Publikum klatscht
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In Topform präsentierten sich die Dellnhauser Musikanten – was das begeisterte Publikum zu würdigen wusste.

Die Dellnhauser Musikanten präsentierten sich in Bestform, Kabarettist Klaus Karl-Kraus lag oft daneben

Freisinger Sommerwunder: Feinste Klänge und schwer verdauliche Sprüch’

Spitzenmäßig war das Konzert der Dellnhauser Musikanten beim Sommerwunder. Der flankierende fränkische Kabarettist weniger.

Freising - Die Dellnhauser Musikanten gaben sich die Ehre und gastierten beim heurigen Sommerwunder in Freising. Unter dem Motto „Holledau trifft Franken“ gab es neben feinster Volksmusik einer perfekt eingespielten Formation auch Kabarett vom fränkischen Urgestein Klaus Karl-Kraus, dessen humoristische Einlagen unbequem sein sollen, aber tatsächlich eigentlich vielmehr aus der Zeit gefallen sind und letztendlich nicht einmal in ein Bierzelt passen.

Volksmusik in Vollendung

In diesem Fall ist es gar nicht einfach: Das Konzert der Kult-Kapelle aus Dellnhausen war ohne Zweifel ein rauschendes Fest. Perfekt eingespielt nach einer langen Corona-Pause präsentierten sich die Volksmusikanten in Höchstform. Alleine der Opener „Holledauer Potpourri“, unter anderem mit einem Anriss von „Unser alte Kath“, ließ erahnen, dass es die Dellnhauser an diesem Abend noch krachen lassen wollten. Nicht umsonst gilt der Sound dieser Formation um Michael Eberwein als pure, freigeschälte Volksmusik – ohne Affinität und Kitsch. Eben die beste Volkstanzkapelle, die es weit und breit gibt, mit der Liebe zur Tradition und zum Detail. Der Zwiefache „I bin da Wirt vom Stoa“ mitreißend und in den Gesangsleistungen und Dynamik außergewöhnlich. Ganz hohe Qualität, wie auch das Lied „Hopfazupfa“, einer Hommage an die urbayerische Saison-Arbeit der Hallertauer. Der Kiem Pauli hätte bei solcher Weiterführung des bayerischen Soundtracks ohne Zweifel seine hellste Freude gehabt – denn die Dellnhauser Musikanten sind Bewahrer und Modernisierer gleichermaßen.

Leider fehlt es an der kabarettistischen Finesse

Und dann wird’s kompliziert: Der „König von Veitshöchheim“ durfte, so die Ansage von Klaus Karl-Kraus selbst, „Kultur daherbringen“. Freilich, im Ansatz sind die humorigen Ansätze oftmals im fränkischen Sprachbild und Klischees zu suchen, was tatsächlich tendenziell witzig sein kann. Beispiel: Der Franke wolle gar kein Mindest-Abstand von 1,50 Metern, sondern von mindestens vier Metern, auch außerhalb einer Pandemie. Und verstehen würde man den Franken ja auch ohne Mundschutz kaum.

Beim Kabarettisten Klaus Karl Kraus schieden sich die Geister. Zu hören waren auch Sprüche, die nicht mehr in diese Zeit passen.

Junge Leute bekamen ihr Fett ab

Doch dann, mittendrin, fallen Sätze, die Nebensätze sind und eigentlich auch gar nicht hätten sein müssen. Beispiel: „Wir können auf der Bühne nicht mehr alles sagen“, so Karl-Kraus und meint damit das berühmte „Zigeunerschnitzel“. Überhaupt bekommen vor allem die moderne Welt und die jungen Leute ihr Fett ab – seiner Erfahrung nach würde halt der Nachwuchs per se immer dümmer werden, nur sagen dürfte man das halt nicht mehr. Da schimpft er über Eltern, die ihre Kinder mit dem SUV zur Schule fahren und setzt es gleich mit „Erziehung war früher Handarbeit“. Ob es Karl-Kraus wirklich ernst meint mit „eine Schelln wäre nicht so schlimm“, denn aus ihm wäre ja auch was geworden, ist nur schwer zu filtrieren, denn es fehlte ihm die Atempause danach, wie man es von Gerhard Polt kennt.

Andere Eltern würden sich gerade bemühen, die Bundesjugendspiele verbieten zu lassen, weil der Sohn nie eine Urkunde erhalten habe. Das Kind, so Kraus, sei halt übergewichtig. Oder anders gesagt: „Eine fette Sau“, wie es Karl-Kraus ausdrückte. Sollte es Satire oder schwarzer Humor sein, fehlte es leider an kabarettistischer Finesse, um das deutlich zu machen?

Fazit: Ein wunderbares Konzert mit einem unlustigen Kabarettisten von vorgestern. rl

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