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Noch nicht einmal im Landeanflug ist ein bayerisches Flughafenkonzept.  

Becher und Zierer stinksauer

Freisinger Frust über mageren Flughafenbericht

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Frust, Ärger – und eine Erklärung: Das sind die Reaktionen aus Freising auf den sehr mageren Bericht zu einem bayerischen Flughafenkonzept.

München/Freising– Tatsächlich nämlich sagte Ute Schinner-Stör, Referatsleiterin Luftverkehr im Verkehrsministerium, am Dienstag im Landtag inhaltlich sehr wenig. Derzeit sei noch nicht einmal der Auftrag für ein solches Konzept erteilt worden, bekannte die Staatsbeamtin (wir berichteten im Hauptteil). Kein Wunder, erklärt Minister Florian Herrmann (CSU): Der Landtag sei viel zu früh und „übereilt“ mit dem Thema befasst worden. „Ziemlich irritiert“ war nach dem Auftritt der Referatsleiterin allerdings MdL Benno Zierer (FW), „total enttäuscht“ der Grünen-Abgeordnete Johannes Becher.

Zierer ist irritiert

„Es gab keinerlei konkrete Aussagen“, wundert sich Zierer. Dabei hätte er detaillierte Informationen erwartet – stattdessen sei nur bekannt gegeben worden, dass eine europaweite Ausschreibung noch nicht erfolgt ist. „Ich hatte der Staatsregierung im Vorfeld klar gemacht, welche Inhalte ich erwarte“, so Zierer. Dazu gehörten Ideen zur Verringerung von Inlands- und Kurzstreckenflügen sowie zur Reduzierung von Schadstoffen und Lärm. Die Erarbeitung dieses Konzeptes sei ein klarer Auftrag aus dem Koalitionsvertrag. „Ich erwarte, dass das Verkehrsministerium diesen Auftrag umsetzt“, sagte Zierer am Mittwoch – und kritisierte somit quasi die eigene Regierung. „Zumindest ist das FW-geführte Wirtschaftsministerium schneller als das federführende Verkehrsministerium,“ sagt Zierer. Das Haus von Hubert Aiwanger wolle mit einem Gutachten prüfen, inwieweit ein Fernbus-Pendelverkehr zwischen Flughäfen eine Alternative zu Kurzstreckenflügen sein kann.

Becher ist total enttäuscht

„Die Sitzung war die totale Enttäuschung. Das Ministerium weiß, dass es nichts weiß!“ formulierte Johannes Becher, Sprecher seiner Fraktion für Flugverkehr. Die Staatsregierung habe „keinen Zeitplan, keine Antworten auf Fragen nach Zielen und Inhalten des Konzeptes, nach den Beteiligten bei der Erstellung oder danach, wie ein belastbarer Bedarf der Zukunft ermittelt werden soll.“ Bechers Forderungen in Sachen Flughafenkonzept:

. Es dürfe nicht den Bau einer dritten Startbahn begründen,

. müsse die Reduktion von Lärm- und Schadstoffen beinhalten und vermeidbaren Flugverkehr auf die Schiene verlagern.

. Bei der Erstellung der Konzepts müsse die Region beteiligt werden.

Herrmann ist verwundert - und erklärt  

Warum der Vortrag Schinner-Störs so dünn ausfiel, erklärt Minister Florian Herrmann so: Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, der FDP-Mann Sebstian Körber, habe das Thema zu früh auf die Tagesordnung gesetzt. Von den rund 100 im Koalitionsvertrag fixierten Projekten habe man binnen eines Jahres bereits „extrem viel“ umgesetzt oder auf den Weg gebracht, das Flughafenkonzept halt noch nicht. „Da gibt es auch keinen Grund zur Hektik“, betont Herrmann. Die Startbahn liege ohnehin auf Eis und sei derzeit „überhaupt kein Thema“. Man hätte vor der Sitzung im Landtag mit einem Telefonanruf in Erfahrung bringen können, dass es noch nichts zu berichten gebe. Wichtiger sei, dass Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) kürzlich eine Machbarkeitsstudie für einen Fernbahnhof am Flughafen in Auftrag gegeben habe. Bevor das Ergebnis dieser Studie nicht vorliege, mache ein Flughafenkonzept auch wenig Sinn. 

Weiter lesen sie: Notlandung am Flughafen München: Katastrophenschutz war im Einsatz

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