Nachgefragt bei Michi Kasper

Freisinger Agenturchef sucht nur Mamas: „Niemand hat Mütter auf dem Schirm“

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Deutschlandweit hat der Freisinger Michi Kasper (42) für Aufsehen gesorgt. Für seine Werbeagentur suchte er in einer Stellenanzeige via Facebook Mitarbeiter – und zwar ausschließlich Mamas – und löste dabei eine Lawine meist positiver Reaktionen aus. Über 100 Bewerbungen sind bei Kasper inzwischen eingegangen.

Der Freisinger Agenturchef Michi Kasper sucht für seine Firma Mütter, die Teilzeit arbeiten. Warum? Wir haben nachgefragt.

Warum eigentlich Mamas?

Michi Kasper: Bei uns in der Gegend herrscht faktisch Vollbeschäftigung. Da habe ich nachgedacht: Wer ist super qualifiziert und sitzt nur zuhause rum, weil sie niemand einstellen will? Mütter und Menschen, die über 55 Jahre alt sind. Es kann doch nicht sein, dass es in einem Ort, in dem Vollbeschäftigung herrscht, nichts zu tun gibt. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass Mütter viel leisten können.

Die Kampagne hat hohe Wellen geschlagen – obwohl Sie eigentlich gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gehandelt haben.

Kasper: Zunächst einmal habe ich bewusst gegen das AGG gehandelt, weil es unfair ist, dass niemand Mütter auf dem Schirm hat. Die Zustimmung überwiegt deutlich. Das waren sicher über 98 Prozent. Da haben sich so viele Menschen gemeldet, die es super finden, dass sich jemand für die Mütter einsetzt. Das waren nicht nur Bewerbungen – da sind oft auch einfach nur nette Worte eingetroffen. Was ich da losgetreten habe! Ich muss jetzt sehen, wie ich damit weiter umgehe.

Das AGG soll grundsätzlich dafür sorgen, dass niemand aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Religion oder ähnlichem benachteiligt wird. Glauben Sie, dass es in der Praxis tatsächlich hilft?

Kasper: Ein Gesetz ist ja ganz nett, aber die Problematik wird es nicht lösen. Genauso wenig wie Quoten, bevorzugte Einstellungen oder ähnliches. Der Vermerk „Frauen werden bevorzugt eingestellt“ hört sich in Ausschreibungen schön und gut an, aber das klingt so, als ob es ein Makel sei, eine Frau zu sein. Viel wichtiger und fairer wäre doch, wenn man bei Bewerbungen nicht nach Mann oder Frau suchen würde, sondern nach Typen und Charakteren. Darum geht es mir. Der Gedanke an sich ist beim AGG sicherlich richtig – aber faktisch stellt niemand jemanden ein, den er nicht will.

Geraten Qualifikationen dann nicht in den Hintergrund?

Agenturchef Michi Kasper.

Kasper: Wenn jemand ein bisschen Köpfchen hat, fleißig ist und etwas tun will, ist mir das wichtiger, als jemand, der ein Top-Arbeitszeugnis vorweisen kann. Wobei man da oft eh nicht weiß, wie viel das wert ist. . .

Sie bieten in Ihrer Firma flexible Arbeitszeiten an. Findet man so leichter Personal?

Kasper: Natürlich macht es das einfacher. Trotzdem muss die Arbeit aber gemacht werden. Allerdings können große Unternehmen das grundsätzlich leichter anbieten wie kleine Firmen wie meine.

Nachdem Ihre Stellenanzeige ordentlich Staub aufgewirbelt hat – wie geht es jetzt weiter?

Kasper: Es ist wichtig, dass das Thema „Gleichberechtigung am Arbeitsplatz“ weiter diskutiert wird. Offenbar gab es noch niemanden, der speziell nach Müttern gesucht hat. Eines weiß ich allerdings sicher: Wenn ich den Aufruf noch einmal starten könnte, würde ich meine Handynummer nicht mit reinschreiben.

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