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Wenn der Pfleger zum Patienten wird

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Unter freiem Himmel diskutierte die Linke über den Pflegenotstand in Kliniken. © Foto: Lehmann

Einen Notstand in der Krankenhauspflege prangert die Linke an. Bei einer Diskussionsrunde im „Et Cetera“, machten Linken-Vertreter aus Freising und Moosburg die fortschreitende Privatisierung und das Gewinnstreben der Kliniken dafür verantwortlich. Es war von schlechter Bezahlung, unzumutbaren Arbeitsbedingungen und von sträflicher Vernachlässigung der Patienten die Rede.

Freising – Dem Pflegepersonal kann man unter diesen Voraussetzungen wohl am wenigsten Vorwürfe machen, wie die Referentin des Abends, Ingrid Greif, klarstellte. Sie wusste erklärtermaßen, wovon sie sprach. Sie ist selbst gelernte Krankenschwester, weiß also, wie der Alltag in den Kliniken aussieht, wie wenig aussagekräftig Dienstpläne sein können, wie überlastet und überfordert das Pflegepersonal in Wahrheit ist. Außerdem ist Greif ver.di-Funktionärin und als solche zuständig für den Fachbereich „Gesundheit“, wie es in der Einladung der Linke hieß.

Einer Einladung, der gut ein Dutzend Interessierte folgten. Der Termin erregte Aufsehen. Wegen des guten Wetters hatte man sich spontan dazu entschlossen, die Debatte draußen am Biertisch unter freiem Himmel zu führen. „Ich habe damit kein Problem“, sagte Linke-Stadtrat Guido Hoyer zu dem Vorschlag.

Dass in den Krankenhäusern bisweilen unzumutbare Verhältnisse herrschen, das führte Helmut Sterr, ein Mitglied des Kreisvorstands der Linken, „auf geldgierige Investoren“ zurück, die Patienten „wie eine Ware“ behandeln würden. Dabei spiele es gar keine Rolle mehr, ob in dem Bett ein Mensch liege.

Das waren drastische einleitende Worte, aber offenbar auch welche, die nicht selten der Wahrheit entsprechen. Denn was Greif aus der Praxis und aus ihrer Erfahrung zu berichten wusste, war nicht minder erschreckend. Demnach hat man seit den 1990er Jahren ständig Personalabbau betrieben in den Kliniken – aus Kostengründen, wie Greif versicherte. Mit dem Ergebnis, dass in Deutschland aktuell 80 000 Pflegekräfte und in Bayern etwa 12 000 Pflegekräfte fehlen würden. Die von Sterr gegeißelte Privatisierung habe zudem zu einer fortschreitenden Spezialisierung geführt. Sprich: Es würde in den Kliniken nur noch gemacht, was Profit verspreche.

„Eine Hüfte nach der anderen, da fließt richtig Geld“, erklärte Greif zu dem Trend, möglichst aufwendige Operationen durchzuführen. Außerdem würden die Verwaltungen die Liegezeiten verkürzen, um den Betrieb lukrativer zu gestalten.

Die Krankenpflege gelte inzwischen als derart unattraktiv, dass immer weniger den Beruf erlernen wollten. Und diejenigen, die in der Pflege ihr täglich Brot verdienen, seien aufgrund der dünnen Personaldecke dermaßen überlastet, dass sie selbst zu Patienten würden. Viele könnten aufgrund von gesundheitlichen und psychischen Problemen nur noch Teilzeit arbeiten. Der Durchschnitt sei nur noch sieben Jahre im Beruf, gab Greif zu bedenken. Viele würden ganz aufhören. „Weil sie es nicht mehr aushalten“, stellte Greif fest. Am Ende gehe das alles zu Lasten der Patienten. Die würden zwangsläufig vernachlässigt. Oft sei es bei Pflegefällen nicht einmal mehr möglich, sie satt zu machen und sauber zu halten.

Fazit aus Sicht der Linken im Landkreis: Alles Umstände, gegen die es unbedingt vorzugehen gilt, auf politischer und gesellschaftlicher Ebene, wie es hieß. Denn, wie sagte Greif so schön: „Die Pflege hat keine Lobby!“  af

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