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Er liebt es, in den Ring zu steigen: der Freisinger Steuerberater Richard Lechner (48).

Er veröffentlicht zweites Buch

Freisinger Steuerberater: „Ich fahre keinen Kuschelkurs mit dem Finanzamt“

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Der Weg zur fertigen Steuererklärung ist für viele wie ein langer und frustrierender Boxkampf – schweißtreibend, zermürbend und am Ende gewinnt immer der Gegner. Der Freisinger Steuerberater Richard Lechner zeigt in seinem neuen Buch „Im Ring mit dem Finanzamt“, wie man nicht k.o. geht.

-Herr Lechner, beginnen wir das Interview mit einem rechten Haken: Es gibt so viele Steuer-Ratgeber auf dem Markt. Braucht es da Ihr Buch wirklich noch?

Klar braucht’s das. Es stimmt zwar, dass es schon viel gibt, allein 95 Prozent der weltweiten Steuerrechtsliteratur kommt aus Deutschland. Vieles ist aber nicht nur langweilig dargeboten, sondern auch in einer schwer verständlichen Sprache geschrieben. Ich wollte ein Buch schreiben, das jedermann verstehen kann, das unterhaltsam und spannend ist und Tipps bietet.

-Sie machen das, indem Sie die Steuererklärung mit einem Boxkampf vergleichen. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Ich boxe selbst seit einigen Jahren, um einen sportlichen Ausgleich zu haben. Eigentlich unbewusst habe ich dann damit begonnen, Steuerzusammenhänge mit Analogien aus dem Boxen zu erklären, um die Sache verständlicher zu machen. Wir Deutschen empfinden ja so eine Art Hassliebe für das Finanzamt. Viele Menschen befinden sich da in einem gefühlten Kampf. Das wollte ich als Autor nutzen, um möglichst viele Leser abzuholen.

-Ist das Finanzamt in diesem Fight kein übermächtiger Gegner?

Nicht, wenn man sich richtig auf seine Steuererklärung vorbereitet und sich bei der Ausarbeitung die richtigen Leute ins Boot holt.

-Dennoch verbreitet allein der Klang des Wortes „Finanzamt“ Furcht und Schrecken. Sie berichten am Anfang Ihres Buches, dass sogar renommierte Boxer vor der Behörde einknicken.

Sieht so aus. Ich habe im Laufe meiner Recherche für das Buch einige Boxer kennengelernt. Also jetzt keine, die mal auf einem Volksfest boxen, sondern gestandene Weltmeister. Ich habe sie der Reihe nach gefragt, ob sie ein Vorwort für das Buch schreiben wollen. Ich dachte, das wäre eine witzige Idee. Erst hieß es immer: Ja, klar, mach ich, bis sie dann anscheinend irgendwann das Nachdenken angefangen haben. Jeder hat mir abgesagt. Keiner wollte sich – vermeintlich – mit dem Finanzamt anlegen oder aus der Deckung kommen.

-Sie selbst sind da offenbar frei von Ängsten.

Ein Mandant aus Bayreuth hat mich mal als härtesten Steuerberater Deutschlands bezeichnet. Einen Kuschelkurs fahre ich jedenfalls nicht, die Konfrontation scheue ich auch nicht. Aber es ist nicht so, dass ich ein schlechtes Verhältnis zum Finanzamt hätte. Denn ich stelle die Beamten ja nicht als Raubritter da. Bei meinem ersten Buch über Schwarzgeld-Konten hatte ich sehr positive Resonanz – auch von Finanzbeamten. Ich habe sogar vom Leiter der Steuerfahndungsstelle in Konstanz eine Rezension bekommen: Er hat das Buch bei zwei Gläsern Wein in drei Stunden durchgelesen, weil er es so unterhaltsam fand.

-Im Buch ordnen Sie verschiedene Gruppen von Steuerpflichtigen den Gewichtsklassen im Boxen zu.

Stimmt. Mir war es wichtig, dass sich die Leser in meinem Buch schnell wiederfinden und einordnen können. Wer eine sehr einfache Steuererklärung hat, ist ein Fliegengewicht. Das sind normale Steuerpflichtige im Angestelltenverhältnis. Hier ist die Steuererklärung meist sehr einfach und mit wenig Aufwand zu erledigen. Ein bisschen komplizierter wird das dann schon beim Mittelgewicht. Das sind in meinen Augen Kleingewerbetreibende. Hier muss man dann schon schauen, ob der Unternehmer eine Buchhaltung führt, oder welche Steuerarten je nach Gesellschaftsform zu bezahlen sind.

-Sie sagen, dass es im Kampf mit dem Finanzamt auf die richtigen Helfer ankommt. Aus geschäftlichen Gründen müssen Sie das. Aber braucht es wirklich immer einen Steuerberater – auch in der Federklasse?

Nein. Aber es gibt für jeden zwei Umstände, bei denen es sich lohnt, sich einen Steuerberater zu suchen. Der erste: Wer schon Probleme mit dem Ausfüllen seiner Steuererklärung hat, sollte sich jemand suchen, der ihm helfen kann. Zu schnell sind falsche Angaben gemacht, wenn man die richtige Zahl in die falsche Zeile schreibt. Damit das nicht passiert, braucht man im Grund nur jemanden, der einem ein bisschen behilflich ist, ohne gleich eine Beratungsleistung zu erbringen.

-Und was ist dann der zweite Umstand . . .?

Eine komplizierte Steuererklärung. Zahlen Sie nur Einkommensteuer und haben vielleicht noch das ein oder andere Konto, das Zinsen abwirft, dann brauchen Sie niemanden zu engagieren. Das Wissen um die paar Pauschalen und Freibeträge kann man sich erarbeiten. Interessanter wird es, wenn jemand sein Einkommen aus verschiedenen Quellen speist. Hat einer noch Einnahmen aus bedeutenden Kapitaleinkünften, weil er erfolgreich an der Börse spekuliert oder eine Unternehmensbeteiligung hat? Hat er außergewöhnliche Kosten, etwa durch Fortbildungen oder eine doppelte Haushaltsführung? Grenzgänger, die in Deutschland wohnen und in einem Nachbarland arbeiten, haben ebenfalls einen Grund, sich Beistand zu holen. Auch ein Erbe oder der Plan der Eltern, Teile ihres Vermögens an die Kinder zu verschenken, sind Fälle, wo es sinnvoll ist, sich einen Berater zu suchen.

-Sie prangern in Ihrem Buch auch Steuerverschwendung an. Warum?

Mir war es wichtig, alle Facetten aufzuzeigen, also nicht nur: Wer bekommt von wem Geld? Sondern auch: Was wird damit gemacht? Meine These ist, dass der Steuerverschwender genauso hart bestraft werden sollte wie der Steuerhinterzieher. Für mich ist das ein Motivationskapitel. Viele machen aus Bequemlichkeit keine Steuererklärung. Damit sparen sie dem Staat viel Geld. Man sollte ihm aber nur das überlassen, was ihm wirklich zusteht. Wer sein Geld nicht in die nächste Elbphilharmonie fließen sehen will, sollte sich also bei der Steuererklärung einen Ruck geben.

-Sie sind seit einem Vierteljahrhundert Steuerberater in Freising. Wie ist Ihre Ringbilanz mit dem Finanzamt?

(lacht) Ich bin auf alle Fälle noch nie k.o. gegangen, und das bleibt auch so.

Zur Person: 

Richard Lechner (48) ist seit über 25 Jahren im Steuerrecht tätig. Er arbeitete mehrere Jahre lang als Leiter der Steuerabteilung in einem international tätigen Unternehmen und gründete 2002 eine Kanzlei in Freising. Seine Erfahrungen als Steuerberater, Aufsichtsratsvorsitzender und Business-Experte gibt er als Redner und Berater an Unternehmer weiter. In seiner Freizeit nimmt Lechner selbst Boxtraining. Inzwischen führt er das erste Kennenlerngespräch mit neuen Kunden gerne in der Boxschule – verbunden mit einem kleinen Training. „Das schweißt zusammen“, sagt er. 2013 veröffentlichte Lechner sein Debüt „Schwarzgeld, Nummernkonten und andere Steuerlügen“. Sein neues Werk „Im Ring mit dem Finanzamt – Erfolgsstrategien für Steuerpflichtige“ erschien am 13. Oktober auf der Buchmesse in Frankfurt und ist auch als Hörbuch erhältlich. Bestellbar ist es unter www.steuerberater-lechner.de.

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