Licht in der Dunkelheit: Beim Volkstrauertag ging es auch um Verrohung und Aggressionen in der Jetzt-Zeit. Fotos. Lehmann
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Licht in der Dunkelheit: Beim Volkstrauertag ging es auch um Verrohung und Aggressionen in der Jetzt-Zeit.

„Frieden beginnt im Kleinen“:

Berührende Reden prägen den Volkstrauertag in Freising - Oberbürgermeister erschrecken aktuelle Aggressionen

Berührende Reden haben den Volkstrauertag in Freising geprägt. Redner spannten den Bogen von zwei Weltkriegen zu Verrohungen in der Jetzt-Zeit.

Freising – Es sind vor allem drei Worte, die für Dekan Christian Weigl immer wieder ins Gedächtnis aller Menschen gerufen werden müssen: „Nie wieder Krieg!“ Beim ökumenischen Gottesdienst am Samstag zum diesjährigen Volkstrauertag in der Kirche Peter und Paul in Freising erinnerten die Redner an die Opfer der zwei Weltkriege, riefen aber auch auf zur Courage gegen jegliche Ausgrenzung in der heutigen Zeit. Denn was mit Worten beginne, ende oft in Taten.

Der Volkstrauertag müsse sich den dunklen Kapiteln der deutschen Geschichte stellen, so Weigl. Schon in der Schule habe er sich damit auseinandergesetzt, auf der ethischen Ebene auch mit der Schuldfrage. Am Volkstrauertag gehe es aber vor allem um die Menschen, denn Väter und Söhne seien sicher nicht mit Begeisterung in den Krieg gezogen. Spätestens in den Schützengräben hätten sich die großen Worte des Regimes in Luft aufgelöst, sodass sich für Weigl eine Frage stellen würde: „Wofür sind sie gestorben?“ Hier mit Vaterland und Ehre zu antworten, sei ihm viel zu dünn.

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Mit den Soldaten starben Menschen, die ein Leben noch vor sich hatten. Es fielen, so Weigl eindringlich, nicht nur Stahlhelme. Krieg sei immer entsetzlich und grausam, und dort wo Krieg und Terror herrsche, stellten sich die Menschen auch immer gegen Jesus und den Glauben. Weigl ist sich sicher: Die Opfer des Krieges würden den Gläubigen in der Peter-und-Paul-Kirche nur eines zurufen: Nie wieder Krieg! „Und sie würden uns auch dazu ermahnen, einzuschreiten, wo Unrecht geschieht.“ Denn Krieg beginne oft im Kleinen, wie der Dekan betonte. Er beginne bei Ausgrenzungen und politischen Radikalisierungen und ende in Blut und Tränen. „Lassen Sie uns Frieden wahren über alle Konfessionen, Parteien und Streitfragen!“, wünschte sich Weigl.

Kränze zum Gedenken an die Opfer zweier Weltkriege legten Vereinsabordnungen ab.

Der Volkstrauertag, erinnerte Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher, sei ein ganz besonderer Tag des Innehaltens und der Erinnerung an die Opfer zweier Weltkriege und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Beim Gedenken an die menschlichen Schicksale von damals würden aber auch Bilder aus der Gegenwart vor unserem Auge entstehen, nämlich von Menschen auf der Flucht, wie jene an Bord der Sea-Eye 4 oder an der Grenze zwischen Belarus und Polen. Die Welt, so Eschenbacher leise, scheint aus den Fugen zu geraten und lasse uns oft ratlos zurück.

Umso wichtiger ist es für den OB, aus der Vergangenheit zu lernen, auch dazu fordere der Volkstrauertag auf. Denn das erschrecke ihn: „Wir werden Zeugen verbaler Aggression, und das meint nicht mehr nur Rechtspopulisten und Rechtsextreme.“

Eine zunehmende verrohte Sprache sei der Wegbereiter von Gewalt, die jeden treffen könne: Migranten, Andersgläubige, Journalisten, Politiker und heutzutage sogar Ärzte. Umso wichtiger sei deshalb für den OB: „Wir, die demokratische Mehrheit, dürfen uns nicht beugen.“ Zusammen sollen die Freisinger verhindern, dass Verschwörungstheorien die Gesellschaft verblenden, und extreme Kräfte versuchen, den Rechtsstaat zu unterwandern. „Frieden beginnt im Kleinen“, schloss Eschenbacher seine berührende Rede.

Für Diakon Walter Schwind und den Vorsitzenden des Veteranen- und Soldatenvereins Freising, Siegfried Glück, ist der Volkstrauertag auch ein Zeichen des gegenseitigen Respekts. Die Stadtkapelle Freising umrahmte die Feier, zu der um die 90 Freisinger Bürger und neun Vereine mit ihren Fahnen erschienen waren. (Richard Lorenz)

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