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Kaum zu löschen war der BMW, der Donnerstagnacht in Hebertshausen Feuer fing. Wird eine Lithium-Ionen-Batterie beschädigt, kommt es zu einer Kettenreaktion, sprich andauernden Kurzschlüssen, die den Brand ständig befeuern.

Nach Zwischenfall im Kreis Dachau

Freisinger Einsatzkräfte warnen: Brennende E-Autos kaum zu löschen 

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Mit jedem zugelassenen E-Auto steigt auch im Kreis Freising die Gefahr von Unfällen. Das Problem: Brennende E-Autos sind kaum zu löschen.

Freising– Aktuell sind im Landkreis Freising 770 Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb und 1280 Hybridautos zugelassen. Je mehr es werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie in Unfälle verwickelt werden. Zuletzt haben brennende E-Autos für Aufsehen gesorgt, weil sie sich nur unter größten Aufwand löschen ließen. Etwa am Donnerstag in Hebertshausen (Kreis Dachau). Ein BMW 330E Hybrid fing während des Ladevorgangs Feuer. 16 Feuerwehrler brauchten eineinhalb Stunden – und sehr, sehr viel Wasser – um den Wagen zu löschen. Der 85 000-Wagen war anschließend Schrott.


Feuerwehr am Limit

Der Freisinger Kreisbrandrat Manfred Danner bestätigt: das Löschen eines E-Autos sei eine brenzlige Angelegenheit. Die Batterien seien schwer zugänglich, da sie meist im Fahrzeugboden verbaut sind. Und bis ein Akku gelöscht und gekühlt sei, braucht es jede Menge Wasser. Dir Firma Tesla hat ausgerechnet: Um einen brennenden Tesla zu löschen, braucht es etwa 11 000 Liter Wasser. Ein normales Feuerwehrfahrzeug führt eine solche Menge gar nicht mit. Es muss also nachalarmiert werden. „Im Ernstfall“, bestätigt Manfred Danner, „müsste man ein weiteres Fahrzeug mit Wasser hinzuziehen.“

Allerdings: Jeder „normale“ Fahrzeugbrand stellt für die Feuerwehren inzwischen eine Herausforderung dar: „Moderne Autos bestehen praktisch nur noch aus Kunststoff. Sogar Karbon wird verbaut“, weiß der Kreisbrandrat. Deshalb werde jeder brennende Wagen nur noch unter schwerem Atemschutz gelöscht.

Noch mehr Kopfzerbrechen bereiten schwer demolierte Elektroautos, bei denen ein Brandrisikio erst nach Tagen ausgeschlossen werden kann. Schuld daran sind Lithium-Ionen-Batterien: „Wenn die beschädigt sind, kann es zu einer Kettenreaktion kommen, die erst viel später in einen Brand mündet“, berichtet der Erdinger Kreisbrandrat Willi Vogl. Derzeit gibt es nur ein wirksames Gegenmittel: Ab ins Tauchbad. Solche „Abklingbecken“ unterhält etwa die BMW-Werksfeuerwehr. Die Feuerwehren im Landkreis halten solche Behälter nicht vor – und Kreisbrandrat Manfred Danner sieht die Verantwortung hier auch nicht bei den Feuerwehren, sondern bei den Entsorgungsbetrieben: „Wir sind nicht dazu da, um fünf Tage lang auf ein demoliertes E-Auto aufzupassen.“ Die Entsorger und hersteller seien hier in der Pflicht.

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Thema Tauchbad

Im Haushalt des Nachbarlandkreises Erding sind für 2020 Mittel für einen Abrollbehälter eingestellt, den man so abdichten kann, dass man dort ein Auto hineinstellen kann. Die Folge ist in jedem Fall ein Totalschaden am E-Auto. „Da stellt sich die Frage der Haftung“, führt Manfred Danner ins Feld. „Was, wenn der Besitzer des havarierten E-Autos hinterher sagt, das Tauchbad wäre gar nicht nötig gewesen?“

Würde ein havariertes E-Auto übrigens abgeschleppt, müsste es eigentlich bei dem Entsorger nicht in einer Halle, sondern im Freien möglichst isoliert abgestellt und beobachtet werden, betont Manfred Danner. Aber soviel Platz hätten die Abschleppunternehmen gar nicht.

Abschleppdienst warnt vor Riesenschäden

Doch – „noch“ habe man diesen Platz, berichtet Maximilian Berghamer, Geschäftsführer des Freisinger Abschleppunternehmens. Mit beschädigten E-Autos habe man mehrfach zu tun gehabt, allerdings sei bisher jeweils die verbaute Batterie unbeschädigt geblieben. Trotzdem stelle man E-Unfallwagen stets im Freien ab. Ein großes Problem seien aber liegen gebliebene Elektroautos, bei denen etwa der Akku leer sei. Fahrzeuge einiger Marken dürfe man nicht ziehen, weil der E-Motor an der Achse hänge und somit Strom erzeugt werde. „Dabei könnten katastrophale Schäden entstehen“, berichtet Berghamer. Ein klassisches Abschleppen mit Seil oder Stange oder gar das Aufladen auf den Abschleppwagen komme daher gar nicht in Frage. Dann müsse ein Kran das E-Vehikel aufladen – und dafür auf der Autobahn eine Fahrspur gesperrt werden.

Lesen Sie alles über den Brand in Hebertshausen: Feuerwehr hat alle Mühe, E-Auto zu löschen

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