Freisinger Impfzentrum
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Die Mitarbeiter des Impfzentrums dokumentieren alles ganz genau. Derzeit müssen aber außerdem auch noch täglich etwa 100 E-Mails verärgerterer Bürger beantwortet werden, die auf ihren Erstimpfungstermin warten.

Noch zwei Wochen lang fast nur Zweitimpfungen

Impf-Stau im Kreis Freising: „Die Leute sind alle total sauer“

  • Helmut Hobmaier
    vonHelmut Hobmaier
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Der Unmut wächst: Jeden Tag treffen rund 100 E-Mails im Freisinger Impfzentrum ein. Die Botschaft ist immer die gleiche: geballter Ärger über den Impf-Stau.

Freising - In puncto Erstimpfung geht im Landkreis Freising seit geraumer Zeit kaum mehr etwas voran. Bei den 500 bis 600 Landkreisbürgern, die derzeit täglich im Impfzentrum einen Pieks erhalten, handelt es sich ausschließlich um Zweitimpfungen. Und daran wird sich erst in etwa zwei Wochen etwas ändern, teilt das Landratsamt mit. Immerhin: Am Donnerstag gab es eine größere Lieferung mit dem Impfstoff Moderna, so dass 280 Menschen überraschend ihre Erstimpfung bekamen. Auch in der kommenden Woche erwartet das Impfzentrum zusätzlichen Impfstoff, der dann für weitere Erstimpfungen eingeplant wird.

Lieferschwierigkeiten

Hintergrund des wochenlangen Erstimpfungs-Staus: Um möglichst vielen Bürgern einen Sofortschutz zu geben, hat man in den vergangenen Monaten vor allem Erstimpfungen durchgeführt. Nun werden die – vor allem wegen der Mutationen wichtigen – Zweitimpfungen fällig: bei Astrazeneca nach zwölf, bei Biontech nach sechs Wochen. „Dabei hat man den maximalen zeitlichen Spielraum bereits ausgereizt“, berichtet Söhl. Das heißt: An den Zweitimpfungen führt jetzt kein Weg mehr vorbei. Und das bei weiterhin knappem Impfstoff. „Wir könnten schon noch mehr impfen“, berichtet Söhl, „aber vor allem bei Biontech gibt es Lieferschwierigkeiten.“ Die versprochenen Mengen kämen nicht an. Daher werde man erst in zwei Wochen wieder auf Normalbetrieb umschalten können.

Priorisierung bleibt

Bis dahin müssen sich auch die etwa 17 000 noch nicht geimpften Landkreisbürger gedulden, die in der Prioritätsgruppe 3 sind (über 60 Jahre alt oder mit Vorerkrankungen). Die werde man dann vorrangig impfen, verspricht Söhl: „Wir halten uns hier im Impfzentrum weiterhin an die Priorisierung. Das ist eine ganz wichtige Botschaft für alle Bürger.“ Ein gesunder 59-Jähriger wird sich also noch einige Zeit gedulden müssen, bis er zur Erstimpfung eingeladen wird.

Geduld ist auch bei den Mitarbeitern des Impfzentrums gefragt. Nach knapp einem halben Jahr Dauerbetrieb „machen sich Ermüdungserscheinungen bemerkbar“, sagt Söhl. Zahlreiche Überstunden hätten sich angehäuft, und jetzt beginne auch noch die Urlaubszeit: „Personell wird es deshalb immer haariger.“ Dazu komme der psychische Stress, etwa durch die vielen Beschwerden und Anfragen genervter Bürger, die noch nicht geimpft sind: „Die Leute sind alle total sauer“, berichtet der BRK-Kreisgeschäftsführer, der mit seinem Team alle Mails beantwortet, aber im Grunde nur eine Botschaft hat: „Geduld, bitte!“

Kontigentierung

Neben dem chronischen Mangel an Impfstoff ist es auch die Politik, die den Mitarbeitern am Impfzentrum zu schaffen macht: „Die Aufhebung der Priorisierung kam viel zu früh“, sagt Söhl. „Da wurden Erwartungen geweckt, die wir einfach nicht erfüllen können. Wir müssen doch erst die Menschen impfen, die dran sind. Und dazu brauchen wir mehr Impfstoff.“ Der komme im Juni in rauen Mengen, habe es geheißen. Tatsächlich aber werde überall kontingentiert: bei den Hausärzten, bei den Impfzentren und bei den Betriebsärzten. „Die Hausärzte und unser Impfzentrum an der Stein-Kaserne könnten pro Woche 10 000 Menschen impfen“, rechnet Söhl vor. Die aufgebaute Schlagkraft sei also enorm: „Wir funktionieren, aber wir brauchen dazu den Impfstoff.“

Digitaler Impfpass

Auf die Mitarbeiter des Impfzentrums wartet jetzt noch mehr Arbeit: Alle, die zukünftig zur Impfung ins Impfzentrum Freising und Au kommen, erhalten hier zugleich auch den notwendigen QR-Code für den digitalen Impfausweis. Dies ist durch das Impfzentrum ab sofort gewährleistet. Diejenigen, die bereits geimpft sind, können sich ab Montag, 14. Juni, an eine Apotheke wenden. Auf der Internetseite www.mein-apothekenmanager.de soll künftig eine Übersicht aller Apotheken in der Nähe aufgeführt sein, die den digitalen Impfpass ausstellen.

Trotz der Engpässe schreiten die Corona-Impfungen im Landkreis Freising voran. Seit Pfingsten haben alleine im Impfzentrum Freising (und Impfzentrum Au) rund 10 000 Personen ihre zweite Dosis erhalten. Insgesamt haben inzwischen mehr als 37 000 Bürger im Landkreis vollen Impfschutz. Das sind gut 20 Prozent. Knapp 67 000 Personen wurden erstgeimpft (37 Prozent). Insgesamt wurden 104 383 Dosen verabreicht (Stand Freitag).

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