Schülerin zu Hause am Schreibtisch beim Lernen vor dem Laptop, Katze am Fenster
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Eines ist klar: Alle Schüler bleiben ab dem heutigen Mittwoch zu Hause. Unterrichtet werden die Jugendlichen aber auf ganz unterschiedliche Art. (Symbolfoto)

Distanzlernen oder Distanzunterricht?

Nach verwirrenden Lockdown-Vorgaben: Schulleiter im Landkreis Freising setzen auf ganz verschiedene Konzepte

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Die Schulleiter im Landkreis Freising reagieren ganz unterschiedlich auf die widersprüchlichen Anweisungen des Kultusministers. Einer der Kommentare: „Schade.“

  • Kultusminister Michael Piazolo ist nach widersprüchlichen Vorgaben zum Schul-Lockdown heftig in Kritik geraten.
  • Schulleiter im Landkreis Freising reagierte überrascht auf Anordnungen.
  • Ein anderer Rektor bedauert die Regelung sehr.

Freising – Die Pressekonferenz von Kultusminister Michael Piazolo (FW) zum Schullockdown hat auch bei den Schulleitern im Landkreis Freising für Verwunderung gesorgt. „Ich war schon überrascht, dass plötzlich zwischen Distanzunterricht und Distanzlernen unterschieden wird“, berichtet Manfred Röder, Rektor des Domgymnasiums Freising. „Nachdem verschiedene Klassen wegen des zuvor eingeführten Wechselunterrichts schon im Distanzunterricht waren, wäre es naheliegend gewesen, diesen Distanzunterricht auf alle Klassen auszudehnen.“

Der Minister stiftet Verwirrung

In der Pressekonferenz am Montag hatte der inzwischen heftig in der Kritik stehende Piazolo erklärt, dass nur die Abschlussklassen verpflichtenden Distanzunterricht erhalten. Allen anderen Klassen verordnete er Distanzlernen – ein ganz neuer Terminus, den auch Schulleiter noch gar nicht kannten. Der Unterschied laut Piazolo: Beim Distanzunterricht wird – etwa über Videokonferenz-Tools – weiter nach Stundenplan unterrichtet. Beim Distanzlernen sollen Schüler selbstständig Lehrstoff „wiederholen, üben und vertiefen“ – und sich beim Lehrer Feedback einholen können. Im Kultusministeriellen Schreiben (KMS), das die Schulen erst am Dienstag erreicht hat, heißt es plötzlich, dass Digitalunterricht auf freiwilliger Basis doch für alle Klassen möglich ist. So missverständlich die Kommunikation des Ministers, so unterschiedlich interpretieren die Schulen die Anweisungen.

Schulleiterin setzt auf Digitalunterricht für alle

„Wir verfahren nach unserem Konzept, das wir für das neue Schuljahr erarbeitet haben, und unterrichten digital nach Stundenplan über die Plattform MS Teams“, berichtet Juliane Stubenrauch-Böhme, Leiterin des OMG-Gymnasiums in Neufahrn. Sie bezieht sich dabei auf den Passus im KMS, indem es heißt es sei Schulen „unbenommen, für die pädagogische Begleitung auf unterschiedliche digitale Formen und Strukturen“ zurückzugreifen. „Wir halten uns an die Vorgaben“, betont Stubenrauch-Böhme. „Die Abschlussklassen erhalten verpflichtenden Distanzunterricht, allen anderen Klassen bieten wir das auf freiwilliger Basis an. Die Eltern sind bereits informiert.“

Bedauern beim Leiter der Wirtschaftsschule

Gerd Preuß, Leiter der Wirtschaftsschule, findet es „schade“, dass der Distanzunterricht nicht einfach verpflichtend auf alle Klassen ausgeweitet wurde. Man habe zwar gehört, dass es an einem Tag mit der Plattform Mebis Probleme gegeben habe. „Aber wir nutzen MS Teams. Das hat bis jetzt bestens funktioniert.“ Lehrer seien an mehreren Nachmittagen intensiv geschult worden. „Wir hätten es jetzt gekonnt.“ Es sei schwierig, den Schülern laufend zu erklären, sich für einen Distanzunterricht zu wappnen, ihn auch schon praktiziert zu haben, und jetzt heiße es plötzlich: „Die Lehrkräfte versorgen euch mit Material. – Und wenn das Verpflichtende raus ist, erreicht man nie 100 Prozent der Schüler.“

Leiter des Domgymnasiums interpretiert Vorgaben anders

Röder hat sein Konzept für das Dom-Gymnasium auf „Distanzlernen“ ausgelegt. Er weist darauf hin, dass die Nutzung digitaler Plattformen in dem KMS zur „pädagogische Begleitung“ gedacht ist. Das aber sei etwas anderes, als zu festen Zeiten zu unterrichten. Alle Schüler, die nicht 2021 ihr Abitur machen, werden daher mit Materialien versorgt, um selbstständig und ohne festgelegte Tagesstruktur zu lernen. Die Lehrer würden für Feedbacks zur Verfügung stehen, berichtet Röder. „Wenn etwa in meiner sechsten Klasse einem Schüler im Chat etwas unklar bleibt, rufe ich ihn an und bespreche mögliche Probleme mit ihm persönlich.“ Die Wahl des Mediums hänge eben auch von der Altersstufe ab.

Mittelschule erhält Endgeräte im letzten Moment

Für Thomas Nistler, Rektor der Mittelschule Lerchenfeld, stand Homeschooling bis zuletzt Spitz auf Knopf. Erst am Montag kamen die Schutzhüllen und Tastaturen für die Endgeräte, die deshalb auch erst am Dienstag an die Schüler verteilt wurden. „Um 14 Uhr haben wir die Jugendlichen geschult.“ Es sei wichtig, die Schüler mit dem Übungsmaterial nicht allein zu lassen, sondern sie über Videokonferenzen „abzuholen und zu unterstützen“.

Nistler glaubt, dass das Kultusministerium auf verpflichtenden Distanzunterricht für alle nicht nur wegen technischer Probleme verzichtet hat. „Ich vermute, dass es in Zeiten von Lehrermangel auch darum geht, Ressourcen für die Notbetreuung bereitstellen zu können.“ Am Dienstag gab es noch keine Zahlen, wie viele Eltern in Freising die Notbetreuung in Kitas und Schulen in Anspruch nehmen. Nistler möchte sie allen Eltern anbieten. „Es sind schwierige Zeiten. Da muss man zusammenhalten.“

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