+
Die neuen rechtspopulistischen Tendenzen in Deutschland sind für viele Kriegervereine eine Motivation, weiterhin der Toten der Weltkriege zu gedenken. 

Interesse am Gedenktag schwindet

„Wir müssen weiter Zeichen setzen“: Vereine betonen Bedeutung des Volkstrauertags

  • schließen

Am Sonntag ist Volkstrauertag: Viele Kriegervereine kämpfen mit dem zunehmenden Teilnehmerschwund. Dabei betonen sie die Aktualität des Gedenktages in der heutigen Zeit. 

Landkreis – Pankraz Schmitt seufzt. „Ich fürchte, es werden wieder nur zehn Vereinsmitglieder am Kriegerdenkmal stehen. Von der Bevölkerung ganz zu schweigen.“ Der Vorsitzende des Krieger- und Soldatenvereins (KSV) Freising-Lerchenfeld kämpft schon länger mit dem Teilnehmerschwund an der zentralen Feier zum Volkstrauertag, die an diesem Samstag um 18 Uhr in der Kirche St. Georg beginnt.

Damit ist er nicht allein: In Dorfen im Nachbarlandkreis Erding stirbt heuer ein Stück Tradition. Die Gedenkfeier dort fällt aus, weil der verantwortliche Verein die Organisation nicht mehr stemmen kann – und die Bürger so gut wie kein Interesse mehr daran zeigen.

So weit wollen es Schmitt und die wenigen aktiven Lerchenfelder Kameraden nicht kommen lassen. Der 77-Jährige, der die Nachkriegszeit als Bub erlebt hat, möchte an der zentralen Feier festhalten, solange es geht. In Deutschland herrscht zwar seit mehr als 70 Jahren Frieden. „Doch gerade jetzt, wo es wieder Tendenzen in Richtung Nationalsozialismus gibt, müssen wir weiter Zeichen setzen“, betont Schmitt.

Georg Brandner sieht das ähnlich. Der dritte Vorsitzende des Kreiskrieger- und Soldatenverbands Freising, der die zentrale Feier mit dem KSV Lerchenfeld und der Stadt organisiert, bemerkt das schwindende Interesse am Volkstrauertag ebenfalls. „Die Jungen wissen wenig darüber, die Älteren verdrängen die Erinnerungen oft, mutmaßt Brandner. „Doch wir werden der Gefallenen und Vermissten weiterhin gedenken – sowohl in der Stadt als auch in den Gemeinden.“ Erfahrungsgemäß sei dort das Interesse noch deutlich höher.

Das bestätigt Georg Völkl vom KSV Zolling. Der Verein, der 2020 sein 100-jähriges Bestehen feiert, hält den Kriegerjahrtag immer am ersten Sonntag im November ab – und freut sich regelmäßig über die rege Teilnahme. „Die Messe in der Kirche ist gut besucht, genauso wie der Festakt am Kriegerdenkmal. In letzter Zeit haben wir sogar noch mehr Zulauf bekommen“, sagt der 54-Jährige. Das komme daher, weil der Verein aktiv auf Nachwuchssuche gehe und verstärkt versuche, Burschenvereine und Mädchengruppen einzubeziehen.

Tradition und Gemeinschaft seien beim Zollinger Volkstrauertag wichtige Stichworte. „Dass es nach dem Festakt ein gemeinsames Mittagessen beim Wirt gibt, tut sicher auch etwas dazu“, meint Brauner mit einem Augenzwinkern.

Lesen Sie auch: Immer weniger Jugendliche engagieren sich in Vereinen

Sein Amtskollege Albert Past vom KSV Eching möchte sich bislang ebenfalls nicht über die örtliche Resonanz auf den staatlichen Gedenktag beschweren. „Der Gottesdienstbesuch in St. Andreas lässt etwas nach, aber bis jetzt war die Teilnahme immer sehr gut“, sagt der Vorsitzende. Sein Verein zählt 180 Mitglieder, rund 50 davon seien meist am Kriegerdenkmal vertreten. „Die Altersspanne reicht von 23 bis 96 Jahre – zwei haben noch am Zweiten Weltkrieg teilgenommen. Viele können einfach nicht mehr kommen“, sagt Vorsitzender Past.

Weil der Tag angesichts der aktuellen Lage mit weltweiten Terroranschlägen nichts an seiner Aktualität verloren habe, bemüht sich der KSV um Nachwuchs. „Wir kooperieren jetzt mit dem Burschenverein und der Feuerwehr“, erklärt 61-Jährige. Das Gemeinschaftsgefühl sei wichtig, um die Menschen zu motivieren. mh

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wangs neuer Bürgermeister: „Ich habe mir das Ergebnis so vorgestellt“
Markus Stöber ist aufgestiegen – vom 2. zum 1. Bürgermeister in Wang. Er gewann die Stichwahl gegen Josef Schwaiger.
Wangs neuer Bürgermeister: „Ich habe mir das Ergebnis so vorgestellt“
Stichwahl in Freising: Ergebnis in Moosburg knapp, beim Landrat eindeutig
Stichwahl hieß es in fünf Kommunen sowie in Sachen Freisinger Landrat. In Moosburg war die Entscheidung knapp, beim Landrat eindeutig. Alle Ergebnisse und Infos zum …
Stichwahl in Freising: Ergebnis in Moosburg knapp, beim Landrat eindeutig
Endlich am Ziel – aber vor großen Herausforderungen: Martin Ernst gewinnt in Marzling
Im dritten Anlauf hat es für Martin Ernst in Marzling geklappt: Er hat sich mit 64,2 Prozent gegen Thomas Sellmeir durchgesetzt. Der Unterlegene ist jedoch keineswegs …
Endlich am Ziel – aber vor großen Herausforderungen: Martin Ernst gewinnt in Marzling
Neuer Bürgermeister in Rudelzhausen: Freude bei Michael Krumbucher, Enttäuschung bei Robert Forster
Die Entscheidung ist gefallen: Michael Krumbucher ist neuer Bürgermeister von Rudelzhausen. Der 47-jährige Groß- und Außenhandelskaufmann tritt die Nachfolge von Konrad …
Neuer Bürgermeister in Rudelzhausen: Freude bei Michael Krumbucher, Enttäuschung bei Robert Forster

Kommentare