Wasserwacht im Boot
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Das Wach-Domizil der Wasserwacht am Stoibermühle-Badesee ist am Wochenende und an Feiertagen mit mindestens vier Kräften besetzt, die den Badebetrieb genau beobachten.

Im Gespräch mit Vorstand Andreas Dörner

Freisinger Wasserwacht: Wir geben am Badesee unser Bestes, aber keine Sicherheits-Garantie!

  • Helmut Hobmaier
    VonHelmut Hobmaier
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Schwimmen sollen die Kinder in der Schule lernen: Das fordert Andreas Dörner von der Wasserwacht Freising. Denn die Defizite der Kinder seien alarmierend.

Freising - Allein am vergangenen Wochenende sind in Bayern drei Menschen beim Baden ertrunken. Im Wörther Weiher (Kreis Erding) etwa ging eine gute Schwimmerin einfach neben ihrer Freundin unter – sie wurde gerettet, reanimiert, starb aber kurz später im Krankenhaus. In Freising wären beinahe zwei Kinder im fresch ertrunken. Über die Gefahren beim Baden und die – begrenzten – Möglichkeiten der Retter sprachen wir mit Andreas Dörner von der Freisinger Wasserwacht. Er fordert: „Schwimmen gehört in die Schule“. Und stellt klar: Um an einem Badesee wie der Stoibermühle alles im Auge zu behalten, bräuchte die Wasserwacht 20 Ehrenamtliche – die sie aber derzeit nicht hat.

Herr Dörner, haben die Badeunfälle in Freising Ihren Blick auf den Badebetrieb geschärft oder verändert? Behalten Sie jetzt die Kinder noch stärker im Auge?

Nein, so etwas verändert unsere Arbeit an der Wachstation Stoibermühle nicht. Unser Ziel war und ist es immer, alles im Auge zu behalten. Aber bei 2000 oder 3000 Badegästen ist das einfach nicht möglich. Wir geben unser Bestes – aber keine hundertprozentige Garantie auf Sicherheit. Das geht einfach nicht. Dazu bräuchten wir an der Stoibermühle 20 Leute – 20 Ehrenamtliche wohlgemerkt.

Wie groß ist denn Ihr Wachteam?

Wir sind am Wochenende und an Feiertagen präsent. Unter der Woche geht das nicht, wir sind ja alle ehrenamtlich aktiv. Dabei sind wir mindestens zu viert: Ein Wachleiter, ein Rettungsschwimmer, ein Sanitäter und ein Bootsführer. Es sind aber oft auch ein paar Wasserwachtler mehr da.

Ist es dann im Freibad sicherer als am See?

Tatsächlich ist das meiner Meinung nach so. Die Wasserflächen im Freibad sind einfach überschaubarer als ein weitflächiger Badesee. Aber auch ein Bademeister kann nicht alles im Auge behalten.

Erste Hilfe gehört zum Alltag der Retter: Hier demonstrierten Georg Buchmeier und Anna-Maria Lenz im Rahmen einer Übung im Jahr 2019 die Reanimation nach einem Schwimmunfall.

Gerade haben Schwimmanfänger im Freisinger fresch ihr Seepferdchen oder ihr Leistungsabzeichen in Bronze abgelegt. Letzteres bestätigt, dass man eigentlich unbeaufsichtigt schwimmen kann. Auch an einem Badesee?

Da wäre ich sehr vorsichtig. Kinder müssen von den Eltern grundsätzlich immer im Auge behalten werden. Ein Abzeichen hilft nichts, wenn ein Kind weit rausschwimmt und es plötzlich die Kräfte verlassen. Das kann allerdings jedem passieren, auch einem routinierten erwachsenen Schwimmer. Es ist niemand dagegen gefeit, dass er weit draußen einen Krampf bekommt, ihm schwindlig wird, oder dass plötzlich die Kraft nachlässt.

Haben deshalb immer mehr Schwimmer einen Luftsack, ein Board oder eine Luftmatratze dabei? Damit ist man doch auf der sicheren Seite.

Das hilft eigentlich alles nichts, wenn man nicht sicher schwimmen kann. Eine Luftmatratze vermittelt nur trügerische Sicherheit. Es ist okay, wenn sie ein guter Schwimmer nutzt, um mal eine Pause zu machen. Aber die Fähigkeit, ausdauernd schwimmen zu können, ersetzt eine Matratze keineswegs.

Die Fähigkeit, ausdauernd zu schwimmen – genau die haben aber immer weniger Kinder.

Ja, das ist ein alarmierender Trend – und das Problem gibt es nicht erst seit Corona, sondern seit mehreren Jahren. Mag sein, dass die Pandemie und die ausgefallenen Schwimmkurse das noch verschärft haben. Das ganze Ausmaß der Misere werden wir erst in ein paar Jahren sehen. Jetzt sind die Nichtschwimmer-Kinder noch in der Obhut ihrer Eltern. Wenn sie aber einmal in der Pubertät sind, können sie immer noch nicht schwimmen und werden es wohl auch nicht mehr lernen. Ein 14-Jähriger macht keinen Schwimmkurs mehr – das ist ihm zu peinlich. Dann kommt der Gruppenzwang beim Baden. Alle gehen schwimmen – und da wird es dann wirklich lebensgefährlich.

Was tun, Herr Dörner?

Schwimmen gehört in die Schule. Die Kinder sollen nicht Basketball lernen sondern das Schwimmen – das kann Leben retten. Leider ist das bei uns alles sehr kompliziert und jeder auf hundertprozentige Absicherung bedacht. Niemand will mehr Verantwortung übernehmen. Als meine Tochter in der zweiten Klasse an einer Schwimm-AG teilnahm, fragte mich die Lehrerin, ob ich nicht mit ins Becken gehen würde. Ich hab’ das auch gemacht, aber Schwimmunterricht an der Schule ist eigentlich nicht die Aufgabe der Eltern. Ich kann aber den Kindern nicht vom Beckenrand aus das Schwimmen beibringen. Da muss man mit rein ins Wasser. Das ist allerdings meine persönliche Meinung, nicht die der Wasserwacht.

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