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Nachdenkliche Gesichter: Die Freisinger Rettungskräfte berichteten dem Landtagsabgeordneten Florian Herrmann von einem Berg an Problemen. foto: lehmann

Blaulichtgespräch mit Abgeordneten Herrmann

Freisinger Rettungskräfte berichten von haarsträubenden Fällen

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Freising - Gaffer werden zu einem immer größeren Problem, die Klientel wird aggressiver, es mangelt an Personal, und Terrorlagen stellen ganz neue Herausforderungen dar. Es sind harte Zeiten für die Rettungsdienste.

Die Sorgenfalten auf der Stirn von Florian Herrmann wurden immer tiefer. Beim Blaulichtgespräch mit den Rettungsdiensten am Mittwoch im Bräustüberl erfuhr der innenpolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, mit welchen Problemen sich die ehren- und hauptamtlichen Retter zunehmend konfrontiert sehen. Gaffer, die sensationslüstern und ohne Scham die Arbeit behindern. Fälle, in denen BRK-Helfer krankenhausreif geschlagen wurden, wie BRK-Chef Albert Söhl schilderte. Verzweifelte Flüchtlinge, die auch mal auf Mitarbeiter der Krisenintervention losgehen, weil sie so verzweifelt sind. Das sind immer häufiger auftretende Probleme.

Verschlimmert wird das Ganze dann noch dadurch, dass das Personal fehlt. Der Rettungsdienst sei „das Sammelbecken für alles, was schief läuft in Deutschland“, formulierte es Robert Schmitt am Mittwoch. Er ist Präsident des Medizinischen Katastrophen-Hilfswerks Deutschland und schilderte, wie es an allen Ecken und Ende fehlt: 70 Prozent der Ausgebildeten verließen die Rettungsdienste, gingen in Krankenhäuser und in die Wirtschaft. Hauptgründe: „Der Druck ist zu groß und der Verdienst zu gering.“ Verschärft werde das Problem dadurch, dass die Integrierte Leitstelle viel zu oft bei Unfallmeldungen auch einen Rettungswagen alarmiere – in 90 Prozent der Fälle allerdings unnötigerweise.

Und dann noch das gestiegene, teilweise unverschämte Anspruchsdenken der Menschen: Wegen Bauchweh werde der Notarzt gerufen, oder weil ein Patient nach fünf Wochen das Gefühl habe, jetzt, mitten in der Nacht, habe der Notarzt ja mal Zeit, sich um seine Schmerzen zu kümmern. Jeder der anwesenden Rettungskräfte konnte da seine eigene, haarsträubende Geschichte erzählen. Etwa die, dass eine angeblich lebensbedrohlich Erkrankte dem Rettungsdienst fröhlich lächelnd die Tür öffnet. Das sei nicht lustig, betonte Schmitt. Denn inzwischen drohe auch der Krankentransport zu kollabieren. Die Wartezeiten würden immer länger (teilweise zwei Tage). Auf die vorgegebene und korrekte Art des Transports – ob mit Liegend-Taxi, Kranken- oder Rettungswagen – könne kaum mehr Rücksicht genommen werden.

Und dann gibt es da noch „eine ganz andere Welt“: die Einsätze bei Amokläufen und Terroranschlägen. Stichwort: OEZ. Schmitt, bei dem Anschlag damals organisatorischer Einsatzleiter für die Rettungskräfte, schilderte, dass man bei den Schwerverletzten eine Stunde Zeit habe, um sie auf einen OP-Tisch zu bringen. Ansonsten seien die Überlebenschancen gleich null. Doch bei Lagen wie in Paris, Barcelona oder München brauchten Polizei und SEK im Schnitt 54 Minuten, um das Gelände zu sichern. Fazit: Die Polizisten müssten die Verletzten „rausbringen“. Die Beamten, so hätten Gespräche ergeben, seien – Ausbildung und Koordination vorausgesetzt – dazu bereit.

Zudem, so Schmitt, müsse die Informationskette besser funktionieren. Beispiel: OEZ. Ihm sei ein Polizeibeamter zugeordnet worden. Beim Eintreffen der SEK seien aber auch die „normalen“ Beamten von Informationen abgetrennt worden – und damit die Rettungskräfte gleich mit. Solche Einsätze, wie es sie leider immer öfter geben werde, könne man nur durch Training bewältigen. In Frankreich funktioniere das, da müsse man in Deutschland auch hinkommen. Und wieder eine Sorgenfalte auf der Stirn von Florian Herrmann.

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