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Fast ein Vierteljahrhundert hat Walter Brugger das christliche Leben in Freising als Wieskurat geprägt. Jetzt siedelt er in ein Stift im Chiemgau um. 

Abschied für das Frühjahr geplant

Über 50 Jahre in der Domstadt gewirkt: Wieskurat Walter Brugger verlässt Freising

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Es wird kein leichter Abschied: Wieskurat Walter Brugger verlässt Freising und „seine“ Wies. Er siedelt ins Chiemgau um.

Freising – Der Abschied wird nicht nur ihm schwerfallen, sondern auch vielen Freisingern: Wieskurat Walter Brugger verlässt die Domstadt und „seine“ Wies. Das gab der 91-Jährige im Sonntagsgottesdienst in der Wallfahrtskirche offiziell bekannt. Die Messe hatten Kurat Brugger und Kirchenverwalter Franz Riedl allen Mitarbeitern, Helfern und Freunden der Wieskirche gewidmet.

Er siedelt um in ein Wohnstift im Chiemgau

„Ich siedle um in ein Wohnstift im Chiemgau. Damit komme ich meiner Heimat und meinen Freunden wieder näher“, hat Brugger, der aus Laufen an der Salzach stammt, zuvor im FT-Gespräch verraten. Warum er die Domstadt nach über fünf Jahrzehnten verlässt, daraus macht der Wieskurat keinen Hehl: „Ich bin hier der Boss in der Wies – aber mir wird’s einfach zu viel.“ Zudem mache ihm seine Arthrose zunehmend zu schaffen. „Aber solange es nur im Knie fehlt und nicht im Kopf, habe ich nix dagegen“, sagt Brugger und lacht. „Man muss das auch humorvoll nehmen.“

Forschen und schreiben will er weiter

Sein Umzug ist für das Frühjahr beziehungsweise den Frühsommer geplant, je nachdem, wann eines der Zwei-Zimmer-Appartements in dem Wohnstift frei werden. Nur die Hände in den Schoß legen wird Brugger dort freilich nicht. „Ich möchte die Zeit natürlich genießen, aber auch noch ein bisschen forschen und schreiben“, sagt Brugger, der jüngst Mitautor bei der im vergangenen Jahr veröffentlichten Monografie „Kloster Scheyern: 900 Jahre Benediktiner am Stammsitz der Wittelsbacher“ war.

Im 25. Jahr Rektor der Wieskirche

Doch zuvor muss sich der Seelsorger von Freising verabschieden – kein leichter Schritt. Nach der Schullaufbahn trat er 1950 in das Priesterseminar in Freising ein und studierte sechs Jahre an der philosophisch-theologischen Hochschule auf dem Domberg. 1956 wurde er im Dom zum Priester geweiht. Als Kaplan war er in Traunstein und München im Einsatz, währenddessen studierte er drei Semester lang Kunstgeschichte. 1962 kam Brugger nach Freising zurück und war sechs Jahre Dozent für Katechetik und Homiletik im Priesterseminar. Danach leitete er 14 Jahre lang die Stadtpfarrei St. Georg in Freising. 1979 promovierte Brugger zum Doktor der Theologie. Er verließ die Domstadt für einige Jahre und wurde Pfarrer sowie Dekan in Berchtesgaden. 1995 kehrte Brugger – mittlerweile zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt – nach Freising zurück und wurde Rektor an der Wallfahrtskirche Wies. Dort ist er jetzt im 25. Jahr tätig. „Damit habe ich alle Kuraten bis auf einen weit hinter mir gelassen.“

„Jeder Mensch ist ersetzbar“

Fast ein Vierteljahrhundert hat Brugger das christliche Leben in Freising als Wieskurat und Seelsorger maßgeblich geprägt – und Spuren hinterlassen. Den Mitgliedern „seiner“ Wiesgemeinde wird er fehlen. „Einige kamen schon zu mir und sagten, ich dürfe nicht gehen. ,Die Wies stirbt ja dann’, haben sie gesagt“, erzählt Brugger. Er sieht das sehr pragmatisch: „Jeder Mensch ist ersetzbar.“

Lesen Sie auch das große Porträt zum 90. Geburtstag von Wieskurat Walter Brugger.

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