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Freisinger Bahnhofsschreck landet in Psychiatrie

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© dpa

Der Wandel des 58-jährigen Gelegenheitsarbeiters aus Freising, der als „Schreck vom Bahnhofsvorplatz“ für Schlagzeilen gesorgt hatte, in einen schuld- und therapieeinsichtigen Angeklagten war für alle Prozessbeteiligten frappierend.

Freising/Landshut – Trotz der bereits erfolgten therapeutischen Fortschritte ordnete die Strafkammer des Landgerichts Landshut seine endgültige Unterbringung in einer Psychiatrie an, da er derzeit noch eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle.

Wie zum Prozessauftakt berichtet, wurden dem Gelegenheitsarbeiter, der seit August vergangenen Jahres vorläufig im Isar-Amper-Klinikum untergebracht war, anhand von fünf Anklageschriften eine entsprechende Anzahl von „Ausrastern“ vor allem in dem am Bahnhofsvorplatz „angesiedelten“ Alki-Milieu vorgeworfen.

Nach der sich über zwei Tage hinziehenden Verhandlung gab sein Verteidiger Frank Löser sein Statement ab. Er berichtete, dass er seinen Mandanten seit Jahrzehnten kenne: Gegen ihn seien in der Vergangenheit schon an die 30 Ermittlungsverfahren gelaufen, meistens aber wegen seiner Schuldunfähigkeit eingestellt worden. Seit 2004 sei er im Trinker-Milieu am Bahnhof verkehrt und seitdem habe es Zoff gegeben. Zunächst sei noch alles überschaubar gewesen, zuletzt hätten die Vorfälle – immer verbunden mit Alkoholkonsum – aber drastisch zugenommen, wobei der 58-Jährige auch provoziert worden sei. Er habe auch euphorische Phasen seines Mandanten mitbekommen, so der Anwalt. Da habe er sich beispielsweise als Polizist oder Detektiv, sogar als Duzfreund des Bürgermeisters und des Landrats ausgegeben. „So wie jetzt vor der Kammer habe ich ihn noch nicht erlebt, in früheren Jahren ist er Richter und Staatsanwälte angegangen, hat sich gegen eine Therapie gesperrt. Jetzt sieht er ein, dass es der einzig richtige Weg ist“, so der Verteidiger. Der psychiatrische Sachverständige Dr. Franz-Xaver Obermaier berichtete, dass es in Gutachten in der Vergangenheit bereits die verschiedensten Beurteilungen, angefangen von einer kombinierten Persönlichkeitsstörung bis hin zu paranoider Schizophrenie, gegeben habe.

Am Schluss herrschte bei allen Beteiligten Einigkeit: Die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung sei anzuordnen, da nach der Gefährlichkeitsprognose des Sachverständigen mit weiteren Gewaltstraftaten zu rechnen und er für die Allgemeinheit gefährlich sei.

Walter Schöttl

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