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Seit 2007 war Werner Kusch Chef der Staatlichen Wirtschaftsschule Freising. Jetzt übergibt er ein wohlbestelltes Haus. 

Nach zwölf Jahren 

„Ich war kein Alleinherrscher“: Chef der Wirtschaftsschule Freising geht in Ruhestand

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Nach zwölf Jahren als Steuermann der Freisinger Wirtschaftsschule geht Werner Kusch in den Ruhestand. Im Gespräch mit dem Tagblatt blickt der Pädagoge auf das Erreichte zurück.

Freising – Sein Abschied rückt näher: Zwölf Jahre lang war Werner Kusch Leiter der Staatlichen Wirtschaftsschule Freising. Am Dienstag, 23. Juli, wird der 66-Jährige im Rahmen eines Festakts in den Ruhestand verabschiedet. Doch pure Freude löst der Gedanke an die Pension (noch) nicht in ihm aus. „Ich gestehe, dass ich das zwiespältig sehe“, sagt er. „Ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet. Jetzt stehe ich in ein paar Tagen da und hätte plötzlich nichts mehr zu tun.“

„Eigentlich war es Zufall, dass ich zur Schule gekommen bin“

Wer Kusch kennt, weiß: Beim Däumchendrehen wird ihn auch künftig keiner erwischen. Denn bisher hat der Münchner noch immer eine neue Herausforderung gefunden. Den Eintritt in den Schuldienst etwa zählt er dazu. „Eigentlich war es Zufall, dass ich zur Schule gekommen bin“, sagt er. Als gelernter Maschinenbauer hätte er gerne einen Job in der Fliegerei gefunden. Doch es kommt anders: Kusch macht den Doktor an der TU München –eine schicksalhafte Entscheidung: „Auch dank der Promotion habe ich das Angebot erhalten, in den Schuldienst einzutreten.“

Kusch startet Anfang der 90er Jahre im Bildungssektor durch. Die Aufgaben fliegen ihm zu: Mitarbeit im Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung, Anstellung an der FOS/BOS Technik München, stellvertretende Leitung an der FOS/BOS Bad Tölz. 2007 folgt er dem Ruf aus Freising. Dort wird er Schulleiter. Jetzt geht er als passionierter Lehrer.

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„Für mich war es immer etwas Besonderes, Schüler in einer entscheidenden Phase ihrer Entwicklung zu begleiten“, sagt er. „Die kommen als laufende Meter und gehen als gut entwickelte Männer und Frauen.“ Die schönste Amtshandlung sei für ihn daher immer die Übergabe des Abschlusszeugnisses gewesen. „Wenn man sich mit ihnen freuen kann, dass sie es geschafft haben.“

Wirtschaftsschule genießt hervorragenden Ruf

Bei den Betrieben in der Region genießt die Wirtschaftsschule einen hervorragenden Ruf. Bei den jährlich starken Abschlussquoten sind die Absolventen aus der Kusch-Schmiede sehr begehrt. Ein Fan von der Schule ist etwa Hennick Mack, Regionalleiter der Firma Kühne + Nagel in Langenbach. „Bei uns ist eine erfolgreiche Ausbildung die Eintrittskarte für die persönliche Karriere. Die Wirtschaftsschule bietet hier eine sehr gute Basis.“

Kusch freut das natürlich. Wichtig ist ihm aber auch das Feedback seiner ehemaligen Schüler. „Wenn erfolgreiche Männer und Frauen kommen und sagen, ihre schönste Zeit hätten sie auf der Wirtschaftsschule verbracht, geht einem natürlich das Herz auf.“ Ein Sohn der Wirtschaftsschule, der es weit gebracht hat, ist etwa der Bundestagsabgeordnete Erich Irlstorfer. Er betont: „Ich bin ein großer Fan der Wirtschaftsschule.“

„Wichtige Entscheidungen haben wir immer im Team getroffen“

Darauf darf sich Kusch etwas einbilden, wobei er betont: „Ich war als Schulleiter kein Alleinherrscher. Wichtige Entscheidungen haben wir immer im Team getroffen.“ In Zeiten abnehmender Schülerzahlen und wachsender Konkurrenz, etwa durch den kaufmännischen Zweig an den Realschulen, haben er und seine Stellvertreter Gerd Preuß und Olaf Steil der Schule weiterhin ein starkes Profil gegeben. Die Digitalisierungsoffensive etwa fand hier schon statt, bevor die hohe Politik davon gesprochen hat. Mehr als 270 Rechner stehen den Schülern zur Verfügung. Und dank leistungsstarkem WLAN und Internetzugang können sie überall im Gebäude mit Endgeräten aller Art arbeiten.

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Zudem wurde die Wirtschaftsschule in der Ägide Kusch zur Seminarschule. Hieraus gehen Referendare der Wirtschaftswissenschaften hervor. „Wir bilden unseren eigenen Nachwuchs aus“, erklärt der 66-Jährige. Dass Freising die Seminarschule erhalten habe, sei eine Auszeichnung. „Denn zur Seminarschule wird man nur, wenn man Qualität bietet und Leistung bringt.“

„Es wird auf Kontinuität gesetzt“

Kusch verlässt die Schule daher mit „gutem Gewissen“, wie er sagt. Als Kompliment wertet er auch, dass sein Nachfolger aus dem eigenen Haus kommt: Sein Stellvertreter Gerd Preuß übernimmt ab August die Leitung. „Es wird auf Kontinuität gesetzt. Impulse von außen braucht es offenbar derzeit nicht.“

Für seine Ruhezeit sucht Kusch indes noch Anregungen. „Ich möchte auch in Zukunft eine kleine Pflicht haben“, sagt er. „Nicht, weil ich Geld verdienen muss, sondern weil ich mich gerne einbringen und damit Menschen eine Freude machen will.“ Eine Adressatin gibt es bereits. Sie heißt Mila und ist sechs Monate alt. Es ist die Enkelin von Werner Kusch.

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