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Sprachförderung ist ein wichtiger Schritt zu Integration. Doch das Landratsamt sieht es nicht als seine Aufgabe an, das zu fördern.

„Courage statt Rechtsaufsicht“

Zuschuss für Sprachförderung: Politiker ärgern sich über Landratsamt

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Der Jugendhilfeausschuss hat gegen den Willen des Landratsamtes einen Zuschuss für Sprachförderung genehmigt. Das Verhalten der Behörde empört zwei Lokalpolitiker.

Freising – Gegen den Willen der Verwaltung des Landratsamtes hat der Jugendhilfeausschuss einen Antrag der MibiKids genehmigt. Der Verein, der integrativ tätig ist, hatte um 16 500 Euro für die Sprachförderung von Migranten gebeten. Der Ausschuss stimmte, wie berichtet, mit 11:5 Stimmen dafür. 

Vize-Landrat Robert Scholz, der die Sitzung leitete, kündigte an, den Beschluss der Rechtsaufsicht vorzulegen. Er sei rechtswidrig, weil es sich dabei um eine „landkreisfremde“ Aufgabe handle. Das wiederum verärgerte die Landratskandidaten Herbert Bengler (SPD) und Tobias Weiskopf. Die beiden Konkurrenten im Wahlkampf gaben daher sogar eine gemeinsame Stellungnahme ab:

„Soziales Wohl ist Kernaufgabe des Landkreises“

„Die Mibikids machen herausragende Arbeit, die weit über die Sprachförderung hinaus geht. Denn Sprache ist eine zentrale Säule für gelungene Integration, und gerade deshalb sollte der Jugendhilfeausschuss das Engagement des Vereins auch unterstützen. Es ist zwar richtig, dass Sprachförderung keine Kernaufgabe des Landkreises ist, allerdings sind in Artikel 51 der Bayerischen Landkreisordnung klar die Aufgaben des eigenen Wirkungskreises festgelegt, und da wird das soziale Wohl der Einwohner genannt. Bei der Integration mit Sprachförderung bei Kindern und Jugendlichen anzusetzen, ist deshalb genau der richtige Weg, um das soziale Wohl aller auch zu erreichen.

Herbert Bengler, SPD-Landkreiskandidat.

In der Jugendhilfeausschusssitzung haben wir gesehen, wie viel teurer notwendige Maßnahmen sind, wenn die präventiven Angebote nicht ausgereicht haben. Noch dazu sind die 16 500 Euro für den Haushalt des Landkreises ein Klacks, für den Verein allerdings eine große Geldspritze, die die Fortsetzung der so essenziellen Arbeit garantiert.

„Es braucht keine Rechtsaufsicht, sondern Courage“

Die Mibikids erreichen an ihren fünf Standorten Kinder und Jugendliche in 14 Gemeinden und damit gemeindeübergreifend fast im gesamten Landkreis. Sie schaffen noch dazu einen ganz anderen Zugang zu den Familien und erklären beispielsweise Kindern und Eltern das komplizierte deutsche Schulsystem. Bildung ist schließlich die beste Zukunftsinvestition. Wer aber an der Sprachhürde scheitert, wird sich nur schwer durch das System schlagen können und mit gleichen Hürden ins Berufsleben starten.

Tobias Weiskopf, FDP-Landratskandidat.

Wir finden, es braucht keine Rechtsaufsicht, sondern Courage. Der Jugendhilfeausschuss kann freiwillige Maßnahmen wie diese bewilligen und hat sein Votum in der letzten Sitzung auch klar gemacht. Wir können die Blockadehaltung von Landrat Josef Hauner und Vize-Landrat Robert Scholz daher nicht nachvollziehen und fordern, den Zuschuss einfach auszuschütten.“

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