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Viel weniger Intensivbetten vorhanden als beim ersten Lockdown? – Bayerisches Klinikum klärt auf

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Von: Manuel Eser

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Je nach Krankheitsstand beim Personal können am Klinikum Freising derzeit zwischen zehn und zwölf Intensivbetten mit Beatmungsmaschinen gestemmt werden.
Je nach Krankheitsstand beim Personal können am Klinikum Freising derzeit zwischen zehn und zwölf Intensivbetten mit Beatmungsmaschinen gestemmt werden. © Klinikum

Laut DIVI-Intensivregister stehen dem Klinikum Freising viel weniger Intensivbetten zur Verfügung als 2020. Warum das so ist, erklärt der Krankenhaussprecher.

Freising – Dieser Fall hat für großes Aufsehen gesorgt: Wie berichtet, musste in der vergangenen Woche ein Covid-Patient von Freising nach Südtirol verlegt werden, weil es im örtlichen Klinikum kein freies Intensivbett mehr gab. Nun erreichte das FT die Reaktion eines Lesers, der meinte, dass dies am Anfang der Pandemie noch nicht notwendig gewesen wäre – und führte für diese These eine DIVI-Grafik ins Feld.

Denn laut der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin standen dem Klinikum im Frühjahr 2020 während des ersten Lockdowns 25 Intensivbetten zur Verfügung. Derzeit schwankt die Zahl zwischen zehn und zwölf.

Corona in Bayern: Weniger Intensivbetten? - Es wird nur anders gezählt

Das FT fragte beim Klinikum Freising nach und erhielt von Krankenhaus-Sprecher Sascha Alexander prompt Antwort. „Wir haben nach dem ersten Lockdown weder Personal eingespart noch Betten eingedampft“, betonte er. Vielmehr hänge es an zwei anderen Faktoren, dass statistisch derzeit nicht mal die Hälfte der damals aufgeführten Betten zur Verfügung stünde. Das habe zum einen mit einer anderen Zählweise zu tun, zum anderen mit einem veränderten Umgang mit der Krisensituation.

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Punkt eins: Im ersten Lockdown waren die Krankenhäuser auf Anweisung der Landesregierung dazu aufgefordert, ganze Kontingente für Corona-Patienten freizuhalten. „Dabei wurde alles als Intensivbett mitgezählt, was sich im Umkreis der Intensivstation befunden hat“, erklärt Alexander.

Darunter fielen etwa auch Überwachungsbetten, die Patienten nach Operationen zur Verfügung stehen, aber nicht im eigentlichen Sinn Intensivbetten sind. „Betten aus anderen Abteilungen wurden ebenfalls als Intensivbetten umgewidmet.“ All das ging in die DIVI-Statistik ein, berichtete Alexander. „Fakt ist, dass wir personell zwölf Intensivbetten stemmen könnten, aufgrund von Krankheitsfällen derzeit aber nur zehn.“

Corona-Lage in den Kliniken: Mehr „Normalbetrieb“ als im ersten Lockdown

Und Punkt zwei: „Im Frühjahr 2020 haben wir ganze Abteilungen geschlossen, um genügend Personal und Betten für Corona-Patienten vorhalten zu können“, betonte der Kliniksprecher. So wurde unter anderem die Psychosomatik damals komplett dichtgemacht, damit Pflegekräfte von dort im Intensivbereich zuarbeiten, mitpflegen und mitüberwachen konnten – mit der Folge, dass sich, wie ebenfalls berichtet, psychische Probleme bei unbehandelten Patienten verschärft haben. „Dieses Mal haben wir andere Abteilungen nicht komplett heruntergefahren, sondern bis dato ,nur’ planbare Operationen verschoben.“ Man halte dieses Mal so viel Normalbetrieb wie möglich aufrecht.

Unabhängig von Corona muss die Notfall-Versorgung gewährleistet sein.

Sascha Alexander, Sprecher des Klinikums Freising

Nichtsdestotrotz wurden laut dem Kliniksprecher in dieser Woche in der Abteilung für Schlaganfallpatienten, der sogenannten Stroke Unit, zwei zusätzliche Überwachungsbetten installiert. Hier können Patienten zwar nicht mit Beatmungsgeräten versorgt werden, bei denen intubiert werden muss. Es stehen jedoch Sauerstoffflaschen und -Masken bereit. „Unabhängig davon“, betont Alexander, „muss die Notfall-Versorgung gewährleistet sein.“

Weiter lesen: Schon vor dem erneuten Katastrophenfall hat eine Gruppe von Pflegekräften aus dem Klinikum Freising SOS gefunkt. Die Führungskräfte des Krankenhauses sind ausführlich auf die Kritik in dem anonymen Brief eingegangen und haben selbst einen Hilferuf an die Politik abgesetzt.

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