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Erinnerungen an einen Mutigen auf dem Freisinger Domberg: Das war Prälat Michael Höck

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Das Leben und Wirken von Michael Höck beleuchteten (v. l.) Oberstudiendirektor i. R. Hans Niedermayer, Oberstudiendirektor Manfred Röder und Sebastian Grießl.
Das Leben und Wirken von Michael Höck beleuchteten (v. l.) Oberstudiendirektor i. R. Hans Niedermayer, Oberstudiendirektor Manfred Röder und Sebastian Grießl. © Lehmann

Zum Auftakt der Reihe „Dialoge am Dom“ gab es Einsichten in das Leben von Prälat Michael Höck. Und es gab seltene Filmausschnitte zu sehen.

Freising – Die Idee, mit „Dialoge am Dom“ ein Forum am Dom-Gymnasium zu etablieren, das sich mit aktuellen gesellschaftlichen und zeitgeschichtlichen Fragestellungen, aber auch zu bildungspolitischen und schulgeschichtlichen Themen beschäftigt, sei laut Oberstudiendirektor Manfred Röder eigentlich lange vor der Pandemie herangereift gewesen.

Der Auftakt

Am Dienstag konnte nun endlich die Auftakt-Veranstaltung über die Bühne gehen – und zwar mit einem Thema, das für den Start der neuen Dialog-Reihe nicht besser hätte gewählt werden können. Das Leben und Wirken des Prälaten Michael Höck ist nämlich nicht nur eng verwoben mit Freising, sondern eben vor allem mit dem Domberg als Glaubenszentrum, von dem aus Höck wie wohl kaum ein anderer Geistlicher die Freisinger bis zur Jetzt-.Zeit geprägt hat. Und zwar vor allem als ein Mensch, der mit viel Herz für die Freiheit und das Miteinander eingestanden ist.

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Bereits vor Jahrzehnten hat sich der ehemalige Schulleiter des Dom-Gymnasiums, Hans Niedermayer, mit Höck auseinandergesetzt – und zwar im Rahmen einer Portrait-Reihe über wichtige Persönlichkeiten der Domstadt für das Freisinger Tagblatt. Niedermayer, der vor dem Lehrerstudium selbst ein Semester im Kleriker-Seminar absolviert hatte, kannte und schätzte Höck. „Er war ein sehr feiner Mann“, so Niedermayers Urteil, weshalb er Höck in seinem FT-Portrait von damals auch als „Grandseigneur vom Domberg“ bezeichnet hat.

Im Widerstand

Was Niedermayer an Höck neben der Offenheit zur Ökumene imponiere, sei dessen Widerstand gegen das Regime der Nationalsozialisten im Dritten Reich. Dieses Aufstehen gegen das Unrecht hatte den Prälaten letztendlich 1941 dann auch ins Konzentrationslager nach Dachau gebracht hatte – als sogenannter „Hetzpfarrer“. Beachtlich sei laut Niedermayer hier aber eines: wie gefährlich die freie Meinungsäußerung nach der Machtergreifung sein konnte, erfuhr Höck bereits 1933, als der Direktor des Freisinger Knabenseminars, Joseph Roßberger, wegen Kritik am Nationalsozialismus abgeführt worden war. Dennoch ließ sich Höck nicht den Mund verbieten, publizierte kritische Artikel in der Kirchenzeitung und stand auch in Predigten für seine Meinung und letztendlich auch für die Unterdrückten ein. „Höck hatte einfach einen unerschütterlichen Glauben, der ihn auch über diese schwere Zeit getragen hat“, betonte der Regisseur Sebastian Grießl, der nach zwei Jahre langer akribischer Recherche den Film „Dr. Michael Höck – sein Leben und Wirken“ voriges Jahr hatte fertigstellen können. Grießl, der bereits als Ministrant Höck kennengelernt hatte, beschrieb die Messen von „Papa Höck“ so: „Er gab den Menschen immer Nahrung für die Seele.“

Der Doku-Film

Für den Dialog am Dom kürzte Grießl seinen Film, der in der Originalfassung rund 140 Minuten dauert, auf knapp 50 Minuten herunter, um wenigstens einen groben Umriss von Höcks Leben und Wirken für die volle Dom-Aula skizzieren zu können. Der Freisinger Filmemacher zeigte dabei vor allem eines auf: Höck war nicht nur ein empathischer Mensch durch und durch, sondern auch ein großer Sympathie-Träger. Die Erinnerungen von Weggefährten, Freunden, Familienmitgliedern und sogar vom emeritierten Papst Benedikt sind immer strahlend hell, beinahe flirrend in der Rückschau – sie alle berichten von einem Geistlichen mit Rückgrat, der immer ein offenes Ohr und trotz schwerer Lebensprüfungen nie das Interesse an seinen Mitmenschen verloren hatte. „Er hat immer diesen Glanz, der von ihm ausging, an die Leute abgestrahlt – auch an uns Ministranten“, so Grießl rückblickend.

Die Reaktionen

Wie wichtig Höck für die Freisinger war und auch weiterhin ist, bewiesen dann auch zahlreiche Fragen und persönliche Erinnerungen im letzten Teil der Dialog-Veranstaltung. Berührend war hier aber vor allem eines: Viele junge Domschüler bewegt der Mut des Geistlichen auch heute noch deutlich, wie auch eine Gymnasiastin betonte. „Es ist sehr beeindruckend und sehr schön, dass er zu seiner Meinung in dieser Zeit gestanden ist“, so die junge Dame. Nach gut zwei Stunden war dann vor allem Röder erleichtert, dass die Premiere der „Dialoge am Dom“ ein derart großer Erfolg geworden war ,und schloss mit den Worten: „Das freut mich wirklich narrisch.“ Richard Lorenz

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