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Aufmarsch in der Innenstadt: Die Bevölkerung begrüßt in Freising stationierte Wehrmachtssoldaten, die im Juli 1940 von ihrem ersten Kriegseinsatz heimgekehrt sind.

Vor 80 Jahren

Die Angst kam später: Zeitzeuge aus Freising über den Beginn des 2. Weltkriegs

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Er ist einer der letzten Zeitzeugen aus Freising, die sich an den Beginn des Zweiten Weltkriegs erinnern können: Adi Huber (92) spricht über den Schrecken, der vor 80 Jahren hereinbrach. 

Freising – Die Nachricht vom Krieg platzt für Adi Huber in die beste Zeit des Jahres. Der Großvater des Freisingers bewirtschaftete einen großen Hof in Niederbayern. „Da habe ich meine Ferien vom ersten freien Tag an verbracht“, berichtet er. „Für mich war es das Allerhöchste.“

Doch der Sommer 1939 ist nicht so unbeschwert wie die Jahre zuvor. Schon im August schwört das nationalsozialistische Regime die deutsche Bevölkerung auf den geplanten Feldzug gegen Polen ein (siehe Artikel unten). Am 1. September erfährt der damals zwölfjährige Adi Huber von seinem Opa: Es ist Krieg. „Meine Großeltern hatten zwei Buben. Einer durfte daheim bleiben, der andere wurde sofort eingezogen“, erinnert sich Huber. „Schon in Polen wurde er schwer verletzt – Lungenschuss! An den Folgen ist er einige Jahre später gestorben.“

Kriegsbeginn: Die Euphorie weicht schnell der Ernüchterung

Huber ist einer der letzten Freisinger Zeitzeugen vom Beginn des Zweiten Weltkriegs. Was die Großeltern an jenem schicksalhaften 1. September gedacht haben, weiß der 92-Jährige nicht. „Die haben sich nichts anmerken lassen.“ Er selbst aber habe damals keine Angst verspürt. „Wir Jungen waren voller Euphorie“, räumt er ein. Genau das sei ihnen von den Nazis ja auch eingetrichtert worden. „Außer dem Volksempfänger hatten wir nichts, wo wir uns hätten informieren können.“

Zeitzeuge: Adi Huber (92) besitzt noch ein Bild von sich als Soldat. Er wurde mit 17 nach Frankreich und auf den Balkan geschickt.

Doch die Hochstimmung weicht schnell der Ernüchterung. „Ich habe schnell mitbekommen,, welche Angst die Leute in Freising jeden Tag vor dem Postboten hatten. Angst, dass er ihnen die Nachricht von dem Tod eines Angehörigen bringen könnte. Da fängst du an, anders zu denken.“ Und die schlechten Nachrichten bleiben nicht aus. „Viele Bekannte sind gefallen“, sagt Huber. 100 Buben seien auf die Volksschule gegangen, die er besucht habe. „Gut die Hälfte hat den Krieg nicht überlebt.“

Zeitzeuge: „Wenn doch der Scheißkrieg schon vorbei wäre!“

Huber selbst wird am 5. Januar 1944 eingezogen. Als Gebirgsjäger wird er, gerade mal 17 Jahre alt, zunächst nach Frankreich geschickt, später muss er auf den Balkan. Schon zuvor hat er den Schrecken des Kriegs hautnah zu spüren bekommen – bei Luftangriffen auf München, wo er als Lehrbub tätig war. „Doch erst an der Front habe ich gesehen, wie schlimm es wirklich ist.“ Die Wehrmacht war bereits auf dem Rückmarsch, die Soldaten demoralisiert. Neben ihm brachen Soldaten mit Schusswunden zusammen. „Da habe ich mir gewünscht: Wenn doch der Scheißkrieg nur schon vorbei wäre!“

Doch bis dahin ist es noch eine zermürbend lange Zeit. Auch Huber erleidet eine Verletzung und gerät im April 1945 in amerikanische Gefangenschaft. Ein Truck soll ihn und andere in ein Bergwerk nach Frankreich bringen. Huber glaubt, dass er das nicht überleben würde. Er entscheidet: „Ich springe ab.“ Er übersteht das waghalsige Manöver unverletzt und erreicht im August tatsächlich wohlbehalten Freising.

Keiner dachte, dass der Krieg so lange dauern würde

„Dass der Krieg so lange dauern würde, hat kein Mensch geglaubt“, betont Huber. Schon gar nicht nach dem schnellen Sieg über Polen. Erst als Hitler auch Frankreich angreifen ließ, habe sein Vater gesagt: Jetzt geht es bergab. „Doch im September 1939 hat jeder gedacht: An Weihnachten sind wieder alle Soldaten daheim.“

Das bewegt Freising noch: Hopfenbauern sind besorgt über grassierenden Schaderreger. Aus für die Arche Noah: Pfarrkindergarten in Langenbach muss schließen. Im Landkreis Freising ist die Hasenpest ausgebrochen - auch Hunde und Katzen sind gefährdet.

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