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Hat das Heft in die Hand genommen: Sylvia Manhart (l.) will Plastikmüll vermeiden und hat kurzerhand umweltverträglichere Schulheftumschläge für ihre Tochter Hannah (11) entworfen.

Freisingerin kreiert Heftumschläge aus Papier

Die schöne Alternative zu Plastik

Die weltweite Flut an Plastik und ihre katastrophalen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt gaben den Ausschlag. Und als dann wieder zu Schulbeginn der Einkauf von zahlreichen Hefteinbänden aus Plastik anstand, kam Sylvia Manhart eine Idee: Die Freisingerin entwickelte Umschläge aus Papier und gründete ihr eigenes kleines Unternehmen – eine Erfolgsgeschichte.

Freising – Es war der Film „Plastic Planet“ der die 40-Jährige auf das Thema aufmerksam machte. Der Film traf sie mitten ins Herz. „Ich war schockiert und dachte nur: Wir alle tragen zu dieser Katastrophe bei, und zwar jeden Tag.“ Und so traf sie die Entscheidung, Plastik soweit wie möglich aus ihrem Alltag zu verbannen. Sie begann, Gewohnheiten zu hinterfragen und reduzierte Plastik nach und nach: keine Plastikflaschen, kein Coffee to go, keine Chips.

Und dann fiel eines Tages ihr Blick auf die Schulheftumschläge ihrer Kinder: Einfallslos und lieblos in der Optik – und aus Plastik. Jedes Jahr werden davon Millionen verkauft und weggeworfen. 500 bis 800 Jahre braucht so ein Umschlag, bis er verrottet. „Das muss auch anders gehen“, dachte sich Sylvia Manhart, die einen MBA-Abschluss in Internationalem Marketing hat und derzeit an einer Freisinger Schule nebenberuflich Deutsch als Zweitsprache unterrichtet.

Die Freisingerin begann, die Idee von nachhaltig produzierten, hübsch aussehenden Heftumschlägen zu entwickeln. Es folgten Monate der Recherche, denn es sollte ein von vorne bis hinten nachhaltiges Produkt entstehen. Das begann bei der Auswahl des Materials: Recyclingpapier, das mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnet ist, einem Öko-Siegel mit strengen Richtlinien. Recyclingpapier sei heute viel besser als sein Ruf und tatsächlich: Die Umschläge wirken stabil und fassen sich gut an.

Der Druck sollte in einer bayerischen Öko-Druckerei erfolgen, die nach gemeinwohl-ökonomischen Standards arbeitet. Und dann, eines Tages, hielt sie die erste Charge in den Händen. „Wir haben die ersten 4000 Stück per Hand gefaltet, nächtelang“, erinnert sich Manhart und lacht. Ein Freisinger Geschäft gab ihr die Chance, ihr innovatives Produkt an den Mann zu bringen. Und das, obwohl damals der Preis noch bei über zwei Euro lag.

Um die Preise familienfreundlicher zu machen, musste Sylvia Manhart die Stückzahl in der Produktion nach oben schrauben. „Wir sind von 4000 Stück beim ersten Mal auf 24 000 Stück gegangen“, sagt sie, und es klingt ein bisschen so, als ob sie selbst noch immer von ihrem Entschluss überrascht ist. Dass damit das Falten per Hand hinfällig war, versteht sich von selbst. Aber ihr Mut wurde belohnt. Sie bekam einen vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Messestand in Frankfurt, und das Feedback der Kunden war überragend. Auch der Bund Naturschutz in Bayern wurde auf das kleine Start-Up-Unternehmen aufmerksam und bezieht nun die nachhaltigen Heftumschläge aus Freising. „Ein Ritterschlag für mich“, sagt die Freisingerin lächelnd.

Es folgten Interviews und Artikel in Fachzeitschriften und einschlägiger Literatur. Jetzt hat auch die erste Schule im Raum München einen ganzen Satz bestellt und möchte das Thema „Plastik“ damit mehr ins Bewusstsein der Schüler bringen. „Man muss dringend anfangen es den Kindern zu vermitteln“, sagt die Gründerin. Und das ist es auch, was sie immer wieder motiviert, neben dem Beruf, ihr kleines Unternehmen voranzubringen: „Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass meine Papierumschläge eine Lösung für das Plastikproblem sind. Nicht solange die Menschheit eine Million Plastikflaschen pro Minute produziert. Doch ich hoffe, dass die Papierumschläge dazu beitragen, das Thema Plasitmüllauf positive Weise in die Klassenzimmer zu bringen und Kindern, Eltern und Lehrern zu zeigen, dass es oft simple und schöne Alternativen gibt.“

Claudia Bauer

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