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Es ist angerichtet: Stefan Spitzer vom gleichnamigen Gasthaus in Osterwaal (Au/Hallertau) begrüßt seine Gäste mit dem gebotenen Abstand.

Heute geht‘s wieder los

Zwischen Genuss und Genauigkeit: Wirte im Kreis Freising sind bereit für Biergarten-Öffnung

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Hoch die Krüge: Heute dürfen Bayerns Biergärten wieder öffnen. Die Betreiber im Landkreis Freising freuen sich, endlich wieder arbeiten zu können – sind aber auch skeptisch, ob die strengen Auflagen mit Genuss und Geselligkeit zusammenpassen.

Landkreis – Er schwankt zwischen Freude und Skepsis: Reinhard Wagner vom Freisinger Hofbrauhauskeller ist in Habachtstellung, wenn er heute seinen Biergarten am Lankesberg wieder öffnet. „Kommen Gäste? Kommen wir mit den Auflagen zurecht? Kostet es mehr, offen zu halten als zu schließen? All das wird sich erst zeigen, das weiß noch kein Mensch“, sagt Wagner. Trotzdem sei es schön, dass das Lokal Schritt für Schritt wieder öffnen dürfe. „Wir waren immer auf Stand-by. Jetzt geht’s endlich wieder los!“ Mit dem gebotenen Abstand könnten 160 Gäste im Biergarten Platz nehmen. Ein Anfang, findet der Wirt.

Ähnlich sieht das Thierry Willems, Pächter des Bräustüberls Weihenstephan. „Wenn alle gesund bleiben, wird das schon. Wir müssen positiv bleiben!“ In den vergangenen Wochen habe er zahlreiche schlaflose Nächte gehabt. Wieder eine Perspektive zu haben, sei hilfreich.

„Es wird eine Challenge für alle“

Wenn er an diesem Montag um 10 Uhr seinen Biergarten öffnet, rechnet er noch nicht mit einem Riesen-Ansturm. „Die Leute müssen ja arbeiten.“ Doch für Vatertag trudelten langsam Reservierungen ein. Durch die Abstandsregelungen biete der Biergarten am Weihenstephaner Berg Platz für 180 Gäste, normalerweise sei das Areal für mehr als doppelt so viele Besucher ausgelegt. „Aktiv rechne ich auch nur mit maximal 100 Gästen“, sagt Willems. Diese seien hoffentlich nachsichtig: Fehlendes Personal – Kräfte säßen noch in Frankreich und der Slowakei fest – sowie die strengen Auflagen könnten den gewohnten Ablauf etwas beeinträchtigen. „Es wird eine Challenge für alle“, sagt Willems. „Aber ich hoffe auf ein gutes Miteinander.“

Endlich: Das Team vom Gasthaus Schnaitl in Wang freut sich schon seit einiger Zeit auf die Wiedereröffnung – das macht das Banner am Eingang deutlich.

Auch Stefan Spitzer vom gleichnamigen Gasthaus in Osterwaal(Au/Hallertau) zählt auf seine Kundschaft. „Als bekannt wurde, wann wir wieder aufmachen dürfen, hatten wir in einer Stunde zehn Reservierungen.“ Für Vatertag seien es schon 70. Danach sehe es bislang aber eher mau aus. Doch um für Christi Himmelfahrt bestens vorbereitet zu sein, sperrt Spitzer seine Tür erst am Mittwochabend zu einem „Soft Opening“ wieder auf. „Montag und Dienstag nutzen wir, damit sich die Abläufe einspielen.“

Spitzers großes Glück seien jetzt die umfangreichen Umbaumaßnahmen im vergangenen Jahr. „Wir haben großzügig und luftiger geplant – das kommt uns gerade sehr entgegen.“ Der Biergarten sei jetzt, mit Abstand, groß genug für 200 Gäste, also 60 Prozent.

„Der Mundschutz trägt sicher nicht zum emotionalen Austausch bei“

Bei aller Vorfreude bleibt der Wirt kritisch: „Die Leute gehen ja nicht in den Biergarten, weil sie sonst verhungern würden. Es geht um das Erlebnis, die Stimmung, das Sehen und Gesehen werden“, sagt Spitzer. „Das fällt momentan alles eher unter den Tisch. Und der Mundschutz trägt sicher auch nicht zum emotionalen Austausch bei.“ Trotzdem: „Das ist halt jetzt so. Wir versuchen, das Beste draus zu machen.“

Hereinspaziert: Reinhard Wagner und das Team vom Hofbrauhauskeller in Freising sind bestens ausgerüstet, um die strengen Auflagen einhalten zu können.

Dass die Atmosphäre im Biergarten eine andere wie vor Corona sein wird, sieht Claudia Maisberger vom gleichnamigen Hotel-Gasthof in Neufahrngenauso. „Man weiß nicht, wie es angenommen wird, ob die Gäste auch mit Maske gern kommen, auch wenn man mit der Bedienung nicht so viel ratschen kann, wie gewohnt.“ All das werde sich zeigen, wenn der Biergarten ab Dienstag öffnet. Claudia Maisberger betont aber auch: „Wir freuen uns, dass wir wieder arbeiten können. Unsere Gäste vermissen wir schon.“

Vorfreude herrscht auch beim Ehepaar Dotzel, das den Gasthof Zum Alten Wirt in Langenbachbetreibt. Der Biergarten könne normalerweise 120 Besucher beherbergen, durch die zwei Meter Abstand zwischen den Tischen seien es jetzt nur noch 60. Wie viele Gäste die Plätze tatsächlich füllen werden, kann Beate Dotzel schlecht einschätzen. „Ich glaube aber schon, dass viele kommen.“ Denn auch der Wetterbericht spiele bisher mit. „Und das ist auf jeden Fall eine wichtige Voraussetzung.“

Freischankflächen in Freising: Stadt will großzügig sein

Gute Nachrichten für die Gastronomen in Freising: „Wo immer es der vorhandene Platz erlaubt, sollen Anträge von Gastronomen auf eine Erweiterung der Freischankflächen sehr großzügig beurteilt werden“, teilt Christl Steinhart, Sprecherin der Stadt, mit. Hintergrund ist die Auflage zur Wiedereröffnung, die einen Abstand von mindestens 1,5 Meter zwischen den Tischen vorsieht. Dem von der Corona-Krise stark betroffenen Gewerbe wolle die Stadt „durch eine großzügige Haltung“ entgegenkommen. Das Ordnungsamt dürfe Anträge auf Erweiterung der Außenflächen genehmigen, wenn es die örtliche Situation im jeweiligen Fall zulasse, erklärt Steinhart. „Im Mittelpunkt der Prüfung müssen immer die tatsächliche verkehrliche Situation und die Freihaltung von Rettungswegen stehen.“ Die CSU-Stadtratsfraktion um Vorsitzenden Rudolf Schwaiger hatte die temporäre Erweiterung von Freischankflächen bereits im April beantragt.

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