Zwei Männer und eine Frau an Pulten
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Digitale Premiere: (v. l.) Prof. Dr. Peter Annighöfer, Prof. Dr. Sara Leonhardt und TUM-Professor J. Philipp Benz, der die Veranstaltung moderierte.

Veranstaltungsreihe „Wissenschaft erklärt für alle“ erstmals online

Freisinger Wissenschaftler: Wer nachhaltig lebt, rettet die Wildbienen

Was ist dran am Bienensterben? Sind die Bestäuber noch zu retten? Solche Fragen wurden jetzt von Freisinger Wissenschaftlern erörtert.

Freising - Das ist neu: TUM@Freising digital. Zum ersten Mal seit dem Bestehen des Formats wurde die Veranstaltungsreihe am Dienstag ausschließlich online durchgeführt. Mit zwei Kurz-Vorträgen wurde dabei das Thema „Bienen und Wälder – ein Miteinander für die biologische Vielfalt?“ im Rahmen von „Wissenschaft für ALLE“ umrissen. Das Insektensterben, insbesondere das Bienensterben, ist immer wieder ein Thema der öffentlichen Diskussion. Längst ist diese Problematik bei den Bürgern angekommen – vor allem durch das bayerische Volksbegehren zum Artenschutz im Jahr 2019. Dennoch stellen sich nach wie vor einige Fragen: Was ist dran am Bienensterben, und weshalb sterben die Bestäuber überhaupt?

Der Wert der Bienen-Bestäubung: eine Milliarde Euro!

Für die meisten Menschen, so die Referentin Prof. Dr. Sara Diana Leonhardt, seien Bienen per se Honigbienen. Weltweit gebe es allerdings mehr als 20 000 Arten, allein in Deutschland lebten mehr als 500 Arten. Die meisten davon seien solitär lebende Wildbienen. Umgerechnet sei der ökonomische Wert ihrer Bestäubung sogar zu berechnen: über eine Milliarde Euro.

Aber auch das betonte Leonhardt: Den Honigbienen gehe es gut. Es seien vor allem die anderen Arten, bei denen ein deutlicher und besorgniserregender Rückgang zu beobachten sei. Durch die Zerstörung natürlicher Habitate, Monokulturen, dem Einsatz von Pestiziden und dem Klimawandel werde der Bestand von Wildbienen stark reduziert – vor allem in landwirtschaftlich genutzten Regionen. Bienen gehe es gut, wenn sie sich ausgewogen und vielfältig ernähren könnten. Die Gefahr hierbei: fetthaltige Pollenarten. Was dagegen tun? Die Lösungsansätze sind laut Leonhardt denkbar einfach: Biodiversität zu fördern und nachhaltig zu leben.

Die Wälder entwickeln sich negativ, und das global

Mit dem Thema Biodiversität beschäftigt sich auch Prof. Dr. Peter Annighöfer – vor allem in puncto Wälder. Dabei seien die Strukturen von Primärwäldern vor allem ein Ergebnis der Erdgeschichte und der Faktoren Klima, Boden und Dynamik geschuldet, der von Wirtschaftswäldern hingegen den Bedürfnissen der Menschen, dem Wertesystem und der Priorisierung. Um es einfach zu sagen: Die Struktur des Waldes beeinflusse gleichzeitig auch die Funktionalität.

Dabei beschäftigt sich die Forschung auch mit der globalen Komplexität der Waldstrukturen – beeinflusst würden die von Niederschlag, dem Wasserhaushalt, der Saisonalität und der Bodenwasserspeicherkapazität. Diesbezüglich sei auch erkennbar, dass sich das großräumige Potenzial der Waldstrukturen weltweit künftig eher negativ entwickeln werde.

Tipp der Wissenschaft: Ökologische Wüsten vermeiden

Für Annighöfer ist auch wichtig festzustellen, dass Funktionalität auf Landschaftsebene stattfinde. Das bedeute, sich nicht nur auf den Wald zu fokussieren, sondern eben beispielsweise genauso auf die Flure oder Städte. Denn kleinräumige Heterogenität könne laut Annighöfer ebenfalls eine großräumige Homogenität zur Folge haben.

Sein Tipp: Man sollte vor allem kritisch umgehen mit scheinbar einfachen Lösungen für komplexe Systeme – denn manchmal diene „der grüne Anstrich nur dem Anschmieren“. Sein Wunsch an den Einzelnen: kleinflächige Strukturen zu schaffen, beispielsweise im Garten, Dynamik, sprich Verwilderung, zu erlauben, ökologische Wüsten zu vermeiden und gefährdete Baumarten zu pflanzen. rl

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