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Ein Zettel mit den Daten des Unfallverursachers ist wichtig – reicht aber nicht aus. Man muss auch eine Weile am Unfallort warten und die Polizei informieren. 

„Manchmal ist es pure Ignoranz“

Volkssport Unfallflucht: Im Kreis Freising melden sich immer weniger Parkrempler

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Nach Karambolagen einfach Gas zu geben und abzuhauen – das ist im Landkreis zum Volkssport geworden. Vor allem auf dem P+R-Parkplatz am Bahnhof Freising. Warum das so ist, erklärt PI-Vizechef Michael Ertl. 

Landkreis – Ein kurzer Blick in den Polizeibericht der vergangenen Woche:

  • Ein am Freisinger Kibitzweg geparkter Sharan wurde am Samstag angefahren und schwer beschädigt. Der Täter flüchtete.
  • In Langenbach wurde in der Nacht zum Samstag der Heckscheibenwischer eines Audi abgebrochen. Täter unbekannt.
  • Eine Münchnerin hatte ihren Opel am Karwendelring abgestellt. Als sie nach 20 Minuten zurückkam, war das Heck eingedrückt. Fahrerflucht.
  • Ein Dortmunder hatte seinen Mercedes in Freising geparkt. Tags darauf war die ganze linke Seite zerschrammt. 4000 Euro Schaden – Fahrerflucht.
  • In Allershausen rammte ein Autofahrer einen geparkten Pkw mit solcher Wucht, dass er auf zwei weitere Autos geschoben wurde. Unfallfucht.
  • An der Erdinger Straße hatte eine 36-Jährige geparkt. Während sie kurz einkaufen ging, wurde der linke Außenspiegel abgefahren. Unfallflucht.

Nach Karambolagen einfach Gas zu geben und abzuhauen – das ist im Landkreis zum Volkssport geworden. Vor allem auf dem P+R-Parkplatz am Bahnhof Freising. Zehnmal meldeten sich vergangenes Jahr Parkrempler, die dort andere Autos beschädigt hatten, bei der Polizei. Doch gleichzeitig gingen 16 Anzeigen wegen Unfallflucht auf dem P+R-Areal ein. Die Mehrheit begeht also Unfallflucht. Warum bloß? Die Polizei kennt die Antwort.

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PI-Vizechef Michael Ertl: „Weil solche Rempler manchmal ganz schön teuer werden können, wenn man von der Versicherung höhergestuft wird und Rabatte verliert – oder die Unfallkosten selbst zahlt.“ Aber: „Manchmal ist es auch pure Ignoranz oder weil Leute in Eile sind und die vorgeschriebene Wartezeit und die mit dem Unfall verbundenen Scherereien nicht auf sich nehmen wollen.“

„Die häufigste Unfallursache ist Unachtsamkeit“

Bei den Ein- und Ausparkunfällen werden meist Stoßstangen und Fahrzeugseiten beschädigt, weiß Ertl: „Die häufigste Unfallursache ist Unachtsamkeit.“ Ein weiterer Brennpunkt für Parkrempler in Freising ist der Parkplatz an der Kammergasse West. Dort gab es 2017 drei geständige Parkrempler und vier Unfallfluchten – auch hier wird also öfter Anzeige wegen Unfallflucht erstattet, als dass sich die Schuldigen selbst melden. Auf dem Parkplatz an der Kammergasse Ost kam es 2017 zu zwei gemeldeten Parkremplern und einer Unfallflucht. In der Luitpoldanlage waren es drei Selbstanzeigen und eine Unfallflucht. 2018 hatte sich die Zahl bereits bis zum Sommer auf sechs Unfallfluchten gesteigert.

Nicht immer wird der Schuldige ermittelt, räumt Ertl ein: Nur bei der Hälfte der Unfälle auf den Parkplätzen an der Kammergasse Ost und West konnte der Täter ermittelt werden, in der Luitpoldanlage liegt die Aufklärungsquote bei Parkremplern bei 60 Prozent. Am P+R-Parkplatz an der Luitpoldstraße hingegen ist es zum Verzweifeln: Dort werden nur 30 Prozent der Parkunfälle aufgeklärt. PI-Chef Ertl: „Die meisten Autofahrer sind Pendler. Die kommen morgens mit ihrem Pkw und fahren abends wieder heim – aber zu unterschiedlichen Zeiten.“ Zeugen seien da oft schwer zu finden, „zumal der gesamte P+R-Parkplatz sehr unübersichtlich ist“.

Wer einfach weiterfährt, dem drohen bis zu drei Jahre Gefängnis

Überwachungskameras würden helfen. Aber: „Das stellt nach aktueller Rechtslage einen massiven Rechtseingriff dar, der diese Maßnahme nicht rechtfertigen würde“, sagt Vizechef Ertl. Wer allerdings nach einem selbst verursachten Unfall weiterfährt, begeht eine Straftat – es drohen bis zu drei Jahre Gefängnis.

Die richtige Verhaltensweise: „Grundsätzlich sollte eine angemessene Zeit gewartet werden, bis der geschädigte Fahrzeugführer kommt“, informiert Ertl. „Was angemessen ist, hängt auch von der Schwere des Unfalls ab. Bei einem leichten Unfall sollte zumindest kurze Zeit gewartet werden.“ Außerdem sollte der Verursacher einen Zettel mit den wichtigsten Daten am Unfallfahrzeug anbringen. Weil der Zettel verloren oder von einem Dritten beseitigt werden könnte, muss parallel dazu zeitnah die Polizei informiert werden. Der Geschädigte wird dann von der Polizei benachrichtigt.

Manchmal aber läuft es ganz anders. Da braucht es keine Zeugen, um den Unfallfahrer zu ermitteln. Als vor gut einer Woche ein 36-Jähriger aus Haag gegen eine Leitplanke der St 2350 krachte und sie beschädigte, flüchtete er – und verlor am Ort des Geschehens ein Kennzeichen. Kurz darauf bekam er Besuch von der Polizei.

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