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Warten auf die Omikron-Welle: Das sind die Notfallpläne im Landkreis Freising

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Von: Helmut Hobmaier

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Intensivstation
Die Notfallversorgung am Klinikum Freising muss aufrechterhalten werden. Deshalb werden im Ernstfall alle Kapazitäten gebündelt. © Foto: Archiv

Was, wenn aus der Omikron-Welle eine Wand wird? Wie bereitet sich die „kritische Infrastruktur“ im Kreis Freising darauf vor? Wir haben nachgefragt.

Landkreis – Hunderttausende von Neuinfektionen an einem Tag – und noch mehr in Quarantäne: In Frankreich, Spanien, Italien und England ist das bereits Realität. Wie bereitet sich die „kritische Infrastruktur“ im Landkreis Freising darauf vor, dass möglicherweise sehr viele Mitarbeiter gleichzeitig ausfallen?

Stadtwerke: Konzept stets nachgeschärft

„Szenarien und Pläne für den Fall, dass Personal ausfällt – das ist bei uns ein Dauerthema“, betont Dominik Schwegler, Geschäftsführer der Stadtwerke Freising. Das Versorgungsunternehmen war schon zu Beginn der Pandemie mit Corona konfrontiert, als es Infektionsfälle gab – aber weder Masken, noch Impfung oder Tests. „Deshalb sind wir jetzt natürlich viel besser aufgestellt“, sagt Schwegler, „wir ziehen das komplette Hygiene- und Schutzkonzept sehr konsequent durch.“

Feuerwehr im Einsatz
Wenn die Feuerwehr ausfällt, brennt’s wirklich lichterloh. Eine hohe Impfquote und Vorsorgemaßnahmen sollen das aber verhindern. Das Foto entstand bei einem Wohnhausbrand an der Liebigstraße in Freising 2019. © Archivfoto: Feuerwehr Freising

Einige der Schutzmaßnahmen der ersten Stunde habe man aber beibehalten und mit der Zeit verfeinert und bei Bedarf nachgeschärft: Wechselnde Zeiten beim Arbeitsbeginn zum Beispiel und feste Arbeitsgruppen. So vermeide man eine Durchmischung des Personals und ein Weitertragen des Virus in der Firma. Während der gesamten Pandemie habe es kein „Streuen“ des Virus im Unternehmen gegeben, betont Schwegler.

„Noch weit entfernt von extremer Situation“

Zu diesen Vorsichtsmaßnahmen kämen jetzt Impfung, Testen und FFP2-Maske hinzu. Man sei also gut gerüstet, allerdings könne die Versorgung der Freisinger mit Strom, Erdgas, Wasser und Wärme auch sichergestellt werden, wenn mehr als die Hälfte der 120 Mitarbeiter in diesem Bereich ausfallen würden. „Und dann gäbe es sicher noch die Möglichkeit, dass infizierte, aber symptomfreie Mitarbeiter, die alleine arbeiten, sich noch früher als jetzt frei-testen könnten“. Schwegler: „Von einer solchen extremen Situation sind wir aber noch weit entfernt.“

Übrigens: Zu Beginn der Pandemie zählte man die Stadtwerke noch nicht zur kritischen Infrastruktur, weshalb es für die Mitarbeiter auch nicht die sehr raren Masken gab. „Schön, dass wir jetzt auf der Liste stehen“, sagt Schwegler, der auch die Verkürzung der Quarantäne sehr begrüßt.

Die Feuerwehr setzt auf den Booster-Effekt

Schon seit Beginn der Pandemie fahren die 82 Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis einen „Hochsicherheits-Kurs“, sagt Kreisbrandrat Manfred Danner. Daher gilt laut Landratsamt: Ausrücken nur mit Maske, bei Übungen und planbaren Veranstaltungen wie Kommandantenwahl 3G, für den Einsatzdienst ein Testkonzept für Ungeimpfte und weniger Feuerwehrleute in den Fahrzeugen, bei Vereinsveranstaltungen 2G+. Und man habe die Ausrückstärken verringert, den Übungsbetrieb runtergefahren, Sitzungen abgesagt – und alle Weihnachtsfeiern.

„Dem Thema Sicherheit haben wir einiges geopfert“, betont Danner, weshalb man auch für eine Omikronwelle gut gerüstet sei. Dazu komme, dass schon 70 Prozent der Feuerwehrleute im Landkreis geboostert seien – „ein Riesenvorteil“, wie der Kreisbrandrat sagt, „weil dann auch die Quarantäne wegfällt, wenn eine oder einer Kontaktperson war“.

Laut einer Erhebung des Landratsamts sind 77 Prozent der Feuerwehrleute geimpft, vier Prozent genesen, 19 Prozent seien allerdings nicht geimpft oder hätten keine Angaben gemacht, wie der zuständige Abteilungsleiter im Landratsamt, Lino Sindram, am Donnerstag bei der Bürgermeisterdienstbesprechung sagte. „Sorgen“ bereiten im Landratsamt drei Feuerwehren, bei denen die Impfquote der Einsatzkräfte bei unter 50 Prozent liege, und eine Feuerwehr, bei der sogar mehr als 70 Prozent der Einsatzkräfte als nicht geimpft gelten.

Kreisbrandrat Danner betont jedoch, dass sich im Ernstfall auch benachbarte Wehren gegenseitig helfen könnten. „Im Einzelfall könnte es dann zwar schwierig werden, die 10-Minuten-Hilfsfrist einzuhalten“, etwa in der Hallertau, wo die Feuerwehren weiter voneinander entfernt liegen wie etwa im Süden des Landkreises. Aber das sei beim Rettungsdienst nicht anders. Danner: „Wir sind gut vorbereitet“.

Polizei: Dienstpläne sind nicht tabu

Bei der Polizeiinspektion Freising gibt es eine Überlegung, die aber nur im „Extremfall“ umgesetzt würde, wie Leiter Matthias Schäfer betont: eine Ausdehnung des Diensts auf zwölf Stunden, sodass man mit zwei Schichten einen ganzen Tag und eine Nacht abdecken könnte. Der Polizeioberrat setzt aber darauf, dass die zahlreichen Prophylaxemaßnahmen greifen, die alle ein Ziel hätten: Infektionen zu verhindern.

Die Kontakte innerhalb einer Dienstgruppe würden daher bereits jetzt minimiert. Wo es möglich sei, würde Schreibarbeit zuhause erledigt, sodass in der Dienststelle Ermittlungsbeamte auch in Einzelbüros arbeiten könnten. Oberste Priorität habe im Fall einer extremen Omikronwelle die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung, wie Schäfer erklärt. Wenn die Polizei zu Notfällen oder Unfällen gerufen werde, müsse sie präsent sein. Um das sicherzustellen, sei im Ernstfall auch eine personelle Umschichtung denkbar: Streifendienst in Uniform, statt Ganoven zu ermitteln.

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Beim Blick auf eine Impfquote von „annähernd 100 Prozent“ ist der PI-Chef aber optimistisch. Auch beim Boostern sei man sehr gut dabei. Das helfe, schwere Verläufe zu vermeiden – und nicht zuletzt Quarantäne.

Klinikum: Notfallpläne in der Schublade

Eine hohe Impfquote, ein sehr engmaschiges Testkonzept und eine fast zweijährige intensive Erfahrung mit Corona: Das Klinikum hat gute Karten im Omikron-Poker – und Notfallpläne in der Schublade wie die Reduzierung von Betten oder die Schließung von Abteilungen.

Man habe vor allem aber auch ein „sehr detailliertes Hygiene/Test-Konzept für den Umgang mit infizierten Mitarbeitern und Patienten“, berichtet Klinikum-Sprecher Sascha Alexander. Das werde laufend überarbeitet. Bei der Quarantäne halte man sich selbstverständlich an die gesetzlichen Vorgaben – hofft aber im Notfall auf eine Regelung mit Augenmaß, gerade was positiv getestete, aber symptomfreie Mitarbeiter mit Impf-Vollschutz betreffe.

Falls es aber trotzdem zu unerwartet hohen Personalausfällen komme, „müssen wir die verbleibenden Kapazitäten bündeln und umstrukturieren“, betont Alexander: Ziel aller Beteiligen – sowohl Klinikum als auch Gesundheitsamt – werde es dabei immer sein, die Notfallversorgung zu sichern. Erfreulich sei, „dass wir eine Impfquote im Haus zwischen 85 und 90 Prozent haben, und damit die meisten Mitarbeiter vor schweren Verläufen geschützt wären“, so Alexander. „Lange Ausfälle wegen einer Covid-19-Infektion wären also die Ausnahmen.“ Ein weiteres Thema sei der allgemeine Personalmangel, auch durch andere Erkrankungen.

Für einen massiven Anstieg der Patientenzahlen hat man übrigens schon vor Wochen ein Konzept zur Entlastung der Notaufnahme ausgearbeitet, das eine separate Aufnahme im Altbau vorsieht.

Mitarbeit: Andreas Beschorner

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