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Der persönliche Kontakt zur indischen Bevölkerung - hier zu einer jungen Mutter und deren Kind - war Monika Althaus während ihres  

Die Freisingerin Monika Althaus und ihre Reise nach Indien

„Geben aus purer Freude macht unendlich reich“

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Sie hat ihr Leben auf neue Schienen gestellt: Monika Althaus (52) aus Freising. Nach einer schweren Phase hat die studierte Musikerin und Yoga-Lehrerin einen inneren Neuanfang gewagt: Um Urlaub vom ständigen „Besser, Schneller, Mehr“ zu nehmen, führte sie ihr Weg Anfang August nach Indien.

Freising – „Immer noch bin ich überwältigt von all den Eindrücken, die ich in diesem Land gesammelt habe. Ich fühle mich reich beschenkt.“ Monika Althaus, geboren in Freising und nach knapp 20 Jahren in Nandlstadt wieder in der Domstadt daheim, hat drei schwere Jahre hinter sich. „Da bin ich persönlich an meine Grenzen gestoßen. Alle sogenannten Sicherheiten wie Haus, Heimat, Finanzen, geregeltes Einkommen waren plötzlich einfach weg.“ Jetzt, nachdem die dunkle Zeit überwunden ist, blickt sie mutig nach vorne und reiste nach Indien: „Nach Innen, zurück zu den Wurzeln“, wie sie sagt. Die studierte Musikerin (Klavier, Gitarre und Violine am Richard-Strauss-Konservatorium in München), kreative Tänzerin und Musikpädagogin, machte den Yoga schon im Alter von 16 Jahren zu einem festen Bestandteil ihres Lebens.

Nach intensiven Ausbildungen in Deutschland, der Schweiz und den USA, gibt sie heute Kurse für jedes Alter und jede Befindlichkeit. „Yoga ist keine Religion, als solche er mittlerweile missbraucht wird. Er ist aber im lateinischen Sinn eine re-ligio, eine Rückverbindung zur Natur, zum ureigensten Wesenskern, zu dem, was uns im Innersten alle zusammenhält. Yoga ist ein Instrument, mithilfe dessen die Einheit von Körper, Seele und Geist gelingen kann, eine Reise zum Selbst, letztendlich zu Gott.“

Als der Entschluss zu einer Neuausrichtung ihres Lebens gereift war, war für Monika Althaus bald klar: „Ich muss wieder nach Indien. Neue Impulse sammeln, soziale Kontakte knüpfen.“ Warum gerade das ferne Indien? Nun, den Süden des riesigen Landes hatte die Yoga-Lehrerin schon 2006 bei einer Yoga-Ausbildungsreise kennen- und liebengelernt. Diesmal half ihre Yoga-Mentorin Anna Trökes aus Berlin dabei, eine Anlaufstelle im Landesinneren zu finden.

Schnell entschlossen packte Monika Althaus im August das Nötigste zusammen und landete in Anantapur, einer Kommune mit rund 270 000 Einwohnern, situiert zwischen den Großstädten Hyderabad im Norden und Bangalore im Süden. Untergebracht war sie im Haus eines ehemaligen Regierungsbeamten. Althaus: „Dazu muss man wissen: Politik in Indien lebt von unfassbarer Korruption. Die Machthabenden stecken immense Summen in die eigene Tasche. Geld für soziale Hilfsorganisationen fließt nur über privates Engagement.“

Ihr Gastvater, der mit seiner neunköpfigen Familie in großer Bescheidenheit lebt, lehnte aber als bekennender Christ jegliches Bestechungsgeld ab: „Er stellte den größten Teil seines Einkommens bis auf das Allernötigste für den Eigenbedarf der Gemeinschaft zur Verfügung. Einer Tür-an-Tür-Gemeinschaft von Hindus, Moslems, Christen, Sikhs. Das hat mich zutiefst beeindruckt.“

Mit zwei Söhnen der Gastfamilie, zog Monika Althaus dann los: zu den Kranken, den Ärmsten und Bedürftigsten in Anantapur. Ihre Stationen: Ein Waisenhaus für gehörlose Kinder, ein Leprakrankenhaus, ein Auffanglager für blinde, misshandelte Frauen, eine Näherei für Frauen aus schlimmsten Slumregionen.

Was geschah nun dort? „Ich habe versucht, mich auf die jeweilige Situation einzustellen. Wir haben miteinander gesungen, getanzt oder uns schlicht an den Händen gehalten, uns umarmt.“ Eine Episode berührt Monika Althaus noch heute: „Im Kinderkrankenhaus sangen wir zusammen Hänschen-Klein. Am Ende gab’s begeistertes Lächeln, die Kinder klatschten mit und hatten einen ganz besonderen Glanz des Glücks in den Augen, obwohl viele dem Tod geweiht waren.“

Wieder zurück in der Domstadt, blieben der Yoga-Lehrerin die „innigen Kontakte zu wahrhaft großherzigen Menschen“ und echte Freundschaften im Ursprungsland des Yoga. Und es blieb die Erkenntnis: „Geben aus purer Freude, ohne Erwartungen, macht unendlich reich.“ Sie wünsche sich für ihre Heimat Deutschland „eine Rückbesinnung auf Werte wie Geduld, Demut, weise Gesprächskultur und ein Miteinander“.

Althaus abschließend: „Mein Entschluss steht. Ich will mich für die Gesellschaft einbringen. Ein Verein mit Namen ,SING dich FREI‘ ist in Gründung, und für Yoga habe ich jeden Donnerstagabend Raum in der Hebammenpraxis Silke Ammer am Freisinger Marienplatz sowie montags im Nandlstädter Naturgarten Schönegge gefunden. Alles Weitere wird sich finden. Denn wenn ich eines aus Indien mitgebracht habe, dann ist das Gelassenheit und Gottvertrauen.“

Wolfgang Schnetz

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