Corona-Maske auf einem Unterrichtspult
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Ohne Maske geht an den Schulen vorerst gar nichts. Die staatliche Strategie sieht ansonsten nur noch Lüften vor. Die Wirtschaftsschule Freising hat aber mehrere Konzepte ausgetüftelt, mit denen eine Klassenteilung möglich wäre.

„Königsweg gibt es nicht“

Corona: Wirtschaftsschule Freising hat alternative Unterrichtsmodelle entwickelt, einen Haken gibt es immer

  • Helmut Hobmaier
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Die Wirtschaftsschule Freising hat mit Blick auf die hohen Corona-Infektionszahlen Alternativen zum Präsenzunterricht entwickelt. Allein: Alle haben einen Haken.

Landkreis – Auch nach acht Monaten Pandemie ist aus dem Kultusministerium wenig zu hören, was nach einem längerfristigen Schulkonzept klingt. Da man weiter am Präsenzunterricht festhält, und Raumlüfter kaum vorhanden sind, beschränkt sich die Strategie bisher auf ausgiebiges Lüften und Maskenpflicht. Kreativer sind da viele Schulen.

An der Staatlichen Wirtschaftsschule Freising etwa steht man „in den Startlöchern“ und ist für jeden denkbaren Fall gerüstet. Für Schicht- oder Distanzunterricht wurden Lehrer intensiv geschult – sogar Kameras für die Klassenzimmer hat man sich beschafft. Allerdings: „Einen Königsweg gibt es nicht“, lautet das Fazit von Schulleiter Gerd Preuß im Gespräch mit dem FT. Und die vielleicht beste Unterrichtsvariante scheitert an einem höchst ärgerlichen Detail.

Gerd Preuß, Leiter der Wirtschaftsschule Freising: „Wir stehen in den Startlöchern.“

Herr Preuß, jetzt wurden gerade die Weihnachtsferien verlängert. Eine Maßnahme, die erst in Wochen greift – wenn überhaupt. Finden Sie das sinnvoll?

Grundsätzlich finde ich alles sinnvoll, was hilft, das Infektionsgeschehen einzudämmen. Und da habe ich auch Verständnis dafür, dass die Politiker alles Mögliche aufs Tapet bringen. Aber wir hatten schon im vergangenen Schuljahr viel Unterrichtsausfall und heuer bereits einige Klassen in Quarantäne. Da werden uns diese zwei wertvollen Schultage fehlen.

„Einen goldenen Weg gibt es leider nicht“

Aber sie könnten helfen, dass die Zahl der Erkrankungen sinkt.

In der Schule ist das Infektionsgeschehen doch außerordentlich gering. Wir setzen alle Regeln optimal um – Maskenpflicht, versetzte Pausenzeiten, unterschiedliche Pausenbereiche. Nur: Wir können in der Schule noch so gut sein – was außerhalb passiert, darauf haben wir keinen Einfluss.

Ministerpräsident Markus Söder will einen Schichtbetrieb an den Schulen, wenn der Inzidenzwert kritisch wird. Sind Sie dafür gerüstet?

Wir sind da sehr gut aufgestellt. Aber einen „goldenen Weg“ gibt es da leider nicht. Im vergangenen Schuljahr etwa haben wir den tageweisen Schichtbetrieb eingeführt. Wir wollten verhindern, dass die Schüler eine ganze Woche weg sind. Und die Erfahrung hat gezeigt, dass man da nur 50, 60 Prozent des Lernstoffs schafft. Wenn der Schüler nach einem Tag zu Hause wieder in die Schule kommt, kann man ja nicht einfach mit dem Stoff weitermachen.

Aber mit der halben Klasse läuft doch der Unterricht viel effektiver und konzentrierter?

Das stimmt zwar. Aber man schafft nicht den doppelten Stoff. Unsere Erfahrung: Bei diesem Modell gehen wichtige Inhalte verloren.

„Dann bricht das Internet zusammen“

Was haben Sie denn noch an Konzepten zu bieten?

Zweite Möglichkeit: Wir mischen den Präsenzunterricht. Die halbe Klasse ist in der Schule, die andere nimmt zu Hause am Bildschirm am Unterricht teil – live. Wir haben uns dafür eine ganze Reihe von Kameras angeschafft.

Was sieht da der Schüler daheim?

Er sieht die Lehrkraft oder auch Arbeitsblätter via Visualizer. Oder er blickt je nach Kameraeinstellung auf die Tafel. So haben wir bereits sieben Klassen unterrichtet, die in Quarantäne waren. Da sind wir also gut in Übung. Es ist eine Möglichkeit, alle Schüler parallel mit dem gleichen Stoff zu versorgen – und gleichzeitig das Infektionsrisiko zu vermindern. Natürlich braucht man dafür auch ein pädagogisches Konzept, um sich um die Schüler im Klassenzimmer und um die zu Hause gleichzeitig kümmern zu können.

Klingt doch super. Wo ist der Haken?

Wenn ich den Video-Unterricht in jeder Klasse mache, bricht das Internet zusammen – das ist der Haken. Die Kapazität für die ganze Schule mit ihren 17 Klassen und 400 Schülern reicht nicht aus – leider.

Haben Sie noch einen Pfeil im Köcher?

Allerdings. Es gibt noch eine dritte Möglichkeit: Vormittags Präsenzunterricht für die halbe Klasse und nachmittags Distanzunterricht für die andere Hälfte. Der Nachteil: Das bedeutet eine Doppelbelastung für die Lehrer. Auf Dauer klappt das nicht. Sie sehen also: Wir sind nicht untätig geblieben und in dem Thema voll drin. Wir stehen an der Wirtschaftsschule in den Startlöchern – egal, was kommt. Aber man wird wohl immer Abstriche machen müssen.

Querdenker-Eltern bereiten Leiter der Wirtschaftsschule keine Probleme

Beim derzeitigen Präsenzunterricht gibt es halt Abstriche, was die Gesundheit angeht.

Deshalb passen wir in der Schule besonders auf. Bei uns gab es sogar Maskenpflicht am Arbeitsplatz der Schüler, als das nicht verpflichtend war. Aber wir hatten einen Infektionsfall und die Maskenpflicht beibehalten. Da habe ich das Hausrecht durchgesetzt.

Gab’s Ärger?

Absolut nicht. Beschwerden gab es wegen der Masken noch nie.

Dann haben Sie keine Querdenker-Eltern?

Ich bin sehr glücklich, dass alle Eltern sehr viel Verständnis für unseren Weg haben und uns voll vertrauen. Auch der Elternbeirat zieht da wirklich mit.

Es gibt immer wieder Kritik von Lehrer- und Elternverbänden, dass alle Schulen beim Thema Corona über einen Kamm geschoren werden. Sie haben ja schon gute Konzepte ausgetüftelt. Würden Sie gerne Ihr eigenes Süppchen kochen?

Wichtig ist, dass ein Rahmen für alle da ist. Es hat keinen Sinn, dass jeder in dieser Krise macht, was er will. Da ist etwa der Rahmenhygieneplan eine recht gute Basis. Aber es wäre schon sinnvoll, wenn die Schulen dann in der Umsetzung von Maßnahmen auch individuelle Freiräume hätten.

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