+
Angelika Schnieke arbeitet daran, dass Schweineherzen vom menschlichen Organismus nicht mehr abgestoßen werden. Jetzt nahm sie im Lindenkeller die Zuhörer mit ins das weite Feld der Biotechnologie. 

TUM VORTRAG

Freisinger Forscherin: Das Schwein als künftiger Organspender

„Schwein gehabt“ könnte es bald schon heißen, wenn Menschen ein Spenderorgan brauchen. In Freising referierte Forscherin Prof. Angelika Schnieke.

Freising Sicher erinnern sich viele noch an Dolly, das erste Schaf aus der Retorte. In den 1990er-Jahren schaffte es ein Team aus Wissenschaftlern, das Tier aus einer einzigen Zelle zu reproduzieren. Eine von ihnen war Professor Angelika Schnieke. Seitdem hat sich viel getan in der Forschung und Schnieke arbeitet heute an ihrem Lehrstuhl für Biotechnologie an der TUM daran, das Schwein zum Organspender des Menschen zu machen. In der beliebten Reihe „Wissensschaft für alle erklärt“ gab die Professorin jetzt Einblick in ihr Fach.

Dabei musste man als Zuhörer konzentriert dabei sein. Biotechnologie, Genforschung – ein komplexes Thema, das für Normalsterbliche schwer zu greifen ist. Noch schwieriger wird es, wenn die Folien in der Präsentation vor allem auf Englisch sind. Doch die Zuhörer lauschten gespannt, zu faszinierend fanden sie wohl die Vorstellung, dass ein Schweineherz einmal ihr Leben retten könnte.

Nur drei von 1000 Organen sind tauglich

Dass die Forschung nach alternativen Organspendemöglichkeiten enorm wichtig ist, zeigte Angelika Schnieke gleich zu Beginn auf. Deutschland sei im europaweiten Vergleich am unteren Ende der Liste, wenn es um die Spenderwilligkeit geht. Aber selbst wenn mehr Menschen spenden würden: „Es sind ohnehin nur drei von 1000 Organen tauglich“, sagte sie und folgerte: „Ein Mangel wird bleiben.“ Und hier kommt das Schwein ins Spiel, das Säugetier, dessen Organe denen des Menschen physiologisch sehr ähnlich sind. Langfristiges Ziel ist es, die Organe des Tieres genetisch so zu verändern, dass sie der menschliche Körper nicht mehr abstößt. Xenotransplantation nennt man das dann, die Transplantation zwischen zwei Spezies.

Algen sind die Lösung

Klingt verrückt? Ist aber mehr als reine Zukunftsmusik. Schweineherzklappen werden bereits transplantiert. Auch sogenannte Inselzellen, eine Zellgruppe in der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produziert, können bereits verpflanzt werden. Damit sie vom Körper nicht abgestoßen werden, müssen sie derzeit in einem kleinen Container in die Bauchdecke eingesetzt werden. Und weil die Zellen so nicht mit Sauerstoff versorgt werden, muss der von außen zugeführt werden. „Da hängen Schläuche aus dem Bauch, das ist noch nicht so optimal“, zog Schnieke Bilanz. Allerdings könnten Algen im Container die Lösung sein. Die würden durch Lichtbestrahlung Sauerstoff produzieren. Daran arbeitet man gerade. Ganze Organe hat man auch schon in Tierversuchen transplantiert. So hat zum Beispiel ein Affe mit einem zusätzlichen Schweineherz drei Jahre überlebt.

Die Sache mit den Inselzellen

Problem bei allen Transplantationen: ein Zuckermolekül, das sogenannte Alpha-Gal, aufgrund dessen der Mensch das Organ sofort abstößt. Um das zu verhindern, wollen die Forscher die Schweinegenetik verändern. Das könnte auch andere menschliche Probleme lösen, etwa Fleischallergien. In etwa fünf Jahren soll die Methode mit den Inselzellen klinikreif sein, die Sache mit dem Herz allerdings frühestens erst in zehn Jahren.

Aber die Forschung schreitet weiter voran. Dann könnte man bald sagen „Schwein gehabt“.

Noch ein Spitzen-Vortrag: 

„Vier Zutaten und ganz viel Zeit“: TUM-Vortrag erklärt die Kunst des Brotbackens

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Riesiger Fehler bei Google Maps entdeckt: Einheimische verwirrt - Ist das Absicht? 
Bayern ohne die Amper – unvorstellbar. Für den Weltkonzern Google scheint das nicht zu gelten. Auf Google Maps wurde der Fluss kurzerhand umbenannt. In allen vier …
Riesiger Fehler bei Google Maps entdeckt: Einheimische verwirrt - Ist das Absicht? 
Thomas Henning (FW) fordert Freund und Amtsinhaber Harald Reents heraus
Die Freien Wähler Hallbergmoos schicken bei der Kommunalwahl einen eigenen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen: Thomas Henning. Das Überraschende: Er tritt gegen seinen …
Thomas Henning (FW) fordert Freund und Amtsinhaber Harald Reents heraus
Freising wird zum „Zukunftsbahnhof“ – als einziger in Oberbayern
Es ist ein Modellprojekt der DB: 16 Bahnhöfe in ganz Deutschland bekommen einen auf die Zukunft ausgelegten Bahnhof. Die Freisinger Station gehört dazu – als einzige in …
Freising wird zum „Zukunftsbahnhof“ – als einziger in Oberbayern
„Es brennt!“ Landwirte diskutieren über Image-Probleme und fehlenden Dialog
Beim jüngsten Landwirtschaftsdialog zwischen Politik und Bauern machten letztere ihrem Unmut Luft. „Es brennt!“, stellte auch MdB Erich Irlstorfer fest.
„Es brennt!“ Landwirte diskutieren über Image-Probleme und fehlenden Dialog

Kommentare