. Denn er ist Landwirt, bewirtschaftet Felder im Nordosten des Stadtgebiets von Freising und hat selbst in diesem Jahr „unter erheblichem Aufwand viele Kitze auf meinen Wiesen vor dem Mähtod bewahrt“. Weil bei der Mahd in Deutschland jedes Jahr unzählige Rehkitze grausam zu Tode kommen, habe er auf seinen landwirtschaftlichen Flächen Drohnen eingesetzt, die kurz vor der Mahd die Felder abgeflogen seien, um mit Wärmebildkameras die Rehkitze zu finden, die sich im Gras verstecken. Zudem habe er immer vor der Mahd Wildschrecke aufgestellt – akustisch/visuelle Signale, die die Rehe von den Flächen vertreiben. Auch seien die Felder mit Hilfe freiwilliger Helfer abgegangen worden.

„Es ärgert mich daher umso mehr, dass einerseits von Landwirten verlangt wird, sich an diese Richtlinien zu halten – was ich auch gerne bereit bin zu machen –, andererseits aber in diesem Fall nichts gemacht wird, um unser Wild zu schützen“, schreibt Holzner. Und: „Der natürliche Lebensraum des Wildes wird immer stärker verkleinert durch die infrastrukturelle Erschließung.“ Es passe nicht zusammen, wenn man als Landwirt alles tue, um Tiere zu schützen, aber andererseits von staatlicher Stelle keinerlei Schutzmaßnahmen getroffen würden. „Die Nordostumfahrung hat 42 Millionen Euro gekostet. Da müsste doch auch Geld für den Artenschutz übrig sein.“

MdB Irlstorfer hat den Minister eingeschaltet

Durchaus, so die Antwort von Bundestagsabgeordnetem Erich Irlstorfer (CSU). Nachdem auch bei ihm schon mehrfach Nachrichten (und Bilder) von Wildunfällen auf der Nordostumfahrung eingegangen seien – verbunden mit der Bitte, tätig zu werden –, habe er sich an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gewandt. Und weil aus dem vergangenen Jahr sicherlich Mittel übrig seien, ist Irlstorfer zuversichtlich, dass „die paar tausend Euro“ auch für diese Maßnahme noch zur Verfügung stehen. 14 Euro koste ein Meter Wildschutzzaun. Auch wenn er noch keine feste Zusage habe, er bleibe dran und sei optimistisch, so Irlstorfer.

Neue Trasse für Polizei keine Problemstrecke

Ein etwas anderes Bild zeichnet der Freisinger Polizeichef. „Bei der neuen Nordost-Umfahrung handelt es sich aus polizeilicher Sicht um keine Problemstrecke“, betont Ernst Neuner auf FT-Nachfrage. Er bestätigt fünf gemeldete Wildunfälle, die es auf der Tangente seit ihrer Eröffnung gegeben habe. „Davon wurden zwei bereits in der ersten Nacht gemeldet, in der insgesamt auch fünf tote Rehe registriert wurden.“ Letztlich hätten sich auch die Wildtiere daran gewöhnen müssen, dass auf einer Strecke, auf der sie sich nachts bisher ungestört bewegen hätten können, nun Autos fahren würden.

Zum Vergleich: Auf der alten B 301 zwischen dem Kreisverkehr Erlau und dem Kreisel in Freising-Nord, der Strecke also, die durch die Nordostumfahrung vom Verkehr entlastet werden soll, hat es laut Neuner zur gleichen Zeit mehr Wildunfälle gegeben: sechs.

Die Polizei hat so viele Unfälle nach Wildwechsel im nördlichen Kreis Freising registriert, dass sie nun wichtige Appelle veröffentlicht - für alle Autofahrer.

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