Amtsgericht Freising

Wochenend-Kiffer bekommt letzte Chance

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Freising - Noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen ist ein 18-jähriger Schüler, der mit Marihuana in der Tasche erwischt worden war. Der Richter machte eine klare Ansage: Beim nächsten Mal droht dem angehenden Abiturienten Arrest.

Bloß ein Gramm Marihuana hat ein 18-Jähriger im April in München gekauft. Einen Teil davon trug der Schüler bei sich, als er in Freising in eine Polizeikontrolle geriet, einen Teil hatte er daheim gelagert. Vor dem Freisinger Amtsgericht wurde dem angehenden Abiturienten nun der Prozess gemacht. 

Der geringen Menge wegen gab sich der Anwalt des jungen Mannes zunächst der (durchaus realistischen) Hoffnung hin, für seinen Mandanten eine Einstellung des Verfahrens erwirken zu können, womöglich mit einer Geldauflage. Daraus wurde aber nichts: Der Schüler stand wegen Drogen bereits 2013 vor Gericht. Im Prozess präsentierte sich der Angeklagte als Wochenend-Kiffer. Seit zwei Jahren konsumiere er Marihuana – keineswegs regelmäßig, wie er betonte. Da ein Verfahren bereits vor drei Jahren eingestellt worden war, dürfte er Cannabisprodukten wohl bereits ein wenig länger zugetan sein. Mittlerweile will er den Drogen aber gänzlich entsagt haben, versicherte der 18-Jährige: „Ich will mich auf die Schule konzentrieren.“ 

Nach Angaben der Jugendgerichtshilfe drohte der Angeklagte, im Alter vom 16 Jahren dem Alkohol zu verfallen. Daraufhin sei er auf Cannabis umgestiegen, hätte aber nicht erwartet, dass ihm seine Entscheidung so viele Probleme bereiten würde. Der 18-Jährige plant nach dem Abitur, ein Jura-Studium aufzunehmen, liebäugelt außerdem mit Psychologie. Sein Anwalt informierte das Gericht zusätzlich über einige „systemische Probleme“: Dem Mandanten sei von daheim ein Psychologe an die Seite gestellt worden, nachdem er von der Polizei erwischt worden war. Die Eltern leben in Trennung. 

Und trotzdem: Der Staatsanwalt beantragte 60 Sozialstunden und eine Beratung bei der Drogenhilfe. Er habe den Eindruck gewonnen, das der 18-Jährige geläutert sei. Das Gericht beließ es bei 30 Sozialstunden, berücksichtigte dabei wohl, dass dem Angeklagten demnächst die Abiturprüfungen ins Haus stehen. Der 18-Jährige muss außerdem wenigstens fünf Beratungstermine beim Prop e.V. wahrnehmen und 200 Euro an die Staatskasse zahlen. Schwerer treffen wird ihn aber vermutlich, dass er demnächst mit Post von der Führerscheinstelle rechnen zu hat. 

„Das war der zweite Eintrag“, mahnte Richter Boris Schätz. „Sie stellen langsam die Weichen.“ Schätz empfahl dem Angeklagten, darauf zu achten, nicht die falsche Richtung einzuschlagen: „Abitur, Studium“, schob der Vorsitzende nach: „Sie haben doch etwas vor im Leben.“ Sollte ihn wieder mal der Finger jucken, „dann denken Sie daran: Nächstes Mal droht Ihnen Arrest.“

Rubriklistenbild: © dpa

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