Man sieht eine Justizia-Figur und Gerichtsakten
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Das Umfeld des Opfers hatte offenbar sofort einen Verdacht: „Es war naheliegend“, sagte vor kurzem vor dem Landgericht Landshut der Bruder des Opfer (51), das im Februar 2020 auf seinem Anwesen im westlichen Landkreis Freising von Einbrechern niedergeschlagen worden war.

„Das war naheliegend“

Prozess wegen versuchten Mordes in Freising: 18-Jähriger war sofort im Visier seines Umfelds

Ein 51-Jähriger aus dem Kreis Freising wurde von Einbrechern brutal niedergeschlagen. Das Umfeld des Opfers hatte das nun angeklagte Brüderpaar sofort in Verdacht.

Landkreis – Das Umfeld des Opfers hatte offenbar sofort einen Verdacht: „Es war naheliegend“, sagte vor kurzem vor dem Landgericht Landshut der Bruder des 51-Jährigen, der im Februar 2020 auf seinem Anwesen im westlichen Landkreis Freising von Einbrechern niedergeschlagen worden war. Dass es sich bei den Tätern um die rumänischen Brüder gehandelt haben soll, die nun auf der Anklagebank sitzen, diese Schlussfolgerung hatte offensichtlich das ganze Umfeld des Opfers unmittelbar nach der Tat gezogen.

Die Gründe dafür: Der jüngere Rumäne hatte sich schon einmal Zutritt zu dem Anwesen verschafft und eine hohe Summe an Bargeld gestohlen. Der Ältere habe das spätere Opfer am Telefon mit dem Tod bedroht.

Sowohl der Bruder des Opfers als auch die Verlobte gaben an, den 51-Jährigen im Febriar 2020 am Krankenbett nach den Brüdern als Täter gefragt zu haben. Er habe genickt und mit dem Daumen nach oben gezeigt. Wie berichtet, legt die Anklage den Brüdern versuchten Mord zur Last. Tatsächlich hatte der Jüngere zu Prozessbeginn sowohl den angeklagten Einbruch als auch einen früheren bei seinem ehemaligen Arbeitgeber eingeräumt. Komplize sei aber nicht sein Bruder gewesen, sagte der 18-Jährige, sondern ein Bekannter. Mit diesem sei er in der Nacht auf den 10. Februar spontan in das Haus eingedrungen, um erneut zu stehlen. Eine Tötungsabsicht habe zu keinem Zeitpunkt bestanden.

Die Tat

Als man das Schlafzimmer durchsucht habe, sei der 51-Jährige aufgewacht. Sein Bekannter habe seinem Ex-Chef mit einer Taschenlampe einen wuchtigen Schlag auf den Kopf verpasst. Der Mann trug ein offenes Schädelhirntrauma sowie einen Schädelbruch davon. „Die Einbrecher waren wieder da“, habe die Verlobte als erstes von einem Mitarbeiter ihres Lebensgefährten zu hören bekommen, nachdem sie um 2 Uhr an ihr Handy gegangen sei. Der Mann war nach dem Schlag in Ohnmacht gefallen. Wie er selbst vor Gericht berichtet hatte, sei er wieder aufgewacht, „weil alles nass war“. Schmerzen habe er aber keine gehabt.

Tatsächlich hatte es der 51-Jährige trotz seiner schweren Verletzungen geschafft, seine Mitarbeiter aufzusuchen, die in einer Einliegerwohnung mit auf dem Anwesen leben. Diese alarmierten Polizei, Verlobte und Bruder. Ein Angestellter hatte Einbruchspuren entdeckt; zudem habe die Kopfverletzung nicht so ausgesehen, als sei der Chef lediglich hingefallen. Er sei daher von einem Überfall ausgegangen.

Die Verhandlung

Die Kommunikation mit dem Opfer sei schwer gewesen, da das Sprachvermögen aufgrund der Verletzungen stark beeinträchtigt war. Ihr Verlobter habe sich daher mit Kopfnicken beziehungsweise -schütteln und Zeichen verständlich gemacht, so die Verlobte. Die 34-Jährige gab ebenso wie der Bruder an, man habe „War das der D.?“ gefragt. Der Geschädigte hat den Zeugen zufolge darauf positiv reagiert und dann mehrmals ein Wort gemurmelt, das beide als „Bruder“ interpretierten. Woran er das festgemacht hatte, dass es sich bei den Einbrechern um die Brüder handle, sei im Krankenhaus kein Thema gewesen, berichtete die Verlobte. Erst später habe er ihr gesagt, er habe beide an den Augenpartien erkannt. Der Ältere habe ihm direkt in die Augen geschaut. Die Verteidigerin hatte bereits am vorangegangenen Verhandlungstag im Namen des älteren Angeklagten den Drohanruf bestritten. Der Prozess wird am Montag, 7. Juni, fortgesetzt.

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