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Nichts ging mehr am Freisinger Bahnhof. Die S 1 wendete in Moosach, nachdem die Stammstrecke gesperrt war. Fernzüge machten schon in Landshut kehrt.

Landkreis-Helfer im Großeinsatz

Schüsse in München – und am Flughafen

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Freising - Zur Unterstützung von Polizei und Hilfskräften nach dem Amoklauf in München wurden am frühen Freitagabend auch Kräfte aus dem Landkreis Freising mobilisiert. Die Polizeiinspektionen entsandten Beamte, das Rote Kreuz rückte mit Helfern und Equipment aus. Und dann gab’s noch einen Großalarm. Wieder Schüsse. Am Flughafen.

Es war 18.34 Uhr, als der Alarm der Integrierten Leitstelle einging. Tote. Terror. Ein Horrorszenario. Aus dem gesamten Landkreis-Gebiet wurden innerhalb sehr kurzer Zeit eine Vielzahl von Polizei-Einsatzkräften zur Unterstützung in die Landeshauptstadt abkommandiert. „Kollegen aus allen Inspektionen sind unterwegs nach München“, meldete ein Sprecher der PI Freising. „Jeder, der Dienst hatte und abkömmlich war, fuhr nach München“, ergänzte gestern Hauptkommissar Stefan Roith. Zusätzlich habe die Spätschicht – Wechsel wäre eigentlich um 20 Uhr – verlängert. „Auch Kollegen, die frei hatten, wurden hereingeholt, um das Alltagsgeschäft abzuwickeln.“

Zweiter Tatort 

Und auch das hatte es in sich: Es war am Freitag kurz nach 22 Uhr, als mitten in den Anti-Terror-Einsatz in München eine Alarmmeldung die Einsatzkräfte hochfahren ließ: „Schusswechsel am Airport.“ Sollte es einer der Täter von München doch bis an den Flughafen geschafft haben, um das Blutbad dort fortzusetzen? Ein Großaufgebot von Polizei und Rettungsdienst fuhr zum Gebäude der LSG Sky Chefs an der Nordallee. Anfangs war die Lage unklar: Von einem Beziehungsdrama oder einem eskalierten Konflikt eines früheren Mitarbeiters mit seinem Ex-Chef war die Rede. Tatsache war, dass ein Freisinger (47), dem vor einigen Wochen gekündigt worden war, seinen früheren Betrieb aufsuchte – mit einer Pistole. Was er dort genau wollte, ist noch unklar. Doch plötzlich löste sich ein Schuss. Dem Vernehmen nach handelte es sich um eine Platzpatrone aus einer echten, scharfen Waffe. Verletzt wurde jedenfalls niemand, ein Wachmann erlitt aber einen Schwächeanfall. Der 47-Jährige konnte laut Polizei überwältigt werden und wurde, da das Risiko einer Selbstgefährdung bestand, in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht. Die Kripo Erding hat die Ermittlungen übernommen. 

Währenddessen klärte sich auch die Lage in München. Die ersten Polizeikräfte kehrten um 1 Uhr nach Freising zurück. Sie hatten kurz später erneut Dienst. Die Letzten kamen laut Roith um vier Uhr aus München zurück. Unter’m Strich sei alles so gelaufen, wie es die Konzeption für solche Lagen vorsehe. 

Auch der BRK-Kreisverband Freising entsandte Helfer in Richtung München. „Wir sind kurz nach 18.30 Uhr, nachdem das Ausmaß der Tragödie bekannt wurde, über die Einsatzleitstelle nach Garching beordert worden“, schilderte am Freitagabend gegen 21.30 Uhr BRK-Kreisgeschäftsführer Albert Söhl. Insgesamt rund 30 Kräfte der verschiedenen Schnelleinsatzgruppen, sogenannte SEG, seien via Einsatzleitstelle auf das Gelände der TU München in Garching beordert worden. Von dort aus seien die Einsatzkräfte dann abberufen worden – je nach Bedarf. Im Einsatz waren unter anderem die SEG Technik und Sicherheit, Behandlung, Transport und Betreuung. 

Von und nach München ging auf der Schiene nichts mehr. Nur noch bis Moosach verkehrte die S 1. Der Fernzugverkehr aus dem Osten des Freistaates wendete bereits in Landshut – eine Folge der Evakuierung des Hauptbahnhofs in München. Es gab lediglich noch einen Pendelverkehr von Nahverkehrszügen zwischen Landshut und Freising. Betreuer der Bahn, die an den Bahnhöfen rund um München eingesetzt wurden, berieten auch in Freising gestrandete Passagiere. Zudem wurde laut Deutscher Bahn auch am Freisinger Bahnhof ein Übernachtungszug eingerichtet, in denen Fahrgäste bis zum Morgen Unterschlupf finden konnten. 

Auch das KIT hilft 

Das Kriseninterventionsteam Freising/Erding war am Samstag mit drei Teams im OEZ im Einsatz. Sie wurden zu Hilfe gerufen, um die Menschen bei der Kranzniederlegung zu unterstützen. Acht Kräfte waren vor Ort.

Im Interview bewertet Florian Herrmann die Arbeit der Polizei.

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