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Viele Flüchtlinge werden wohl auf Dauer in den Asylunterkünften bleiben müssen.

Asylsuchende

Wohnungsnot: Kaum Perspektiven für anerkannte Flüchtlinge

Wenn Landrat Josef Hauner auf das Jahr 2017 zurückblickt, dann gibt es ein Thema, das ihn besonders beschäftigt hat und beschäftigt. Und das ihn und seine Mitarbeiter auch 2018 mit Sicherheit beschäftigen wird: die Asylsuchenden. Beim Jahresabschlussgespräch gestern präsentierte Hauner nicht nur die aktuellen Zahlen, sondern verteidigte und begründete auch das Verhalten seiner Behörde in Sachen Arbeits- und Ausbildungserlaubnisse sowie bei den Abschiebungen.

Freising– Rund 2000 Flüchtlinge sind derzeit in 73 dezentralen und vier Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis untergebracht, berichtete Hauner. 745 davon genießen inzwischen Bleiberecht, müssten aber weiterhin in den Asylunterkünften verbleiben, „weil sie keine Wohnung finden“. Bisher habe man von Seiten des Landratsamtes 14 Wohnungen für ungefähr 40 Bleibeberechtigte vermitteln können, befinde sich mit weiteren potenziellen Vermietern im Gespräch, schilderte der Landrat.

Wenn alle Verhandlungen erfolgreich verlaufen, könnten dann weitere 50 anerkannte Flüchtlinge ein Dach über dem Kopf finden. Rund 500 Flüchtlinge seien unter 18 Jahre, weitere 1300 im Alter zwischen 18 und 40, so eine weitere Statistik.

Zu zwei Vorwürfen, die er im vergangenen Jahr immer wieder gehört habe, nahm Hauner gestern nochmals explizit Stellung: zu Vorwurf eins, das Landratsamt Freising sei bei der Erteilung von Arbeits- und Ausbildungserlaubnisse besonders rigoros, und zu Vorwurf zwei, auch bei Abschiebungen sei da ein hartes Vorgehen zu beobachten. Hauner betonte, allein 1200 Flüchtlinge stammten aus Nigeria, Afghanistan und Pakistan – also aus Ländern mit einer sehr geringen Anerkennungsquote. Und das sei der wesentliche Grund, wenn man keine Arbeitserlaubnisse erteilen dürfe. Außerdem habe das Landratsamt im Jahr 2017 immerhin 131 Arbeits- und 35 Ausbildungserlaubnisse ausgestellt.

Und zu den Abschiebungen: In 2017 seien bisher sechs Flüchtlinge, die im Landkreis untergebracht waren, wieder abgeschoben worden – zwei in den Kosovo, und jeweils einer nach Ungarn, Nigeria, Ghana und Georgien. 33 Asylbewerber seien freiwillig wieder ausgereist, 182 weitere entweder weggezogen oder „einfach nicht mehr da“, wie es Hauner formulierte.

Auch wenn das Thema nicht mehr so im Fokus der Öffentlichkeit stehe, sei die Aufgabe, anerkannte Flüchtlinge in regulären Wohnungen unterzubringen, jetzt das schwierige Unterfangen, blickte Hauner voraus. Mit Sorgenfalten auf der Stirn würde er einem Familiennachzug entgegensehen. Immerhin habe nun die Staatsregierung mit einer neuen Beratungs- und Integrationsrichtlinie (BIR) reagiert: Künftig werden Asylsozialberatung und Migrationsberatung zusammengelegt. Der Landkreis Freising erhält dafür 470 000 Euro pro Jahr – was 10,4 Stellen entspricht.

Die Mitarbeiter des Landratsamtes werden die Menschen beim Übergang vom Asylbewerber zum Bleibeberechtigten beraten und bei der Vermittlung von Wohnraum helfen, die Wohlfahrtsverbände – also Caritas und Diakonie – sind für Asylsozial- und Migrationsberatung zuständig. Ab 1. Januar 2018 wird das im Landkreis Freising so geregelt sein.

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