Finn Kosina, Schülersprecher am Camerloher-Gymnasium in Freising
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Finn Kosina (17): Die vielen Stunden vor dem Bildschirm gehen an die Substanz.

Auch Homeschooling geht an die Substanz

Wechselunterricht und gestrichene Ferien: „Emotionen hochgekocht“ - Schüler ärgern sich über Neuregelungen

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Ab Montag sollen Abschlussklassen von FOS/BOS und Gymnasien im Wechselunterricht an die Schulen zurückkehren. Die Schüler hätten es gerne anders gehabt.

  • Absolventen von Gymnasien und FOS/BOS sollen am Montag, 1. Februar, in die Schulen zurückkehren.
  • Für den Anfang ist Wechselunterricht vorgehsehen.
  • Dieses System sorgt bei Lehrern und Schülern indes für Unmut.

Freising – Finn Kosina (17) ist Schülersprecher am Camerloher-Gymnasium in Freising. Dem FT berichtet er, wie es den Schülern im Homeoffice geht, ob sie sich auf die Rückkehr in die Schule freuen, und bei welcher politischen Entscheidung die Emotionen hochgekocht sind.

Herr Kosina, Sie sind seit über einem Monat im Homeschooling. Wie läuft es bisher?

Im Vergleich zum ersten Lockdown viel besser. Mit MS Teams haben wir jetzt eine stabile Plattform, bei der auch Videokonferenzen reibungslos laufen.

Wie muss man sich den Unterricht vorstellen?

Es gibt Lehrer, bei denen läuft der Unterricht nahezu genauso ab, als wären wir im Klassenzimmer. Es gibt aber auch Lehrer, die mehr auf Gruppenarbeit setzen und dann korrigieren. Nur noch ganz vereinzelt kommt es vor, dass lediglich Arbeitsblätter verteilt werden.

„Entweder es kommen alle oder niemand“

Welche Reibungsverluste bringt der Distanzunterricht mit sich?

Es fehlt der direkte Kontakt zum Lehrer. Und das bedeutet, dass er über Video nicht so gut auf Fragen oder Verständnislücken bei Schülern eingehen kann, wie wenn man im gleichen Raum zusammen ist. Die eigentlichen Belastungen liegen aber woanders.

Wo denn?

Wir sitzen jetzt wirklich viele Stunden vor dem Bildschirm. Es fehlen einfach die kleinen Pausen, die sich früher in der Schule zwischen zwei Unterrichtsstunden ergeben haben. In denen man sich auch mal bewegt hat. Und was natürlich auch vielen Schülern zu schaffen macht: Es fehlen die sozialen Kontakte.

Das heißt, es freut die meisten Absolventen, wenn es am Montag wieder in den Präsenzunterricht geht.

Wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, gibt es wohl keinen Schüler, der lieber zu Hause bleiben würde. Das Problem ist: Es gibt ja ab Montag auch für die Absolventen keinen reinen Präsenzunterricht, sondern lediglich Wechselunterricht. Das hatten wir vor den Sommerferien schon einmal, und da hat sich gezeigt: Für die Lehrer ist es eine Zusatzbelastung, und trotzdem ist es nicht möglich, die Schüler, die daheim sind, und die Schüler im Klassenzimmer parallel zu versorgen. Daher war die vorherrschende Meinung bei uns Schülern: Entweder es kommen alle oder niemand.

Bei den Faschingsferien „sind die Emotionen hochgekocht“

Was sagen Sie dazu, dass die Faschingsferien ausfallen sollen?

Da sind die Emotionen bei uns schon hochgekocht, vor allem bei dem Argument, dass wir dafür im Winter eine Woche länger Ferien gehabt hätten.

War dem nicht so?

An den drei Tagen vor Weihnachten ist die Schule ja nur ausgefallen, weil es auf den Verfügung stehenden Plattformen nicht möglich war, Unterricht für alle zu halten. Selbst die entfallenen Tage rechtfertigen keine elf Wochen durchgängigen Unterricht unter diesen Umständen, zumal in diesem Schuljahr auch sämtliche Klassenfahrten entfallen. Wenn die Politik jetzt versucht, Unterrichtszeit, die wegen technischer Versäumnisse verloren gegangen ist, in unserer Freizeit aufzuholen, ist das falsch. Wir, Lehrer wie Schüler, brauchen diese Ferien, um uns vor den Mehrbelastungen zu erholen, denen wir in den vergangenen Monaten ausgesetzt waren.

Auch die erschwerte Vorbereitung auf das Abitur dürfte stressig werden. Mit welchen Gefühlen blicken sie den Abschlussprüfungen entgegen?

Es gibt jetzt zwar bereits einen Plan mit den konkreten Terminen für das Abitur. Aber ob dieser tatsächlich nicht noch einmal angepasst wird, ist unklar. Letztendlich ist ein Großteil unserer Abiturzeit mit den Verunsicherungen durch Corona geprägt, und es sieht unmittelbar vor den Prüfungen nicht anders aus.

Wie gehen Sie damit um?

Wir Absolventen können alle nur hoffen, dass wir die Prüfungen halbwegs ordentlich schaffen, und dass wir dann nicht nur mit der Schule, sondern auch mit Corona langsam mal abschließen können.

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