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Forderung des Besitzers zu hoch für Stadt

Abseits-Verein geschockt: Der Kauf des Kneipen-Areals ist geplatzt

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Bittere Nachricht für Fans der Freisinger Kult-Kneipe: Der Kauf des Abseits-Areals hat sich für die Stadt zerschlagen. Der Besitzer des Geländes verlangt zu viel.

Freising – Es war der wohl schwerste Auftritt, den der Abseits-Chor in seiner noch jungen Geschichte hinlegen musste. Am Donnerstagabend hatten sich die Sängerinnen und Sänger vor dem Freisinger Rathaus aufgestellt zu einem – zumindest für sie – traurigen Anlass. „Dont’t stop me now“, intonierten sie und ahnten doch, dass die Reise vorbei ist. Denn auch Queen konnte den Grafen offenbar nicht umstimmen.

Bereits im Vorfeld hatten die Vertreter des Abseits-Vereins läuten hören, dass sich der Kauf des Areals, auf dem die seit mehr als vier Jahren geschlossene Kultkneipe steht, für die Stadt zerschlagen hat. Ein Gerücht, das sich kurz darauf im Sitzungssaal, in dem der Stadtrat tagte, bestätigte. Die Vorgeschichte: Seit Jahren kämpft der Abseits-Verein darum, in der ehemaligen Kneipe ein Kulturzentrum zu realisieren. Dazu aber hätte die Stadt das Areal von Besitzer Graf Guy von Moy erwerben müssen.

Forderung des Grafen übersteigt Budget der Stadt

„Wir haben alles versucht, was möglich war“, sagte Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher dem Freisinger Tagblatt. „Aber am Ende wurde ein Preis aufgerufen, der kommunalrechtlich nicht mehr vertretbar war.“ FT-Recherchen zufolge hatte die Stadt dem Grafen 1,8 Millionen Euro geboten, Dass das Angebot 700.000 Euro über dem im bestehenden Wertgutachten angezeigten Preis liegt, zeigt, dass es der Kommune mit dem Kauf des Areals ernst war. Doch der Graf forderte in etwa 2,4 Millionen Euro.

OB Tobias Eschenbacher wollte die Zahlen zwar nicht bestätigen, widersprach ihnen aber auch nicht. „Wir haben uns kommunalrechtlich so weit gestreckt, wie es gerade noch vertretbar war, aber es hat für einen Geschäftsabschluss einfach nicht gereicht.“

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„Wie Cäsar in der Loge, der den Daumen gesenkt hat“

Norbert Bürger, Vorsitzender des Abseits-Vereins, war von der Entwicklung sichtlich getroffen. „Der Schock sitzt tief“, sagte er unserer Zeitung. Vier Jahre lang hätten viele Gleichgesinnte ehrenamtlich darum gekämpft, ein Kulturangebot für die Stadt zu realisieren. „Am Ende fühlst du dich wie ein Gladiator in der Arena, und oben thront Cäsar in der Loge und hat die Macht, den Daumen zu heben oder zu senken. Dass er ihn gesenkt hat, ist für uns ganz bitter.“

„Bye, bye, Miss American Pie“: Der Abseitschor stimmt vor dem Freisinger Rathaus einen Abgesang auf das Abseits an.

Der Graf hat indes schon neue Pläne: „Das denkmalgeschützte Gebäude wird saniert. Die dahinter liegenden, nicht denkmalgeschützten Gebäude werden abgerissen, entsprechend der schönen Wohnlage in Neustift werden darauf Wohnungen errichtet.“ Kontakt mit Architekten und Planern habe er schon aufgenommen. 

Sein langes Warten auf einen Deal mit der Stadt bedauert der Graf inzwischen. „Ich finde es sehr schade, so viel Zeit verloren zu haben“, betonte er. „Es könnten längst 12 bis 15 Familien dort wohnen.“ Seit dem Sommer 2015 seien die Baukosten um 30 bis 40 Prozent gestiegen. „Dies werden die künftigen Mieter tragen müssen.“

„Bye, bye Miss American Pie“ sang der Abseits-Chor am Donnerstag unten am Rathaus. Die Stadträte oben hörten den Abgesang. Der OB, der selbst leidenschaftlich gerne singt, den Musik berührt sagt: „Für mich war das ein sehr trauriger Moment.“

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