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Auf sehr hohe Sicherheitsstandards setzt Oliver Wolfhard (M.) vom Bestattungsunternehmen Wimmer. Gearbeitet wird mit der kompletten Schutzausrüstung, wie hier Herbert Sachs (l.) und Sebastian Sauerer.

Beerdigungen in Corona-Zeiten

Freisings Bestatter: „Man kann sich nicht richtig verabschieden“

Alles hat sich mit Corona verändert - auch Bestattungen. Für Trauernde eine besonders schwere Zeit.

Freising „Passt auf!“ ist das aktuelle Tagesmotto von Oliver Wolfhard, dem Geschäftsführer des Freisinger Bestattungsunternehmens Wimmer. Denn aufgrund der Corona-Krise ist natürlich auch erhöhte Vorsicht geboten im Umgang mit den Verstorbenen. Aber es hat sich nicht nur der letzte Weg eines Menschen aufgrund der momentanen Virus-Lage verändert, sondern auch die Trauergesten der Hinterbliebenen: Die klassische Umarmung, so Wolfhard, ist gerade etwas schwierig.

Für die Hinterbliebenen, sagt Wolfhard, ist es schon eine sehr außergewöhnliche Situation. Nur 15 Personen sind momentan bei einer Beerdigung zugelassen, der Mindestabstand von 1,5 Meter muss eingehalten werden. Die Frage, was bei einer Überschreitung der Gästezahl zu tun sei, ist für ihn nicht ganz geklärt: „Ich müsste den Hinweis geben, dass es verboten ist – und dann halt weiterarbeiten“, erklärt Wolfhard mit dem Zusatz: „Ich kann ja keinen aus dem Friedhof rausschmeißen!“

Selbst Weihwasser wurde zum Problem

Selbst das Weihwasser am Grab ist zu einem Problem geworden. Ingrid Baumann, Inhaberin des gleichnamigen Bestattungsinstituts in Au, erklärt: Das Aspergill müsste nach jeder Nutzung desinfiziert werden, ebenso wie die Erdwurfschaufel – deshalb wird darauf weitgehend verzichtet. Beisetzung, Gedenkgottesdienste und sonstige Messen fallen ebenso aus, der Weg des Sarges führt bei ihr beispielsweise direkt von der Auer Kühlung zum offenen Grab. „Das ist hart, die Leute können sich nicht richtig verabschieden“, so Baumann – auch weil dies beispielsweise im Krankenhaus oft schon nicht möglich gewesen war.

Einzige Möglichkeit des „Hinausschiebens“ wäre laut Wolfhard eine Urnen-Beisetzung: Beim Wimmer „warten“ aktuell sieben Urnen, die zu einem späteren Zeitpunkt verabschiedet werden. Im Extremfall könnte ein Leichnam in München sogar eingefroren werden – falls ferne Verwandte wegen Einreise-Verbote nicht zügig kommen könnten.

Frühzeitig mehr Särge bestellt

Aber vom Warten rät Wolfhard grundsätzlich ab: „Es wird weiter Verzögerungen aufgrund der Krise geben – und es wird ja auch weiter gestorben. Wenn jeder wartet, kommt es später womöglich zu Massen-Beerdigungen.“

Durch die Bilder aus Italien hat Wolfhard schon früh ein ungutes Gefühl bekommen und schon sehr zeitig einen Pandemie-Plan vorbereitet. Außerdem habe er sich mit mehr Särgen für den Notfall eingedeckt. Die Bestatter des Landkreises sind miteinander gut vernetzt und haben sich zudem gegenseitige Hilfe für den Extrem-Fall versprochen. „Das schlägt auf die Nerven und den Magen, es ist eine unterschwellige Angst – auch weil man einfach zu wenig weiß“, so der Wimmer-Geschäftsführer. Wie man mit infektiösen Leichen umgeht, ist gesetzlich klar vorgeschrieben: Der Leichnam wird mit Desinfektionsmittel benetzt, in eine sogenannte Bergungshülle verbracht und dann in den Sarg gelegt – Hülle wie Sarg müssen ebenfalls desinfiziert werden. Ein an Covid-19 Verstorbener darf auch nicht mehr umgekleidet werden, der Sarg bleibt danach verschlossen – dies gilt auch für alle anderen Infektionskrankheiten.

Anfänglich habe es da Probleme mit den Krankenhäusern gegeben, erzählt Wolfhard: Auf den Totenscheinen war die Ansteckungsgefahr nicht gekennzeichnet worden – selbst bei Verdacht muss das allerdings von einem Arzt hinterlegt sein. Unter anderem Wolfhards Engagement und Hartnäckigkeit sei es zu verdanken, dass jetzt bei Covid-19 auf dem Totenschein „Infektiös“ angekreuzt wird, lobte Thomas Eisenmann vom gleichnamigen Moosburger Bestattungsinstitut. Eisenmann weiß aber auch: „Mit Infektionen haben wir Übung, das ist immer gut gegangen!“ „Jetzt fragen wir oft gezielter nach“ sagt Baumann – meistens erfahren sie von der Corona-Infektion sowieso gleich von Angehörigen. Manche würden aufgrund des Virus mehr zu Feuerbestattungen tendieren, allerdings habe auch er immer genügend Särge auf Lager – das war auch schon vor der Krise so.

Die Lehre aus der Pandemie

Um den Eigenschutz zu gewährleisten, setzt Wolfhard wie auch die anderen Bestattungs-Institute auf hohe Sicherheitsmaßnahmen: Augenschutz, FFP-Masken, Schutzkittel, Handschuhe, Überschuhe und Gesichtsschilder. Seinen Pandemie-Plan möchte Wolfhard erstmal weiterführen. Für später plant er eine Supervision – auch, weil man aus dieser Krise „etwas lernen muss“. Insgesamt sollen die Leute auch ohne Pandemie besser aufpassen, die Routine aufbrechen und wieder mehr auf Hygiene achten: Sich einfach wieder mehr Zeit lassen.

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