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Energiewende ist kein Selbstläufer – da sind sich Moritz Strey, Albrecht Gradmann (beide Energiewendebeauftragte am Landratsamt Freising), Landrat Josef Hauner und Umweltökonomin Claudia Kemfert einig.

Festakt zum Jubiläum

Zehn Jahre nach dem Energiewende-Beschluss: „Die Zeit drängt“

Die Energiewende ist „kein Selbstläufer“. Das sagt Umweltökonomin Claudia Kemfert. Auch im Landkreis Freising nicht, wo man zehn Jahre nach dem Energiewendebeschluss bei einem Festakt feststellen musste, dass die Herausforderungen enorm sind.

Freising – Drei Landräte lang gibt es den Beschluss des Kreistags bereits, bis 2035 den Landkreis komplett auf erneuerbare Energien umzustellen. Beim Strom, so stellte der amtierende Landrat Josef Hauner am Mittwochabend bei einem Festakt anlässliche des 10. Geburtstages des Beschlusses klar, sei man schon sehr weit: Immerhin 71 Prozent des im Landkreis verbrauchten Stroms stammen aus erneuerbaren Energien (2008 waren es 51 Prozent). Die Bereiche, bei denen es noch großer Anstrengungen bedürfe und wo noch viel zu tun sei, seien Wärme und Verkehr, wusste Hauner. Vor allem: „Die Zeit drängt.“ Aber man werde „mit Optimismus“ an die Aufgabe herangehen. Und man werde sich einen Plan zurechtlegen, wie man weitermachen wolle, um das Ziel der Energiewende bis 2035 zu erreichen – Applaus im rappelvollen Sitzungssaal.

Und viel Applaus erntete auch Claudia Kemfert. Genauer: Professor Claudia Kemfert. Die wohl bekannteste Umweltökonomin Deutschlands war bei schönstem Photovoltaikwetter nicht nur nach Freising gekommen, um den Landkreis für den Energiewendebeschluss zu loben, sondern auch, um zu motivieren. Denn: Zwar werde sich global die Energiewende langfristig nicht aufhalten lassen, betonte Kemfert. Aber man müsse „aufpassen und dafür kämpfen“. Denn: „Das fossile Imperium schlägt zurück.“ Konzerne und Lobbyisten, denen es gar nicht passe, dass bereits jetzt mehr Geld in die erneuerbaren Energien als in fossile Energienutzung fließe, versuchten derzeit alles, das „Friedensprojekt“ Energiewende zu verhindern.

Deutschland, das im Übrigen mit seinem Beschluss zur Energiewende wesentlich zum globalen Umdenken beigetragen habe, besitze einen „Klimafahrplan“. Den umzusetzen, die Sektorenziele zu erreichen, das sei Aufgabe der kommenden und der folgenden Bundesregierungen. Nach dem Atomausstieg müsse der Kohleausstieg folgen, forderte die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Man müsse weg vom alten Geschäftsmodell behäbiger Kohle- und Atomkraftwerke. Das Modell der Zukunft – mit PV-, Solar- und Windkraftanlagen – sei „dezentral, flexibler und intelligenter“.

Und um die berühmte „Dunkelflaute“ – also die zwei Wochen pro Jahr, in denen die Sonne nicht scheine und der Wind nicht wehe – zu überbrücken, eigneten sich schwerfällige Kohlekraftwerke sicher nicht. Da gebe es bessere Lösungen – intelligent gekoppelte Energieträger, virtuelle Kraftwerke, dezentrale Speicher. Und: „Wir schwimmen im Strom.“

Bevor man die Ausstellung zu 10 Jahre Energiewendebeschluss im Kreuzgang des Landratsamtes eröffnete, schilderte Kemfert für Deutschland dasselbe Problem, das auch der Landkreis hat: In den Bereichen Mobilität und Gebäudeenergie sei noch viel zu tun. Sehr viel.

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