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Der Müll wird immer mehr. Muss das sein?

KBW-Vortrag: Eine junge Familie kommt fast ohne Abfall aus

Weniger Müll, aber mehr Lebensqualität

Die Müllberge wachsen und bald wissen wir nicht mehr, wohin damit. Doch jeder Einzelne hat die Möglichkeit, etwas zu einer besseren und gesünderen Welt beizutragen. Wie das geht, konnte man bei einem Vortrag im Katholischen Kreisbildungswerk erfahren.

Freising –Rund 37 Kilo Plastikmüll produziert nach einer aktuellen Studie jeder von uns im Schnitt pro Jahr. Bisher war China einer unserer größten Abnehmer für diesen Müll. Das ändert sich jetzt und es stellt sich die Frage: Wohin damit? Es scheint an der Zeit, zu handeln. Das Katholische Kreisbildungswerk gibt nun mit seiner Veranstaltungsreihe “Challenge accepted: Bewusster leben in Freising“ die Gelegenheit, an ein paar persönlichen Stellschrauben zu drehen. Zum Auftakt gab es einen Vortrag von Daniela Schnagl-Vitak.

Die Olchingerin hat den Müll ihrer sechsköpfigen Familie beinahe auf Null reduziert. Bei ihrem Vortrag „Wie geht das – ein Leben (fast) ohne Müll“ hatte sie einige praktische Tipps parat. „Wen stört denn welcher Müll?“, fragte die Referentin zu Beginn des Abends. Die einen ärgerten sich über all den Müll aus dem Bad, der nächste fühlte sich überwältigt vom Plastikabfall, der durch Haustier-Haltung verursacht wird und wieder ein anderer wollte die Plastikberge nach dem Lebensmitteleinkauf nicht mehr hinnehmen.

Daniela Schnagl-Vitak.

All diese Einwände kannte Schnagl-Vitak aus eigener Erfahrung. Sie selbst habe beim Bad-Müll angefangen. Statt Duschgels und Shampoos in Plastikflaschen mischt sie heute für ihre Familie die Pflegeprodukte selbst an. Wascherde stellt die Grundlage dar. Als Shampoo dient der Olchingerin zum Beispiel einfaches Roggenmehl. Das reinige die Haare von Fett und Schmutzpartikeln und belaste die Kopfhaut nicht. „Und es ist supergünstig.“

Auch bei der Zahnpflege verzichtet sie mittlerweile auf Plastiktuben und mischt die Zahnpasta selbst. Damit vermeide sie nicht nur den Verpackungsmüll, sondern auch das Mikroplastik, das oft als Putzpartikel in der Paste ist. Eine Probe ihrer Hauszahnpasta hatte sie dabei. Die stieß auf großes Interesse (siehe Rezept). Übrigens: Auch ihren WC-Reiniger macht Schnagl-Vitak aus Stärke und Zitronensäure selbst. Und zum Wäschewaschen dienen ihr getrocknete Kastanien. Als Tipp für Rezepte dieser Art nannte sie die Webseite www.smarticular.net.

Ihre Strategie bei allem: Ausprobieren, verbessern und wenn es für einen selbst passt, dann übernimmt man das automatisch. „Am besten, man beginnt mit einem kleinen Projekt, immer ein Schritt nach dem nächsten, man kann nicht von heute auf morgen alles verändern.“ Für den regelmäßigen Einkauf gab es auch ein paar Anregungen: saisonal, regional und mit eignen Taschen und Gefäßen einkaufen. Und dann noch etwas ganz einfaches: „Verschweißtes und aufwändig Verpacktes muss man einfach liegen lassen.“ Und da, wo es eben nicht ohne Plastikverpackung geht, versuche sie Großpackungen zu kaufen.

All das klingt im ersten Moment nach viel Aufwand und Verzicht. Aber die Referentin entgegnete: „Was mir an Strategien geblieben ist, hat mir letztlich mehr Lebensqualität gebracht.“ Das seien zum Beispiel hochwertigere Produkte, eine gesündere Ernährung und mehr Zeit, die sonst mit Mülltrennung und Fahrten zum Wertstoffhof gefüllt war. Mit all diesen Tipps können Interessierte nun in die „Challenge“ gehen.

Das Bildungswerk bietet die Möglichkeit, ab Februar in einer Projektgruppe gemeinsam etwas an der eigenen Lebensführung zu verändern. Die Erfahrungen werden dann in einer gemeinsamen Ausstellung im Nachhaltigkeits-Zelt auf dem Uferlos präsentiert. Der Startschuss fällt am Montag, 5. Februar. Mehr Infos und Anmeldung unter www.bildungswerk-freising.de.

Gut zu wissen

Das Freisinger Tagblatt wird sich an der Challenge beteiligen. FT-Reporterin Claudia Bauer wagt den Selbstversuch – und versucht, Müll zu vermeiden. Ab Februar wird sie über ihre Erfahrungen regelmäßig berichten.

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