polizisten beleidigt

Freisinger Polizisten beleidigt: Obszöne Geste bringt Westafrikaner (20) ins Gefängnis

Wegen Beleidigung von Polizisten stand ein 20-Jähriger aus Westafrika vor dem Amtsgericht in Freising. Der Mann wollte einschreiten, als sein Cousin von Beamten festgenommen werden sollte. Der reumütige Angeklagte spricht inzwischen selbst von einer „kindischen Tat“.

Freising – Der in Freising lebende junge Mann ist kein unbeschriebenes Blatt. Zum Zeitpunkt der Tat, am 4. Januar dieses Jahres, stand er noch unter offener Bewährungsaufsicht. Die drohende Freiheitsstrafe vor Augen, war der Angeklagte merklich darum bemüht, Reue zu zeigen. „Für diese kindische Tat möchte ich mich entschuldigen“, bat er um Nachsicht. Er habe gedacht, für den Cousin einstehen zu müssen, war davon ausgegangen, dass der Verwandte zu Unrecht von der Polizei einkassiert worden war.

Was war geschehen an jenem späten Abend in Freising? Vor der Lerchenfelder Kirche waren einer Streifenbesatzung drei verdächtig aussehende Personen aufgefallen, berichtete einer der beteiligten Beamten (31) im Zeugenstand. Als die Polizisten das Trio kontrollieren wollten, gingen zwei stiften. Den Dritten ließen die Beamten indes nicht entkommen. Als sie auf der Fluchtroute der beiden anderen zehn Gramm Marihuana fanden, das die offenbar fallengelassen hatten, entschieden die Beamten, den mutmaßlichen Komplizen mit auf die Wache zu nehmen.

Angeklagter begründet seine Aktion mit Stress

Gerade, als die Polizisten den Festgenommenen in den Streifenwagen schieben wollten, kam der Angeklagte um die Ecke. Der 20-Jährige vermutete ein Unrecht, womöglich polizeiliche Willkür, und rief einen Spezl zur Verstärkung herbei. Mit mulmigem Gefühl im Bauch beobachten die Beamten, wie der Angeklagte sich in Rage brachte und sich provozierend vor ihnen aufbaute. Der von den Polizisten befürchtete Gewaltakt blieb aber aus. Möglicherweise kamen dem 20-Jährigen da schon die drohenden Konsequenzen in den Sinn. Jedenfalls beließ er es bei einer obszönen Geste. „Das war der Stress dieser Situation“, rang er im Prozess um eine Erklärung. Der Polizist fand das nicht lustig: Er fühlte sich in seiner Ehre beschmutzt.

Richter will die Würde der Uniform schützen

Auch für Richter Boris Schätz handelte es sich bei der Aktion des Angeklagten keineswegs um eine Lappalie. Er machte klar, dass er die Würde uniformierter Staatsbeamter als hochrangig zu schützendes Gut erachte, und ließ keine Milde gelten. Sozialstunden, wie vom Verteidiger beantragt, kamen für den Richter nicht in Frage, zumal der Angeklagte mehrfach vorbelastet ist, zuletzt bereits zu einer Jugendstrafe mit Bewährung verurteilt worden war. Schätz entschied auf eine Woche Dauerarrest. Dabei durfte sich der Angeklagte durchaus glücklich schätzen, dass der Richter das vorangegangene Urteil nicht einbezog, da es nicht einschlägig war. Bislang stand der 20-Jährige ausschließlich wegen Drogen vor Gericht. 

Sein Anwalt hatte sich bemüht, frühere Urteile zu relativieren. Frank Löser ist als Verfechter einer liberalen Drogenpolitik bekannt. Sein Mandant sei durch „falsche staatliche Sanktionierung beim Umgang mit weichen Drogen kriminalisiert“ worden, meinte er. Richter Schätz teilte diese Ansicht nicht, die im Freistaat bisher nur von wenigen Anwälten und noch weniger Richtern vertreten wird. Die Argumentation Lösers, so sagte der Richter immerhin, könne er aber nachvollziehen.

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Armin Weigel

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