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Verteidiger in Quarantäne, Tatverdächtiger in Haft: Marathon-Prozess um Einbruch nimmt neue Wendungen

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Handschellen
Neue Wendung im Marathon-Prozess um einen Einbruch auf ein Anwesen in Freising: Die Polizei hat den mutmaßlichen Komplizen festgenommen. (Symbolbild) © Stefan Sauer/dpa

Der Marathon-Prozess um den Einbruch in ein Anwesen in Freising sorgt seit fast einem Jahr für einige Überraschungen. Jetzt kommt noch Corona ins Spiel.

Freising - Als heißen Anwärter für einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde kann man ihn mittlerweile bezeichnen – den Prozess um den Einbruch in ein Anwesen im Landkreis Freising, der seit März 2021 vor dem Landgericht für so manche Überraschung sorgt – und das sollte auch am Mittwoch nicht anders sein: Statt der angekündigten Plädoyers wurden vor der Jugendkammer lediglich Vorstrafen der beiden Angeklagten verlesen.

Vorsitzender Richter Andreas Wiedemann hatte zu Prozessbeginn verkünden müssen, dass Verteidiger Dr. Nicolas Frühsorger erkrankt ist. Dem Vernehmen nach befindet er sich aufgrund einer Corona-Erkrankung in Kitzbühel in behördlich angeordneter Quarantäne. Zudem konnte die Polizei nun doch noch einen weiteren Tatverdächtigen dingfest machen.

Opfer erlitt nach Schlag auf den Kopf Schädelhirntrauma

Wie berichtet, legt die Staatsanwaltschaft einem Bruderpaar aus Rumänien versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung, schweren Raub und Wohnungseinbruchsdiebstahl zur Last. Laut Anklage sollen sie am 10. Februar 2020 kurz vor Mitternacht in das Anwesen eingebrochen sein. Als die Täter das Schlafzimmer nach Wertgegenständen durchsucht haben, wachte der Hausherr auf und erhielt mit einem schweren Gegenstand einen Schlag auf den Kopf. Der 51-Jährige erlitt ein offenes Schädelhirntrauma sowie einen Schädelbruch.

Der 18-jährige Angeklagte, der für kurze Zeit auf dem Anwesen gejobbt hat, hatte zu Prozessbeginn den Einbruch eingeräumt. Den Schlag aber habe ein Bekannter ausgeführt. Sein 22-jähriger Bruder sei nicht dabei gewesen. Dieser hatte selbst angegeben, lediglich als Fahrer fungiert und mit dem Auto auf einem Feldweg gewartet zu haben. Nach dem Landsmann, der dem 18-Jährigen zufolge an der Tat beteiligt war, war monatelang gesucht worden. Nachdem es zunächst geheißen hatte, der 20-Jährige befinde sich wieder in seiner Heimat, war im Sommer eine Videobefragung nach Rumänien auf dem Programm gestanden. Als nach wochenlangen, aufwendigen Vorbereitungen die Leitung endlich stand, berichtete das rumänische Gericht, dass der Zeuge nicht greifbar sei, weil er sich seit zwei Monaten wieder in Deutschland befinde.

Es besteht die Gefahr, dass komplett neu verhandelt werden muss

Sein Bruder wurde geladen, nahm jedoch von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Dadurch erfuhr das Gericht auch nicht die Adresse des Tatverdächtigen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, ist nun aber doch noch die Festnahme erfolgt. Der 20-Jährige war am 7. Januar in das Einwohnermeldeamt Stuttgart spaziert, obwohl er wusste, dass ein Haftbefehl gegen ihn vorliegt. Jetzt befindet er sich in der örtlichen JVA und soll am nächsten Verhandlungstag als Zeuge vor der Jugendkammer erscheinen. Der Prozess wird am 24. Januar fortgesetzt.

Bis dahin darf spekuliert werden. Sollte der 20-Jährige die Aussage verweigern, ist durchaus damit zu rechnen, dass die Staatsanwaltschaft auch gegen ihn Anklage erheben wird. Da der Prozess für neu hinzukommende Verteidiger bereits zu weit fortgeschritten wäre, müsste komplett von vorne verhandelt werden. Bereits im Sommer hatte die Verteidigerriege die überlange Verfahrensdauer kritisiert. Die beiden Angeklagten sitzen nun seit knapp zwei Jahren in Untersuchungshaft. Lässt sich ein Nachweis des versuchten Mordes nicht führen, wäre eine Haftentschädigung nicht unerheblich. „Wäre fast besser gewesen, man hätte den Zeugen nicht gefunden“, meinte einer der Verteidiger in Richtung Staatsanwaltschaft. (kö)

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