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Die Krise gut gemeistert: Dr. Barbara Engelhardt (Gesundheitsamt), Tobias Diepold (Amt für Öffentliche Ordnung und Sicherheit), Landrat Helmut Petz, Dr. Markus Neumaier (Klinikum) und Robert Stangl (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Landratsamt).

Strukturen haben sich bewährt

Warum Freising kein Corona-Hotspot wurde: Landrat erklärt Gründe und lobt Einsatzkräfte

  • Helmut Hobmaier
    vonHelmut Hobmaier
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Ende Februar gab es im Landkreis Freising den ersten bestätigten Corona-Fall, rasch folgten etliche weitere. Ein „Hotspot“ wurde Freising jedoch nie. In der jüngsten Pressekonferenz erklärte Landrat Helmut Petz die Gründe. 

Landkreis – Nach dem „Fall Webasto“ traf es den Landkreis Freising – wie aus heiterem Himmel. Am 29. Februar wurde der erste SARS-CoV-2-Fall bestätigt, es folgten rasch ein Dutzend weitere. Bayern hatte seinen zweiten „Corona-Cluster“. Doch ein Hotspot wie etwa Rosenheim wurde Freising nie – weshalb Landrat Hemut Petz am Dienstag eine gewaltige Portion Lob verteilte.

Eine „bisher nie da gewesene Krise“

Wie kaum ein zweiter Landkreis habe man die Ausbreitung des Virus in den Griff bekommen, bilanzierte Petz im Rahmen einer Corona-Pressekonferenz. Vor allem die funktionierenden Strukturen im Landkreis, die „unglaubliche Einsatzbereitschaft“ aller Kräfte und deren perfekte Zusammenarbeit – das sei die Basis des Erfolgs gewesen. Gemeistert, wenn auch nicht gänzlich ausgestanden, habe man „eine bisher nie dagewesene Krise“. Petzt betonte: Der Rückgang der Infektionszahlen, die Eindämmung der gefährlichen Krankheit – „das war nie selbstverständlich“.

Sehr früh aber habe man etwa am Landratsamt den Ernst der Lage erkannt. 40 Mitarbeiter seien ans Gesundheitsamt beordert worden. Die Nachverfolgung von Kontaktpersonen habe man sofort in Angriff genommen. Viele hätten bis an die Belastungsgrenze gearbeitet, lobte Petz – nicht zuletzt am Gesundheitsamt, wo man „beinahe prophetische Kompetenzen“ entwickelt und sehr vieles frühzeitig und richtig vorausgesehen habe. „Unheimliches Engagement“ zollte Petz auch den Mitarbeitern des Landratsamts, die sogar zu Hause Desinfektionsmittel gemischt hätten. Blitzschnell habe auch das Klinikum reagiert und rechtzeitig „ein Behelfskrankenhaus im Krankenhaus“ eingerichtet. Auch hier habe alles wie am Schnürchen geklappt, jeder habe professionell und dabei bis zur Erschöpfung gearbeitet. Nur der Mangel an Beatmungsgeräten sei gerade zum Höhepunkt der Krise Ende März ein großes Problem geworden. Details dazu berichtete der Ärztliche Direktor am Klinikum, Dr. Markus Neumaier.

Appell: „Vernünftig bleiben“, um zweite Welle zu verhindern

Ein Riesenlob gab’s auch für die Hilfsorganisationen wie BRK, THW, Johanniter und Feuerwehr, die nicht nur das Testzentrum eingerichtet und betrieben hätten, sondern auch mit der Beschaffung und Verteilung der knappen Hilfs- und Schutzausrüstung schwer belastet gewesen seien. Die Polizei habe ihre Aufgabe ebenfalls mit Bravour gemeistert, sagte Petz: Bei den Kontrollen seien die Beamten konsequent vorgegangen, hätten aber auch „sehr viel Fingerspitzengefühl“ bewiesen.

Beeindruckt zeigte sich der Landrat auch von der Art und Weise, wie die Bevölkerung mit der bedrohlichen Lage umgegangen sei: Obwohl viele existenziell bedroht gewesen seien, habe man große Solidarität bewiesen, etwa beim Einkaufen oder bei der Kinderbetreuung. „Alle haben an einem Strang gezogen“, lobte Petz und zitierte einen Satz eines Einsatzleiters, der ihn besonders beeindruckt habe: „Wenn ich schon eine Katastrophe erleben muss, dann am liebsten im Landkreis Freising.“ Wenn jetzt „alle vernünftig bleiben“, schloss der Landrat, „dann werden wir eine zweite Welle verhindern.“

Die bewährten Strukturen will man aufrecht erhalten und sogar weiter ausbauen.

  • Die Arbeit der Führungsgruppe Katastrophenschutz ist beendet, doch die Koordinierungsgruppe am Landratsamt bleibt bestehen. Ebenso eine 24-Stunden-Rufbereitschaft.
  • Das Bürgertelefon (Tel. 08161/600601, von Montag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr) bleibt.
  • Die Teststelle in Marzling bleibt aufrechterhalten.
  • Das Contact-Tracing-Team zur Nachverfolgung und Betreuung von Kontaktpersonen, derzeit etwa zehn Personen, die an der Realschule Gute Änger untergebracht sind, ist weiterhin dauerhaft im Einsatz.
  • Der Landkreis wird verstärkt Schutzmaterial einkaufen und vorhalten, das Klinikum ebenfalls.
  • Der Versorgungsarzt wird von seinen Aufgaben entbunden, Schwerpunktpraxen werden wieder normale Arztpraxen.

Aktuelles im Landkreis Freising

Bayerns Innenminister hat des Ende des Corona-Katastrophenfalls festgestellt. Der Landkreis Freising fährt sukzessive zurück -bleibt aber gewappnet.

Während des Corona-Lockdowns konzentrierte sich das Leben der meisten Menschen vor allem auf die eigenen vier Wände. Dementsprechend fiel mehr Müll an. Freising bestätigt den deutschlandweiten Trend.

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