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Sie lernte schon früh, Verantwortung zu übernehmen: Schwester Gunifortis (101), die in Franken aufwuchs. 

Schwester Gunifortis lebt in St. Klara

Zeugin wechselvoller Zeitgeschichte: Freisinger Klosterschwester feiert 101. Geburtstag

Als sie geboren wurde, tobte noch der erste Weltkrieg: Am 25. November 1917 erblickte Schwester Gunifortis, die im Kloster St. Klara lebt, das Licht der Welt. Nun feiert sie ihren 101. Geburtstag - und kann viel erzählen.

Freising – Als sie geboren wurde, tobte noch der erste Weltkrieg: Am 25. November 1917 erblickte Schwester Gunifortis, die im Kloster St. Klara lebt, das Licht der Welt – eine Zeugin höchst wechselvoller, dramatischer deutscher Geschichte.

Sie ist viel herumgekommen, die Schwester vom Orden der Armen Schulschwestern. In Baiersdorf bei Erlangen geboren, wuchs sie in einer sehr großen Familie auf. „Ich hatte sechs Brüder und eine Schwester“, sagt sie. Von den insgesamt acht Geschwistern war sie eines der älteren – und lernte auf diese Weise schon früh, Verantwortung zu übernehmen. Die gesamte Familie von Anna Schnurrer, wie Schwester gunifortis bürgerlich hieß, ist sehr oft umgezogen, weil ihr Vater Gendarm war. Wurzeln schlagen konnte die kleine Anna mit ihrer Familie also nicht – es verschlug sie immer wieder in die verschiedensten Ecken Bayerns. Dazu gehörte auch ein häufiger Schulwechsel, unter anderem in Waldsassen, Hörlbach bei Hilpoldstein und Dinkelsbühl. Hier blieb die Familie am längsten. „In dieser Stadt bin ich aufgewachsen“, erzählt Schwester Gunifortis.

Ihre endgültige Heimat aber fand sie in den Armen der Kirche. Bereits in der siebten Klasse war für sie klar, dass sie zur Schwester berufen ist. In einem Münchner Internat der armen Schulschwestern wurde bestimmt, dass sie einmal Lehrerin werden sollte. Mit diesem Schritt legte sie ihren Namen ab und wurde offiziell zu Schwester Gunifortis.

Geburtstagsfeier im Kreis der Ordensschwestern

Ihr Lehramtsstudium begann sie 1932, doch als sie fünf Jahre später damit fertig war, konnte sie den Beruf erst einmal nicht ausüben. Im Dritten Reich waren Klöster verpönt, weshalb viele geistliche Frauen die als Lehrerinnen ausgebildet waren, aus dem Orden austreten mussten, um ihren Beruf ausüben zu können. Nach Kriegsbeginn arbeitete Schwester Gunifortis daher zunächst als Organistin – und erst nach Kriegsende wurde der Traum vom Lehrerberuf wahr. Ab 1952 war Gunifortis in Weichs bei Dachau Realschullehrerin und unterrichtete Geschichte, Deutsch und Kunsterziehung. Das Malen und Zeichnen war für sie ein Hobby, dass sie bis ins hohe Alter mit Leib und Seele betrieb.

Mit dem Ruhestand 1984 zog sie nach Bad Wurzach ins Kloster Maria Rosengarten, wo sie als Oberin die Leitung übernahm. Später siedelte die Ordensfrau ins Seniorenheim der Armen Schulschwestern nach Dinkelsbühl um – und seit der Schließung des Heims verbringt die geistig sehr fitte Schwester Gunifortis nun ihren Lebensabend im Kloster St. Klara in Freising.

Der 101. Geburtstag wird im Kreise der Ordensschwestern gefeiert. Ein Bruder der Jubilarin lebt noch in Rothenburg ob der Tauber, kann aber aus Altersgründen nicht zum Gratulieren kommen. Mit seinen 91 Jahren ist er im Vergleich zur „älteren Schwester“ freilich noch ein Jungspund.

Leyla Yildiz

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