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Gebannt lauchten die Kinder dem Erzähler Rudolf Goerge – und den wunderbaren Stimmen aus der Zauberflöte. 

Die Zauberflöte als Schattenspiel

Das hätte auchMozart verzaubert

Eigentlich ist es eine ganz moderne Geschichte: Als Wolfgang Amadeus Mozart Ende des 18. Jahrhunderts die Zauberflöte komponierte, gab es zwar noch keine Partnerbörse im Internet, in der man sich über ein Bild verlieben konnte. Prinz Tamino verfällt allerdings trotzdem der Schönheit eines Bildes und will nur noch eines: die bezaubernde Pamina finden. In der Reihe „Klassik für Kinder“ lud die Musikschule Freising am Samstag Abend zu einer ganz besonderen Inszenierung der bekannten Oper ein: „Die Zauberflöte“ als Schattenspiel.

Freising – „Ganz analog“, wie Musikschulleiter Martin Keeser eingangs betonte. Es war wie in einem gemütlichen Wohnzimmer, in dem der Großvater, in einem Ohrensessel sitzend, den Enkeln von früher erzählt. Rund 40 Kinder hatten sich dicht um den Stuhl gedrängt, in dem Rudolf Goerge von den guten und bösen Mächten erzählte, die in der Oper – ähnlich wie in einem Märchen – vorherrschen. Genauer gesagt geht es in der Oper um Macht. Die „Königin der Nacht“ will diese ganz für sich behaupten.

Es war ganz still im Pavillon der Musikschule, als sich der Vorhang hob und die Protagonisten des Abends auf die „Bühne“ traten. Allerdings nur als Schatten. Denn alles das, was sich in der Oper an Herzschmerz, Liebe und Rache ereignete, wurde eigentlich hinter der Bühne aufgeführt: Friederike Eglhuber und Ingrid Lupp bewegten die schönen Schattenfiguren, die die Musik bebilderten. Fritz Hartranft und Winfried Goerge hatten die Figuren gefertigt. Die beiden bereits verstorbenen Künstler kamen so quasi posthum noch einmal zu Ehre.

Und dann legten die Solisten los. Tenor Berthold Schindler (Tamino, Monostratos) interpretierte die hinaus treibende Kraft einer aufkeimenden Liebe. Mit einer aufwärts strebenden Sexte beschreibt Mozart dieses Gefühl: „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“. Prinz Tamino soll nämlich im Auftrag der Königin der Nacht (Beate Hariades, Sopran), deren Tochter Pamina (Alexandra Simons, Sopran) retten, die im Palast des Priester Sarastro (Bernhard Spingler, Bass) gefangen gehalten wird. Wundervoll, wie Beate Hariades die extremen Spitzentöne schaffte, die Mozart in die Figur der Königin der Nacht eingearbeitet hat. Die bekannte Koloraturstelle der Arie mit dem hohen „F“ ist übrigens ohne Text. Wer denkt da noch an Worte, wenn man vor Wut überschäumt? Eine ganz besonders witzige Idee wurde hierzu im Schattenspiel umgesetzt. Einen sprichwörtlich „langen Hals“ bekam die Königin der Nacht verpasst. Die Kinder kicherten, als der Hals der Schattenfigur immer länger wurde: je nach Stimmlage. Ganz witzig wurde auch diejenige Stelle in der Oper bebildert, in der der gefiederte Vogelfänger Papageno (Bernhard Spingler, Bass) endlich seine Papagena (Alexandra Simons, Sopran) in die Arme schließen darf. Wie vom Himmel herunter fallen die vielen kleinen „Papagenos“ und „Papagenas“. Sandra Nahabian übernahm die Alt-Stimme. Am Klavier, Glockenspiel, und Flöte glänzten Birgit Brennich und Thomas Noichl.

Die Idee und Konzeption der beeindruckenden Inszenierung stammten von Friederike und Christoph Eglhuber. Letzterer hatte auch die musikalische Einstudierung übernommen. maria Martin

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