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Petra Lewi, 47, wurde in Freising mit der Vhs-Theatergruppe „Werkstück“ bekannt. Als der Theatersommer auf dem Domberg 1999 erstmals stattfand, war sie auch dabei. Seit 2007 gehört sie dem theater04 an. Als Sängerin tritt sie seit 2014 in Erscheinung – in der „Melody D’Amours Burlesque Show“ in München und mit ihrem eigenen Programm „Ukulele Cabaret“.

Freisinger Schauspielerin und Sängerin

Kulturpreis für Petra Lewi: „Ich hätte nie im Leben daran gedacht“

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Freising – Petra Lewi heißt die neue Kulturpreisträgerin des Landkreises. Im FT-Interview berichtet die Schauspielerin und Sängerin (47) aus Freising von den Reaktionen auf ihre Auszeichnung, peinlichen Momenten und ihrer – etwas ekligen – Lieblingsszene auf der Bühne.

-Frau Lewi, herzlichen Glückwunsch zum Kulturpreis. Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie von der Auszeichnung erfahren haben?

Als ich am Dienstag davon erfahren habe, war ich total baff. Ich habe im Leben nie daran gedacht, dass ich in Freising den Kulturpreis kriegen würde. Einfach, weil es hier so viele tolle Künstler gibt. Umso mehr freue ich mich darüber. Ich habe die letzten zehn Jahre sehr intensiv darauf hingearbeitet, als Künstlerin wahrgenommen zu werden.

-Welche Reaktionen haben Sie bekommen?

Worüber ich mich sehr gefreut habe, waren die Glückwünsche von Alexander Nadler. Mit ihm habe ich an der Realschule das Theaterspielen angefangen. Ich war 16, er ein Jahr älter. Er hat mir per WhatsApp gratuliert. Das fand ich total fein. Auch auf Facebook gibt es viel Resonanz. Ein Freund, der sonst nie etwas kommentiert, hat geschrieben: Petra, jetzt bist du angekommen.

-Sie haben Ihre kreative Ader früh entdeckt.

Ja. Ich war schon immer etwas wilder oder extravaganter – mit den Frisuren, den Klamotten. Ich hatte auch früh den Wunsch, Schauspielerin zu werden. Aber es waren zugleich Zweifel da, ob ich das schaffe. Deswegen bin ich mit allem immer so extrem spät dran. Zum Beispiel arbeite ich zur Zeit viel mit Burlesque-Mädchen in München. Die sind alle Ende 20, Anfang 30, und ich 47. Da denke ich schon manchmal: Echt Schade! Aber natürlich hat mich all das, was ich gemacht habe, dahingebracht, wo ich jetzt bin.

„Meret Becker ist auch so ein verrücktes Huhn.“

-Haben Sie Vorbilder?

Nein. Es gibt Leute die ich toll finde, und die mich inspirieren, aber ich würde nicht von Vorbildern sprechen.

-Und wer inspiriert Sie?

Meret Becker. Die geht sehr in meine Richtung und ist auch so ein verrücktes Huhn.

-Was ist bei Ihnen mehr ausgeprägt – die Schauspielerin oder die Sängerin?

Ich habe mich immer als Schauspielerin gefühlt. Als ich mit dem Ukulele-Cabaret durchgestartet bin, haben manche von mir als Sängerin geschrieben, da habe ich mich selbst noch gar nicht so gesehen. Jetzt aber, nach 40, 50 Auftritten, kann ich mich langsam damit anfreunden.

-Haben Sie noch Lampenfieber?

Voll. Früher war das ganz schlimm. Da habe ich Blut und Wasser geschwitzt. Mit der Zeit lernt man zwar, damit umzugehen. Aber Durchatmen muss ich vor dem Auftritt immer noch.

-Wollten Sie auf der Bühne schon mal im Boden versinken?

Es gibt schon Situationen, in denen man plötzlich beim Text nicht mehr weiter weiß. Beim Theater kann man das überspielen: Entweder du hast einen Partner, der dann weitermacht, oder du improvisierst halt. Beim Singen wurde ich anfangs schon panisch, wenn ich plötzlich bemerkt habe: Mist, wie geht noch mal die zweite Strophe?

-Und dann?

Muss ich mich halt rüberretten, in dem ich mich ein bissel durchnuschel. Mein Mann, der mich ganz stark unterstützt und motiviert, sagt immer: Komm ja nicht ins Schalala! Die Leute nehmen einem das nicht übel. Mir selbst stinkt das halt wahnsinnig.

„Das Kotzen war für mich ein irrer Spass.“

-An welche Auftritte erinnern Sie sich gern?

An meine Rolle in „Der Gott des Gemetzels“. Da hat alles gepasst: das Stück, die Inszenierung und natürlich die Rolle. So eine Rolle bekommt man nicht oft auf dem Silbertablett serviert. Davor musste ich oft die Gräfin spielen. Das langweilt halt irgendwann.

-Den „Gott des Gemetzels“ hat das theater04 fünf Jahre lang gespielt. Gab es da keine Ermüdungserscheinungen?

Nein, das zu spielen, ist immer drin. Vor allem die Szene, in der ich kotzen muss.

-Das geht auf Knopfdruck?

Ich hab da lang überlegt, wie ich das technisch hinkriege, aber es hat dann echt super funktioniert.

-Muss man sich da überwinden, sich vor Publikum so zu exponieren?

Bisher habe ich noch nichts gespielt, was mir wahnsinnig unangenehm gewesen wäre. Ich musste mich etwa noch nie ausziehen auf der Bühne. Aber das Kotzen war für mich ein irrer Spaß. Das ist so geil, das tun zu dürfen. Wenn du dich da genierst, bist du als Schauspielerin fehl am Platz. Und wenn man aus den Zuschauern so etwas wie Ekel rauskitzeln kann, ist das doch ein Highlight.

Interview: Manuel Eser

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