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Kippen vor den Bars und Lärm bis spät in die Nacht: Die Schattenseiten des Rauchverbots.

Zehn Jahre Rauchverbot

Selbst die Raucher atmen auf

Zehn Jahre Rauchverbot: Mittlerweile ist es kaum mehr vorstellbar, dass in Gaststätten, Restaurants, Kneipen oder Bars geraucht wird. In den Lokalen des Landkreises zieht man nach einer Dekade Bilanz – und nicht alle sind begeistert.

Landkreis – Das Rauchverbot in Gaststätten gibt es in Bayern nun seit zehn Jahren. Am 1. Januar 2008 trat das neue Gesetz in Kraft: „Ich finde das Rauchverbot in Gaststätten nach wie vor super, da ich als Bedienung nicht mehr wie damals durch das Passivrauchen gestört werde“, erklärt Cornelia Fuchs (36) von der Q-Bar in Freising. Sie glaubt, dass die Gesellschaft intoleranter gegenüber Rauchern geworden ist – und es mittlerweile unvorstellbar sei, dass man im Restaurant isst und am Nachbartisch „einer qualmt. Ich fände das extrem unangenehm und störend“, sagt Fuchs. Sie hat nicht den Eindruck, dass Raucher deshalb öfter zuhuase bleiben. Eher sei es so, dass Nicht-Raucher sich nicht mehr gestört fühlen und seitdem öfters abends weggehen.

Karlheinz Schober, Inhaber der Lounge 27 an der Erdinger Straße in Lerchenfeld, hat aber schon festgestellt, dass sich seine Kundschaftverändert hat. „Einige Raucher blieben weg, andere, die die rauchfreie Atmosphäre schätzen, kamen neu ins Lokal. Das hielt sich in den vergangenen zehn Jahren die Waage.“ Was allerdings spürbar mehr geworden sei, seien die Beschwerden der Anwohner und der daraus resultierende Ärger mit den Behörden – „wenn’s bei den Rauchern draußen vor der Tür mal lauter wird“. Und trotz aufgestellter Aschenbecher gibt es jeden Abend für die Putzfrau viel zu tun: „Die Kippen liegen überall vor dem Eingangsbereich rum. Das ist nicht kontrollierbar.“

Auch Rainer Grichtmaier (47) vom Jazzclub Hirsch in Moosburg hat nach der Einführung des Verbots immer mehr Beschwerden von Anwohnern bekommen. „Wir müssen uns seitdem an die Biergartenverordnung halten und nach 22 Uhr alles nach drinnen verlegen. Die Raucher dürfen danach auch ihr Bier nicht mehr mit raus nehmen. Aber damit müssen wir uns und sie sich jetzt halt arrangieren“, erklärt Grichtmaier. Abgesehen davon ist er aber froh über das Verbot. „Es ist das beste, was uns passieren konnte“, sagt er. Er empfand es damals zwar als Frechheit, dass das Land Bayern die Gastronomen dazu gezwungen hat und hätte, wenn er sich damals selbst entscheiden hätte können, es nicht eingeführt. Inzwischen ist er bekehrt: Sowohl geschäftlich als auch gesundheitlich sieht Grichtmaier nur Vorteile. „Es kommen schon deutlich mehr Gäste zu uns in den Hirschen, und ich selbst habe fast komplett aufgehört zu Rauchen – dank des Rauchverbots“.

Dass nicht mehr passiv geraucht wird, freut auch Claudia Maisberger (47) vom Hotel Maisberger in Neufahrn. „Früher fand ich es unangenehm, wenn beim Essen jemand neben mir gequalmt hat – und gerade für Kinder ist das gesundheitlich ganz schlecht.“ Sie glaubt schon, „dass wir einige Raucher als Gäste verloren haben“ – und das, obwohl sie versucht, es den Rauchern draußen auch angenehm zu machen. Im Winter beispielsweise werden Heizpilze aufgestellt. Seit der Einführung kämen dafür aber viel öfter Familien mit ihren Kleinen. Ihrer Meinung nach hat sich das Rauchverbot in Deutschland gut eingebürgert. „Nur bei großen Feiern finde ich es schade, wenn man ständig in zwei Gruppen aufgeteilt ist, weil die Raucher immer raus müssen. Aber daran haben wir uns eigentlich auch schon gewöhnt.“

Steffen Irion (39), der sein Parkcafé in Freising erst seit sieben Jahren hat und somit die Raucher-Zeit nicht als Wirt erlebt hat, ist ebenfalls froh über das Gesetz. „Ich finde das Verbot auf jeden Fall sehr gut. Dass hier drinnen nicht alles verraucht ist, ist mir wichtig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Atmosphäre sonst so gut wäre.“ Privat war es ihm früher egal, wenn Leute neben ihm geraucht haben. Heute könnte er sich damit nicht mehr abfinden. „Ich finde auch nicht, dass man das Rauchen in Kneipen und Bars, in denen kein Essen serviert wird, wieder erlauben sollte. Es ist gut so, wie es ist“, erläutert Irion. Seine Mitarbeiterin Geraldine Gosterschitz (47) unterstützt Irion. Ohne Qualm sei das Arbeiten viel angenehmer: „Dabei bin ich selbst Raucherin“.

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