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Einblicke in ihr Seelenleben gewährten Wolfgang Kiechle (l.) und Rupert Widmann der Moderatorin Sabine Slawik auf der „blauen Couch“. 

Brisantes Thema Ruhestand

„Wer bin ich dann noch?“

In den Ruhestand zu gehen, ist ein einschneidender Moment. Und deshalb will das Bildungszentrum Kardinal-Döpfner-Haus das Thema aufs Tableau bringen und Raum für Austausch schaffen. „Es ist wichtig, solche Übergänge zu begleiten“, weiß Projektleiterin Sabine Slawik. Deshalb gibt es eine Reihe von Veranstaltungen rund um den Ruhestand – und Gespräche „Auf der blauen Couch“. Diesmal saßen auf dem Sofa in Junker‘s Cafè-Rösterei: der Hauptamtsleiter der Stadt Freising, Rupert Widmann, und Wolfgang Kiechle, ehemaliger Dommusikdirektor.

Freising– Der hat den Schritt bereits hinter sich – und ist seit etwa eineinhalb Jahren nicht mehr im Beruf. Dass damit viele Veränderungen einhergingen, gab der Musiker unumwunden zu. „Ja, es fallen viele Dinge weg“, sagte er. Als positiv habe er zum Beispiel empfunden, keinem Leistungs- und Zeitdruck mehr ausgesetzt zu sein. Schwerer dagegen fiel ihm der Abschied von Kollegen und Ensembles, die er leitete. Aber er habe das Glück gehabt, einen „gleitenden Übergang“ erleben zu dürfen, denn ab seinem offiziellen Ruhestand im Mai 2017 habe er noch bis August des gleichen Jahres die Nachfolge organisiert und gestaltet. So habe er sich nach und nach an den neuen Lebensabschnitt herantasten können. Er sei mit einem weinenden und einem lachenden Auge gegangen. „Mir geht es psychisch sehr gut damit“, sagte er überzeugt. Sicher hilft ihm dabei auch die Tatsache, dass er sein Leben lang Musiker sein wird. Daran ändere auch ein Datum nichts. Und so hat er weiterhin einen Lehrauftrag an der Musikhochschule und ist noch immer Orgelsachverständiger. Da habe er einen vielen anderen Ruheständlern gegenüber einen Vorteil.

Hauptamtsleiter Rupert Widmann hat noch ein paar Jahre bis zur Pensionierung. „Sie sind schuld, dass ich mich damit jetzt auseinandersetze“, sagte er lachend zu Sabine Slawik, die den Abend moderierte. Und er gestand frei heraus, dass ihm das Thema zu schaffen mache. „Ich habe mich mit dem Thema bisher immer nur in Bezug auf andere beschäftigt und ich kann mir in keinster Weise vorstellen, aus dem Dienst auszuscheiden“, sagte er. Vor allem die Frage „Wer bin ich dann noch?“ die Sabine Slawik in den Raum stellte, beschäftigt Widmann sehr. „Das ist für mich tatsächlich ein Riesenproblem“, gab er zu. „Ich definiere mich stark über meine Tätigkeit und identifiziere mich sehr mit der Stadt Freising“, gab der Hauptamtsleiter Einblick in sein Seelenleben. Die Einladung auf die „blaue Couch“ habe bei ihm einen Denkprozess in Gang gesetzt. „Wahrscheinlich passiert das auch im Unterbewusstsein“, sagte Widmann. Pläne gebe es genug, etwa das Projekt Hausbau.

Kiechle machte ihm und allen anderen, denen der Schritt bevorsteht, Mut: So schlimm sei es gar nicht, aber eben anders. „Ich denke, das hat etwas mit Dankbarkeit zu tun“, sagte er. Denn die empfinde er, wenn er auf seine 40 Dienstjahre zurückblicke. Und so durften die Zuhörer an diesem Abend tief blicken, erlebten zwei gestandene Männer, die Emotionen zeigten und das oft schwierige Thema „Ruhestand“ auch mit einer Portion Humor betrachten konnten.

Wer sich auch mit dem Thema befassen möchte (oder muss), hat im Januar und im Februar bei einer fünfteiligen Filmreihe dazu Gelegenheit. Geladen sind auch dann wieder Gäste, die spannendes zu erzählen haben. Infos zu Filmen und Seminaren: www.bildungszentrum-frei sing.de.

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