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Begeisterung sieht anders aus: Die FW im Landkreis können sich über den Koalitionsvertrag nicht so recht freuen. 

Wahlanalyse bei den Freien Wähler 

„Hubsi“ ist schuld

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Sie sind zum ersten Mal Regierungspartei: die Freien Wähler. Und doch sind sie zumindest im Landkreis Freising nicht froh und munter. Im Gegenteil: Manche haben eine „Sauwuat“ auf den starken Mann der FW, den sie gerne „Hubsi Aiwanger“ nennen, nehmen aber den örtlichen Abgeordneten Benno Zierer in Schutz. Klar: Bei der Wahlnachlese der FW am Mittwoch in Marzling ging es um den Koalitionsvertrag und das inzwischen schon berühmt-berüchtigte Moratorium zur dritten Startbahn.

Marzling – Kreisvorsitzende Maria Scharlach zeichnete die Entwicklung nach: Am 14. Oktober, dem Wahlabend, sei „alles gut“ und „die Stimmung toll“ gewesen. Aber dann kam jenes Moratorium. Die FW hätten im Vorfeld „wirklich geglaubt“, die Startbahn begraben zu können, versicherte Scharlach. Der Vorwurf der bewussten Wählertäuschung sei „aus der Luft gegriffen“. Und: Benno Zierer sei „der absolut richtige Abgeordnete“, man brauche ihn im Landtag und bei den FW.

Zierer selbst schilderte, wie er und Manfred Pointner während der Verhandlungen durch E-Mails,Telefonate und persönliche Gespräche mit dem Verhandlungsteam alles dafür getan hätten, die Startbahn endgültig zu beerdigen. Angesichts dessen, was die CSU angestrebt habe – nämlich gar nichts –, rief Zierer den FW’lern im Nagerl zu: „Wenn das kein Erfolg ist!?“

„Erschüttert“ sei er und eine „Unverschämtheit“ sei es, wenn die Grünen behaupteten, mit ihnen wäre alles besser gewesen, und wenn Kritik, wie die an Pointner, „blind rausgeschrien“ werde. Und: Er könne nicht verstehen, wie Freisings OB Tobias Eschenbacher zu der Einschätzung komme, es sei um die Startbahn nicht hart genug gerungen worden.

Andere Freie Wähler können das schon verstehen: Allershausens Bürgermeister Rupert Popp zum Beispiel. Der zeigte sich vom Verhandlungsergebnis „enttäuscht und frustriert“. Schuld daran, so betonte er aber, seien „Aiwanger und das Team“. Auch sein Eindruck sei, dass der Widerstand gegen das Moratorium „sehr wachsweich“ gewesen sei. Dass jetzt den FW im Landkreis Wut und Hass entgegenschlagen, „das brauchen wir uns aber nicht gefallen lassen“, so Popp. Er hoffe nur, „dass das Moratorium nicht zum Totengräber der Freien Wähler im Landkreis wird“. So wie Popp sah es auch Reinhard Höfl: Man dürfe die FW in Freising nicht mit Aiwanger „in einen Topf werfen“. Dass der seinen vollmundigen Ankündigungen nun keine Taten habe folgen lassen – da sei die „Sauwuat“ bei Manchen doch durchaus zu verstehen. Und auch er habe den Eindruck, um das Aus für die Runway sei nicht mit Vehemenz verhandelt worden. Schließlich habe es dem „Hubsi“ ja gar nicht schnell genug gehen können, in die Regierung zu kommen. Er hoffe nur, dass es den FW jetzt nicht das Schicksal ereile wie die FDP nach fünf Jahren Koalition mit der CSU: „Danach waren sie weg!“

Vize-Landrat Robert Scholz verteidigte Aiwanger: Ohne ihn „als Lokomotive“ wären die FW doch nie so weit gekommen. Und Zierer verteidigte seine Ankündigung, bei einem Moratorium aus den FW auszuscheiden. Er habe eine „Drohkulisse aufbauen“ wollen, um Druck auf Aiwanger & Co. zu machen.

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