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Schwarz und rot: Mit seinen beiden Büchern über Budo-Spiele ist Kampfsport-Trainer Dennis Buttler ein großer Coup gelungen.

“Ein ganz großer Wurf“

Freisinger Kampfsport-Trainer bringt Bücher über Budospiele heraus - und erntet euphorisches Lob von Olympia-Siegern

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Weltklasse-Kampfsportler schwören auf sie: Budo-Spiele fördern den Spaß an der Bewegung und machen Athleten besser. Dennis Buttler aus Freising hat jetzt zwei Bücher über die spielerischen Trainingsformen für Judo, Jiu-Jitsu, Karate und Aikido herausgegeben – und stößt in eine weltweite Marktlücke.

Freising – Die Kampfsportler kugeln sich. Nicht, weil sie mit einem O-goshi zu Boden gestreckt worden sind, sondern vor lauter Lachen. Dieses Spiel produziert aber auch eine komische Situation nach der anderen. Denn beim Huckepack-Fußball dürfen die Spieler nur dann den Ball berühren, wenn sie zu diesem Zeitpunkt eine andere Person auf dem Rücken tragen. Die Rumpfmuskeln werden beansprucht, um das Gewicht des Mitspielers zu stemmen. Zugleich entstehen beim Kicken so viele absurde Situationen, dass den Akteuren der Bauch vor lauter Lachen schmerzt.

Fröhliche Gesichter – das ist es, was der Freisinger Kampfsporttrainer Dennis Buttler sehen will. „Mir geht es nicht darum, Olympiasieger heranzuzüchten, sondern Freude an der Bewegung zu vermitteln.“ Der Spaß am Sport steht bei Budo-Spielen wie dem Huckepack-Fußball im Vordergrund. Schon die Namen dieser Übungsformen für den japanischen Kampfsport bereiten Vergnügen: Budo-Poker,
Affe auf dem Baum, Wampenschieber, Idiotenfangen. Über 1400 dieser Spiele wurden von Buttler für eine Buchreihe zusammengetragen, weiterentwickelt und auch selbst gänzlich neu erstellt. Mit den ersten beiden hochwertigen, jeweils fast 400 Seiten starken Bänden, die 2018 erschienen sind, hat er den Grundstein für eine gewaltige Kampfsport-Spielesammlung gelegt.

“Spielen liegt in der Natur des Menschen“

Der 39-Jährige richtet sich damit vor allem an Trainer von Kampfsportarten wie Karate, Judo, Jiu-Jitsu und Aikido. „Es haben aber auch viele Schulsportlehrer das Buch bestellt, weil sie endlich auf detailliert beschriebene Übungen für den Themenbereich Ringen und Raufen und zur Selbstbehauptung zurückgreifen können“, berichtet Buttler. Zugleich betont er, dass Budo-Spiele nicht nur der Nachwuchsförderung dienen. „Spielen liegt in der Natur aller Menschen. Oft steigern sich Erwachsene sogar mehr ins Spiel als Kinder.“ Allerdings müsse man Älteren diese Art der Trainingsform anders verkaufen. „Während Kinderaugen beim Wort Spiel leuchten, löst es bei Älteren oft eine abwehrende Haltung aus, weil Spiele vermeintlich nur was für Kleine sind“, berichtet Buttler. „Sagst Du ihnen aber, dass wir jetzt eine Übungsform oder einen Drill machen, sind sie sofort dabei.“

Spaß und Ernst im Huckepack: Budo-Spiele sollen die Freude an der Bewegung fördern, dienen zugleich aber dem Training komplexer Körperkoordinationen im Kampfsport.

Tatsächlich dienen die Spiele auch dazu, komplexe Bewegungen und koordinativ anspruchsvolle Techniken zu trainieren. So werden beim Huckepack-Fußball nicht nur Körperbeherrschung und Kraft trainiert, sondern auch die kognitiven Fähigkeiten. Jeder kann im Spiel zu jeder Zeit bei Teamkollegen auf den Rücken springen, damit ein Ballkontakt möglich ist. Wenn die Filzkugel jedoch nicht in der Nähe ist, kann die Person auf dem Rücken wieder absteigen, und beide können sich frei bewegen, wie Buttler erläutert. „Das heißt: Unter dem Laufen finden ständig Denkprozesse statt, ob die Zusatzbelastung auf dem Rücken nun notwendig ist oder geschickterweise vermieden werden kann.“ Weiterer Mehrwert dieser Spiele: das Miteinander im Team.

Erst ein schwerer Unfall brachte ihn zu seinem Projekt zurück

Mit der Idee zum Buchprojekt trägt sich Buttler schon lange – seit Jugendzeiten. Bereits mit acht, neun Jahren durfte er gemeinsam mit seinem Bruder Oliver dem Judo-Trainer als Uke assistieren. Bereits schon damals kam der kindliche Trainer auf die Idee, Techniken mithilfe von Spielen zu vermitteln. „Rhetorisch waren wir noch etwas schwach auf der Brust. Also haben wir die Inhalte in Spiele verpackt“, gesteht Buttler und lacht. „Insofern haben wir aus der Not eine Tugend gemacht.“ Und weil das Feedback überaus positiv war, und die Trainingsmatte Woche für Woche stärker bevölkert wurde, kam Buttler auf die Idee, ein Buch zu schreiben. „Ich wollte, dass dieses Wissen nicht verloren geht.“ Erste Versuche in seiner Studienzeit scheiterten jedoch an technischen Problemen. So musste auf dem Weg zum Budo-Buch erst ein schlimmer Unfall geschehen.

Im Jahr 2012 raste ein Pkw-Fahrer, der die Kontrolle über seinen Wagen verloren hatte, frontal in Buttlers Auto. Der Freisinger überlebte schwer verletzt, musste sich vielen Therapien unterziehen, war jahrelang beruflich kaum einsatzfähig. „Irgendwann hatte ich genug davon, an die Wand zu starren“, berichtet er. „Dann habe ich mich an meine alte Idee erinnert. Mit dieser Buchreihe zu beginnen, war so etwas wie eine Therapie, um die Gehirnhälften wieder zu vernetzen.“

Eine Therapie, die ungeahnte Kräfte in Buttler freisetzte. Über 25 000 Kilometer legte er zu den Trainingslehrgängen zurück, bei denen die Fotos für die Bücher entstanden sind. Er besuchte nicht nur überall in Deutschland Trainingshallen für Kampfsport, sondern steuerte auch Dojos in Österreich und Belgien an.

Die Spiele begeistern Fünfjährige und 86-Jährige

Die Mühe hat sich gelohnt. Mit seinen beiden Büchern ist dem Judo- und Jiu-Jutsu-Trainer ein Coup gelungen. Hervorragend, wie übersichtlich die Bände aufgebaut sind. So hat Buttler jeder Spielkategorie eine eigene Farbkennzeichnung zugeordnet – gelb für Einzelübungen, orange für Partnerspiele, blau für Wettkämpfe, bei der ein Einzelner auf ein Team trifft, rot für das Duell zweier Mannschaften. Mit Hilfe von Icons sieht der Leser schnell, was für das jeweilige Spiel benötigt wird, wie viel Zeit es in Anspruch nimmt, und welches Trainingsziel hinter der Übung steht. Die Spielregeln sind so knapp wie möglich gehalten und dennoch leicht verständlich. Dazu gibt es Tipps, wie Trainer unterschiedlicher Sportarten die Übungen für ihre eigenen Bedürfnisse weiterentwickeln können. Abgerundet werden die Bücher mit einem Lexikon über japanische Begriffe aus dem Bereich Kampfsport.

Für Lebendigkeit sorgen die vielen Fotos aus der Praxis. Die Bilder zeigen verschiedenste Typen: Trainer und Athleten mit Gelben, Blauen und Schwarzen Gürteln, Buben und Mädchen, Nachwuchshoffnungen im Alter von fünf Jahren und 86-jährige Altmeister. Vor allem aber zeigen sie immer eines: lachende Gesichter.

Olympia-Champ ist begeistert von den Büchern

Doch die fantastischen Fotos sind noch nicht Buttlers größtes Husarenstück. Dem Freisinger, der selbst schon als Trainer für das olympische Komitee der USA tätig war, ist es gelungen, etliche Weltklasseathleten, Nationaltrainer und Top-Kampfrichter zum Mitmachen bewegen. So verraten olympische Goldmedaillengewinner wie Ole Bischof und ehemalige World-A-Kampfrichter wie Ralf Pfeifer ihre Lieblingsspiele aus Kindheits- und Jugendtagen, und wie sie auch mit Hilfe von Budo auf den Olymp gelangt sind.

Die Resonanz ist enorm. Die über 1200 Hobbysportler, die mitgewirkt haben, sind vor allem stolz darauf, Teil eines Fachbuchs zu sein, wie Buttler berichtet. Denn in der Regel werden bei Kampfsportbüchern nur Hochgraduierte abgelichtet, da die dort gezeigte Technik sauber demonstriert werden muss. „In meinen Büchern ging es aber hauptsächlich darum, das jeweilige Spielprinzip mit dem jeweiligen Ziel zu erklären.“ Die Großmeister legen dem Freisinger gar den Schwarzen Autoren-Gürtel an. „Für jeden Trainer und Übungsleiter sollte dieses Buch ein Standardwerk sein“, schreibt etwa Frank Wieneke, Gold-Judoka und langjähriger DJB-Bundestrainer. Auch Ulrich Klocke, Autor mehrerer Judo-Fachbücher, ist begeistert: „Dennis Buttler hat eines der wenigen unverzichtbaren Werke für alle Trainer in allen Kampfsportarten zusammengestellt. Als Judoka möchte ich sagen: Ein ganz großer Wurf.“ Für Buttler, den bei der Arbeit an seinen Büchern etliche Zweifel geplagt haben, ist diese Resonanz überwältigend. „Das bereitet mir Gänsehaut.“

Mit seinen beiden Bänden ist der Freisinger in eine weltweite Marktlücke gestoßen. Deshalb will er die Bücher demnächst auch in andere Sprachen übersetzen lassen. An eine Fortsetzung denkt der 39-Jährige ebenfalls schon. Band 3 soll kommendes Jahr erscheinen.

Gut zu wissen

„Budo Spiele – Spiel- und Übungsformen für den Kampfsport, Band I und II“ sind im vigipe-Verlag erschienen. Beide Bände kosten je 44,80 Euro. Erhältlich sind sie bei Bücher Pustet in Freising oder online unter www.budo-spiele.de.

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