Kundin des Freisinger Wochenmarkts am Blumenstand
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Das Blumenmeer ist zurück in der Stadt: Norbert Baumgartner (r.) freut sich, seinen Stand wieder in der Innenstadt aufbauen zu können. Er ist aber auch dankbar dafür, dass es während der Pandemie die Luitpoldanlage gab. Sonst hätte überhaupt kein Markt stattfinden können.

„Abgerechnet wird am Schluss“

Freisinger Wochenmarkt: Standbetreiber kehren in die Innenstadt zurück – mit gemischten Gefühlen

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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15 Monate musste der Freisinger Wochenmarkt Corona-bedingt in die Luitpoldanlage ausweichen. Jetzt ist er in der Innenstadt zurück. Die Gefühle: gemischt.

Freising - Nicht nur aufgrund der Pandemie, die weiterhin größere Sicherheitsabstände erfordert, sondern auch wegen der Baustellen ist aus dem ehemals kompakt auf dem Marienplatz angesiedelten Treiben eine Marktmeile geworden, die von der Weizengasse an der Unteren Hauptstraße bis fast zur Ziegelgasse an der Oberen Hauptstraße verläuft. Und so schlenderten etliche Leute am Mittwoch gemütlich von Stand zu Stand, um sich mit frischen Lebensmitteln, Blumen oder Pflanzen zu versorgen - erstmals wieder seit März 2020.

Die vielleicht wichtigste Besucherin war zugleich die strahlendste: die Sonne. „Das gute Wetter hat uns heute sehr geholfen“, betont Hans Hölzl, Stadtrat und häufiger Gast am Markt. „Wäre schon schade gewesen, wenn es heute geregnet hätte.“ Er begrüßt die Rückkehr des Marktes in die Innenstadt. „Das war auch der Wunsch der Geschäftsleute.“ Schließlich lockt der Markt viele Menschen in die Innenstadt.

„Ich bin sehr froh, dass der Markt wieder zurück in der Stadt ist“

So sah man überall bunt befüllte Körbe, Satteltaschen und Bollerwagen. „Ich bin sehr froh, dass der Markt wieder zurück in der Stadt ist“, sagt Sophie Polz. Denn so kann die Rentnerin ihn zu Fuß erreichen. Ein älterer Herr ist da ganz anderer Meinung: „In der Luitpoldanlage gab es viel bessere Parkmöglichkeiten als hier“, sagt er, will aber seinen Namen nicht nennen. „Sonst schimpft meine Frau.“ „Die schimpft doch immer“, frotzelt prompt sein Hintermann, der sich dann aber doch auch lieber nicht namentlich outet. „Aber schreiben’s doch in die Zeitung: Für die Rentner ist der Markt in der Innenstadt die bessere Lösung.“

„Heute habe ich Menschen wiedergetroffen, die ich seit Ausbruch der Pandemie nicht mehr gesehen habe.“ Margit Sieber (l.) vom Spargelhof Priller freut sich über die Rückkehr des Marktes in die Freisinger Innenstadt.

Das bestätigt Margit Sieber vom Spargelhof Priller. „Heute habe ich Menschen wiedergetroffen, die ich seit Ausbruch der Pandemie nicht mehr gesehen habe.“ Sie ist froh, dass der Markt in die Freisinger Innenstadt zurückgekehrt ist. „Hier ist einfach viel mehr los. Die Leute kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad und verbinden die Einkäufe auf dem Markt mit einem Bank- oder Arztbesuch.“ Und klar: Das Ambiente sei hier im historischen Stadtkern natürlich auch viel besser.

Blumenverkäufer ist dankbar für die Zeit in der Luitpoldanlage

„Ach schön ist es überall“, meint Maria Mair mit der philosophischen Gelassenheit einer Beschickerin, die seit vielen Jahren ihre Eier und Kartoffeln auf dem Wochenmarkt feilbietet. Auch sie verweist darauf, dass die Kunden in der Luitpoldanlage bessere Parkmöglichkeiten vorgefunden hätten. „Wenn es allerdings geregnet hat, dann standen wir dort wie auf einer Insel kurz vor dem Wegschwimmen“, erinnert sie sich und lacht. „Die Stadt hat dann irgendwann Riesel hingefahren und gestreut. Von da an ging es deutlich besser.“

Blumen- und Pflanzenverkäufer Norbert Baumgartner will der Luitpoldanlage nichts Schlechtes nachsagen. „In erster Linie müssen wir froh und dankbar sein, dass wir mit Beginn der Pandemie so überhaupt die Möglichkeit hatten, den Markt noch zu betreiben.“ Gerade am Samstag seien dort auch viele Kunden hingeströmt – seinem Gefühl nach mehr als in der Innenstadt. Er habe auch Kunden gehabt, die ihm gesagt hätten, dass er sie nicht mehr sehen würde, wenn der Markt ins Zentrum zurückkehrt. „Irgendwie wird sich das alles ausgleichen“, denkt er. „Aber abgerechnet wird am Schluss.“

Stadt verteilt Masken für Besucher, die keine dabei haben

Weil auf dem Markt ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden muss, wird die Innenstadt, in der die Maskenpflicht im Freien vor gerade mal zwei Wochen aufgehoben wurde, während der Verkaufszeiten de facto zum Großteil wieder zur Maskenzone. Ein Problem für die Passanten?

„Eigentlich nicht“, sagt Ralf Denner vom Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung. Er ist einer von zwei Wachleuten, die an den beiden Enden des Markts an entsprechenden Absperrungen postiert wurden. „Wir weisen die Menschen darauf hin, dass ab hier Maske getragen werden muss, und die allermeisten reagieren sehr vernünftig.“ Fast alle hätten Masken dabei, und wer blank ist, dem hilft die Stadt, die kostenlos Masken zur Verfügung stellt. „Das empfinden die Bürger als tollen Service.“

Kein Markt ohne Maske: Darauf achtet Ralf Denner vom Freisinger Ordnungsamt. Wer keinen Schutz dabei hatte, erhielt einen von der Stadt.

Den einzigen unschönen Vorfall hat Denner mit einer Dame erlebt, die mit dem Taxi passieren wollte. „Sie hat gesagt, dass sie darauf besteht, mit dem Auto durchgelassen zu werden, weil sie zu hundert Prozent gehbehindert ist und außerdem den Oberbürgermeister persönlich kennt.“ Als man ihr angeboten habe, sie mit dem Rollstuhl zur gewünschten Adresse zu fahren, habe sich herausgestellt, dass sie gar keine Gehhilfe habe. Denner lacht: „So viel zur hundertprozentigen Gehbehinderung.“

Rathaussprecherin: „Für jedes Problem werden wir eine Lösung finden“

Adrian Gewald vom Ordnungsamt sieht hier einen Punkt, wo man bei der Organisation noch nachjustieren könne. „Wir müssen die Autofahrer an den beiden Enden des Markts vielleicht noch deutlicher auf die Verkehrssituation hinweisen.“ Generell, so betonte Rathaussprecherin Christl Steinhart, werde man für jedes Problem eine Lösung finden. „Es ist ein Unterschied, ob ich etwas am Grünen Tisch plane, oder ob es in der Realität stattfindet.“

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